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Hans-Joachim Höhn über das Geld der Kirche

Armutszeugnis

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Schachfigur
Bonn - Hans-Joachim Höhn über das Geld der Kirche

Nacktheit und Scham gehörten lange Zeit zusammen. Es war verpönt, sich öffentlich eine körperliche Blöße zu geben. Und es galt als unschicklich, auf entblößte Körper zu schauen. Wer dabei ertappt wurde, bekam einen roten Kopf. Das ist längst vorbei. Nacktheit ist ein Blickfänger. Aber gilt das auch für nackte Zahlen?

Nach einem aktuellen Bericht der Deutschen Bundesbank besaßen im Jahr 2014 die reichsten 10 Prozent der Bevölkerung 60 Prozent des Nettovermögens. 74 Prozent der Haushalte in Deutschland verfügten über ein geringeres Nettovermögen als der Durchschnitt. Diese Zahlen sagen viel aus über die Verteilung von Reichtum und Armut in unserem Land. Aber sie sagen nichts über das Schicksal und die Situation der Armen. Wer diese Zahlen anschaut, bekommt keinen roten Kopf.

Mit deutlich mehr Emphase hat sich die Deutsche Bischofskonferenz vor einer Woche dem Armutsthema gestellt und ihm einen Studientag gewidmet. Hier ist zur Sprache gekommen, was Armut zum Skandal macht und wofür man sich in einem reichen Land schämen müsste.

Allerdings wurde auch bei diesem Studientag ein wichtiges Detail schamhaft verschwiegen: Viele Bereiche kirchlicher Sozialarbeit (re)finanziert der Staat zu 90 Prozent. In der Öffentlichkeit aber betonen die PR-Profis der Bistümer, dass es dort zu 100 Prozent um einen Grundvollzug der Kirche geht. In diesem Punkt haben sie sicher Recht: Ohne Caritas ist die Kirche nicht vorstellbar. Eine Kirche ohne Caritas kann es nicht geben.

Aber wie steht es um deren finanzielle Ausstattung? Der viel beschworene Kostendruck sorgt dafür, dass sich die Stellen- und Personalschlüssel kirchlicher Kitas und Altenheime auf dem niedrigen Niveau ihrer säkularen Konkurrenz bewegen. Wenn aber die Kirche von ihren caritativen Einrichtungen ein besonderes Profil erwartet und menschliche Zuwendung in den Mittelpunkt stellt, muss sie dafür mehr investieren. Wenn dafür schon Steuergelder eingesetzt werden, sollte es wenigstens die Kirchensteuer sein.

Im Jahresbericht 2014/2015 listet der Caritasverband für die Stadt Bonn präzise auf, wie er seine Maßnahmen finanziert: 62 Prozent entfallen auf die Entgelte der Leistungsempfänger, Rentenversicherungsträger und Krankenkassen. Kommunale Mittel belaufen sich auf 17 Prozent und die katholische Kirche trägt 6 Prozent bei. Wer diese Zahlen liest, müsste eigentlich einen roten Kopf bekommen.

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