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Standpunkt

Auch der Advent braucht eine Vorbereitung

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Ein Kommentar von
Theresia Kamp
Bonn - Für Theresia Kamp fährt die Achterbahn schon – geradewegs in Richtung Weihnachten. Sie kommentiert, warum eine bewusste Vorbereitung nötig ist.

Mein Instagram-Feed ist nicht wiederzuerkennen. Das düstere Gruselsetting ist tannengrün-bordeaux-karierter Gemütlichkeit gewichen. Statt der 100. Idee, Kürbis neu zu entdecken, lässt mir jetzt ein Rezept für Gewürzkuchen das Wasser im Mund zusammenlaufen. Das dadurch ausgelöste Gefühl: Die Achterbahn fährt schon und sie schleudert mich geradewegs in Richtung Weihnachten.

Dabei bleiben noch drei Wochen, bis überhaupt erst einmal der Advent beginnt. Wie oft lautete in der Vergangenheit die Bilanz, dass er viel zu hektisch war. Je älter ich werde, desto mehr merke ich, dass ich ihn bewusst vorbereiten muss, damit das nicht wieder passiert.

Ich nehme mir vor, nicht so viele Termine in den Dezember zu legen. Und vielleicht stattdessen einen einzutragen, an dem ich selbst auftanken darf. In Klöstern und Tagungshäusern gibt es dafür großartige Angebote. Schön wäre eine "stille Zeit" an jedem Tag der Adventszeit. Die fällt mir leichter, wenn ich mich an etwas festhalten kann. Es gibt Adventskalender, die zum Beispiel die biblischen Lesungen des jeweiligen Tages enthalten. Manche laden dazu ein, eigene Gedanken zu notieren. Dieses Journaling hilft, dem Gefühl, dass Tag um Tag einfach an mir vorbeifliegt, etwas entgegenzusetzen. Und es regt mich an, Gottes Spuren in meinem Leben zu entdecken. Schließlich will er in mir "zur Welt" kommen.

Die Vorweihnachtszeit lebt von Sinneseindrücken, warmen Lichtern, dem Duft von Zimt, Vanille, Kardamom, Anis. Auch meiner Spiritualität tut es gut, wenn sie greifbar und wahrnehmbar wird. Ich werde öfter eine Kerze oder Weihrauch anzünden, meditative Musik hören, das kleine Weihwasserbecken neben der Tür nutzen, um Familienmitglieder oder mich selbst vor dem Verlassen der Wohnung zu segnen.

Trotzdem kann es passieren, dass nicht alles so wird, wie ich es mir vorgenommen habe. Aber auch dann wird Gott in meinem Leben sein. Seine Gegenwart ist nicht an meine Vorleistung gebunden.
Das Rezept für den Gewürzkuchen habe ich zur Sicherheit schon einmal gespeichert. Aber mit dem Backen warte ich noch. Und wenn es dann so weit ist, werde ich es ganz in Ruhe machen.

Der Autor

Theresia Kamp hat Theologie und Romanistik studiert. Sie arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Pastoraltheologie an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und schreibt regelmäßig für verschiedene christliche Medien.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.

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