Auch ein Mörder hat Menschenwürde
Dass Papst Franziskus die Todessstrafe aus der Glaubenslehre gestrichen hat, mag selbstverständlich klingen und wie überfällig aussehen, doch das ist es nicht. Zwar dauern manche Entwicklungen in der katholischen Kirche lange, wie in diesem Fall die Änderung des Abschnitts 2267. Aber erkennbar ist auch: Auffassungen zur Glaubenslehre, zu ethischen Fragen können sich ändern und sind nicht in Stein gemeißelt. In früheren Zeiten, etwa am Ende des 19. Jahrhunderts, war die Einstellung noch anders.
Klar ist jetzt jedenfalls, dass sich die katholische Kirche nicht nur gegen die Todesstrafe ausspricht, sondern sich entschieden für deren Abschaffung einsetzt. In Europa ist da wenig zu tun, doch anders sieht es im weltweiten Maßstab aus: Da werden Straftäter noch immer erhängt, erschossen, enthauptet oder vergiftet. In bevölkerungsreichen Staaten wie China und vielen US-Staaten müssen Schwerverbrecher sterben, ebenso etwa in Indien, Nigeria, Saudi-Arabien, Iran, Irak und Pakistan.
Und es ist überhaupt nicht auszuschließen, dass sich auch hierzulande die Stimmung dreht, wenn es um die Vergeltung und eine passende Strafe für Kinderschänder, Massenmörder, Terroristen geht. Gegen so eine denkbare Anpassung an den Zeitgeist wendet sich der Papst. Stimmen wie die von Malcolm Ranjith dürften daher nicht mehr durchsetzungsfähig sein. Der Kardinal von Sri Lankas Hauptstadt Colombo hat kürzlich als "letzte Option" die Wiedereinführung der Todesstrafe für Drogendealer begrüßt.
Gott allein ist der Richter über Leben und Tod, und jeder Mensch hat eine Würde, selbst ein noch so schlimmer Mörder und Kinderquäler – das ist das Kernanliegen hinter der Änderung des Abschnitts zur Todesstrafe. Dahinter steckt eine typisch katholische Auffassung zum Leben. Für dessen Schutz gilt es, sich in jeder Situation einzusetzen: vor der Geburt ebenso wie am Ende, bei Kranken und ebenso bei Flüchtlingen. So sieht das christliche Menschenbild aus. Dazu passt die Änderung des Katechismus-Abschnitts zur Todesstrafe.
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