Ausziehen für etwas Geld
Aus seiner Wohnung im westrumänischen Timisoara (Temeswar) retteten die Polizisten auch zwei seiner insgesamt fünf identifizierten Opfer. Allein angesichts des Wohlstandsgefälles zum Westen scheint Osteuropa ein Eldorado für Kinderpornografen zu sein. Dass Rumänien hierbei das heißeste Pflaster sein könnte, deutete 2008 ein Bericht der dänischen Polizei an. Demnach wurden in dem Karpatenland im europaweiten Vergleich die meisten Kinderpornografie-Webseiten gehostet.
Die Täter sind oft Trainer, Lehrer und Eltern
Die Opfer sind aber bei weitem nicht nur bedürftige Kinder, die durch Geld verlockt werden. Immer häufiger sind die Täter laut Presseberichten Vertrauenspersonen, die ihre Autorität ausnutzen: Sport-Trainer, Lehrer, bisweilen sogar die eigenen Eltern. Allein im Jahr 2013 wurden in Rumänien drei Fälle von Lehrern publik, die ihre Schüler zum erotischen Posieren gezwungen haben sollen.
Eine Respektsperson für seine Opfer dürfte wohl auch der Mann mit deutschem Pass gewesen sein, der als Karate-Lehrer im westrumänischen Zalau mehr als 100 erotische Filme von seinen minderjährigen Schülern machte. Das Material verkaufte er für 1.000 US-Dollar pro Film nach Kanada. Er wurde 2010 gestellt und zu drei Jahren Haft verurteilt.
Wenig später nahmen kanadische Ermittler die ukrainische Firma Azov ins Visier. Auch der Verantwortliche von Azov Films, Igor Russanow, hat offensichtlich Schutzbefohlene ausgenutzt. Schon 1994 machte er als Leiter von Pfadfinderlagern erotische Fotos von Knaben, später soll er die 8- bis 14-Jährigen direkt an Ausländer vermittelt haben. 2011 wurde Russanow in Bachtschissarai auf der Krim festgenommen und im Herbst 2012 zu fünf Jahren Haft verurteilt. Als Komplize flog damals auch ein Australier auf, der aber mit einer Bewährungsstrafe davonkam.
Strafen in Rumänien steigen - Balkan wird zum Problem
Die Kinderpornografie breitet sich laut rumänischer Polizei aus und ist immer schwerer zu kontrollieren. Das hat viel mit dem Internet zu tun. Auch in Europas Armenhäusern habe inzwischen fast jeder Zugang, dies senke die Hemmschwelle beim Verbreiten erotischer Kinderfotos und erleichtere den Tätern die Kontaktaufnahme zu ihren Opfern, heißt es in einem Bericht der Tageszeitung "Romania libera".
Immer wieder sprechen die Organisatoren demnach die Minderjährigen in unverdächtigen Netzwerken wie Facebook an und verführen sie dann zu privateren Chats auf anderen Domains. 2013 verlangte deswegen der rumänische Parlamentarier Sebastian Ghita eine stärkere Überwachung des Internets durch die Behörden. Immerhin ist in Rumänien die öffentliche Sensibilität für das Thema gestiegen. Die Website "safernet.ro" registrierte 2013 einen Anstieg der Anzeigen gegen kinderpornografische Postings um 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Davon ist man im ex-jugoslawischen Raum noch weit entfernt. Während in Rumänien die Verbreitung von Kinderpornografie mit bis zu zwölf Jahren Haft bestraft werden kann, bezieht sich die erst vor kurzem verschärfte Gesetzgebung im Westbalkan nur auf Pädophilie als vollzogener Sexualakt. Zwei serbisch-orthodoxe Bischöfe wurden des sexuellen Missbrauchs von Jungen überführt, aber sie kamen nicht hinter Gitter. Einer von ihnen wurde vorzeitig in Rente geschickt.
Von Andreas Stein und Kathrin Lauer (dpa)