Baby mit drei Eltern
Wie entstehen Drei-Eltern-Babys?
Es geht um eine Methode der künstlichen Befruchtung, die Erbkrankheiten verhindern soll. Im Mittelpunkt stehen dabei die Mitochondrien. Sie sind Bestandteile der menschlichen Zellen und funktionieren dort wie Kraftwerke, die den Energiehaushalt der Zelle regeln. Wenn bei einer Frau das Erbgut dieser Mitochondrien defekt ist und an das Kind weitergegeben wird, leidet der Nachwuchs an schweren Krankheiten wie etwa Muskelschwund oder Herzschwäche, die zu einem frühen Tod führen können.
Bei dem neuen reproduktionsmedizinischen Verfahren wird nun aus der Eizelle einer Spenderin der Zellkern entfernt, die gesunden Mitochondrien, die sich um den Kern herum in der Zelle befinden, bleiben erhalten. Nun wird in die entleerte Eizelle der Zellkern der Mutter samt Erbinformation eingepflanzt. Die so manipulierte Zelle wird dann befruchtet. Das Kind entsteht also aus einer befruchteten Eizelle mit dem Zellkern und einem Großteil der Erbinformation der Mutter und den gesunden Mitochondrien der Spenderin. Das Kind hat also drei biologische Eltern.
Nach Angaben von Wissenschaftlern macht die mit den Mitochondrien vererbte DNA der Spenderin nur einen kleinen Teil der gesamten Erbinformation des Kindes aus. Der Londoner Stammzellforscher Malcolm Alison beziffert den Anteil mit 0.1 Prozent.
Warum diskutiert Großbritannien aktuell darüber?
Die zweite Kammer des britischen Parlaments, das Oberhaus, stimmt am Montag darüber ab, ob das neue reproduktionsmedizinische Verfahren erlaubt werden soll. Die Zustimmung gilt als sicher. Das Unterhaus hatte das Verfahren schon Anfang Februar freigegeben. In der Abstimmung ohne Fraktionszwang votierten 382 Abgeordnete mit Ja, nur 128 mit Nein. Die Erlaubnis des Parlaments beschränkt sich auf Eltern, bei denen der Gendefekt nachgewiesen wurde. Laut Medienberichten kommt in Großbritannien jedes 200. Neugeborene mit einer schweren mitochondrialen Erberkrankung zur Welt. Rund 2.500 Britinnen haben derzeit das Risiko, eine defekte Mitochondrien-DNA weiterzugeben.
Großbritannien wäre das erste Land weltweit, das diese Methode der künstlichen Befruchtung erlaubt. Eine ähnliche Methode war in den USA bereits einmal legalisiert, 2002 aber wieder verboten worden. Die Briten sind in der Gentechnik traditionell Vorreiter. So war 1996 auch das erste geklonte Schaf Dolly dort entstanden.
Was sagt die Kirche dazu?
Die Kirche in Großbritannien lehnt das Verfahren dagegen ab. Es gebe „ernstzunehmende ethische Bedenken gegenüber dem Verfahren, das die Zerstörung eines menschlichen Embryos als Teil des Prozesses voraussetzt", erklärte die katholische Bischofskonferenz von England und Wales. Die anglikanische Kirche monierte, es fehle zu der Methode bisher an verlässlichen wissenschaftlichen Daten. Weitere ethische und wissenschaftliche Studien seien nötig, um die Folgen des Verfahrens abschätzen zu können.
Die deutschen Bischöfe kritisierten die Freigabe durch das britische Unterhaus ebenfalls scharf. Die genetische Identität des Menschen sei auf eine Weise tangiert, deren Auswirkungen bisher nicht absehbar seien, erklärte der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp. Ähnlich äußerte sich der Augsburger Weihbischof Anton Losinger, der auch Mitglied im Deutschen Ethikrat ist. Aus der gespaltenen Elternschaft der "Drei-Eltern-Babys" könnten sich soziale Probleme ergeben, wenn Kinder mehr über ihre Herkunft wissen wollten, sagte Losinger in einem Interview mit dem Kölner Bistumssender "Domradio". Die Debatten um Babyklappen und Samenspenden von Männern zeigten bereits, "dass Kinder stark nach ihrer Herkunft und ihrer Identität fragen". (mit Material von dpa und KNA)
Von Gabriele Höfling