Becker: Christentum wird instrumentalisiert
Hier werde der christliche Glaube für etwas instrumentalisiert, was seiner Kernbotschaft von der Liebe Gottes zu allen Menschen direkt entgegenstehe. Eine tatsächliche Begeisterung für christliche Werte, christliche Ideale und christliche Lebensführung stehe wohl kaum dahinter.
Christentum als "harmlose" Religion
Die plötzliche Popularität des Begriffs unter Flüchtlingsgegnern rühre aber auch daher, dass im Gegensatz zum Islam das Christentum als "harmlos" wahrgenommen werde, sagte der Erzbischof. Natürlich gebe es in der islamischen Welt Gruppen und Haltungen, die bedrohlich seien. Und natürlich plädiere er für ein Christentum, das nicht als bedrohlich wahrgenommen werde, so Becker. Aber viele Muslime würden allein schon deshalb verdächtigt, weil sie ihren Glauben offen und sichtbar lebten. Vom Christentum sei das niemand mehr gewohnt. "Christliches Abendland" bedeute heute vielen wohl nur noch "Religion in gut verdaulicher Menge", so Becker.
Laut dem Erzbischof kann "ein undifferenziertes Polemisieren gegen eine gesamte Religionsgemeinschaft" leicht alle Religionen treffen. Am Ende müssten sich alle Glaubensgemeinschaften dafür rechtfertigen, wenn sie in der Öffentlichkeit sichtbar sein wollten.
Beeindruckende Hilfsbereitschaft
Für die katholische Kirche bestehe die Gefahr, dass sie sich angesichts der Herausforderungen einer sich wandelnden Gesellschaft zu sehr mit sich selbst beschäftige, warnte Becker. Er forderte eine "nach außen gerichtetes Christentum", wie es sich das Erzbistum Paderborn auch in seinem Zukunftsbild auferlegt habe. Ein wichtiger Bestandteil sei dabei "der Dienst an armen und bedürftigen Menschen".
Becker verwies auf die beeindruckende Hilfsbereitschaft in den Gemeinden gegenüber der großen Zahl von Flüchtlingen. Er bewundere die Unermüdlichkeit mancher Helfer, die sich jetzt schon über Monate engagierten. Hierin zeige sich "die Echtheit des Glaubens und der Liebe". Doch dieses "authentische Christentum" sei sicher nicht gemeint, wenn auf fremdenfeindlichen Kundgebungen nach dem christlichen Abendland gerufen werden. (KNA)
Ob Naturkatastrophen, Armut oder Terror: Täglich verlassen Menschen ihre Heimat, um anderswo ein neues, ein besseres Leben zu beginnen. Die Flüchtlinge kommen auch nach Deutschland. Das bedeutet eine große Herausforderung für Politik, Gesellschaft und Kirche.