Berlin gedenkt des Weihnachtsmarkt-Attentats vor zwei Jahren
Berlin hat am Mittwoch der Opfer des Anschlags auf den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz vor zwei Jahren gedacht. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) erklärte: "Auch ich persönlich denke immer wieder an diesen traurigen Tag zurück. Unsere Gebete und Gedanken sind heute bei den Opfern und Hinterbliebenen." Der jüngste Anschlag in Straßburg habe "auf schmerzliche Weise gezeigt, dass wir nicht darin nachlassen dürfen, uns gegen solchen menschenverachtenden Terrorismus zur Wehr zu setzen".
Pfarrer liest Namen der zwölf Opfer vor
Vor der evangelischen Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche nahe dem Tatort versammelten sich rund hundert Menschen zu einer stillen Kranzniederlegung. "Tag für Tag halten viele Menschen an dieser Stelle inne und bringen damit ihre Anteilnahme zum Ausdruck. Mit ihnen verneigen wir uns", sagte Pfarrer Martin Germer. Er verlas im Anschluss die Namen der zwölf Opfer, die der Attentäter Anis Amri mit einem LKW getötet hatte. 70 weitere Menschen wurden damals verletzt. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) sagte: "Noch immer ist die Wunde nicht verheilt, die dieser feige Anschlag gerissen hat." Auf den Stufen vor dem Mahnmal für die Opfer waren zahlreiche Kerzen aufgestellt und Kränze niedergelegt.
Die Kirche bietet den ganzen Tag professionelle Beratungs- und Gesprächsangebote für Hinterbliebene und überlebende Opfer an. Am Abend ist ab 18.00 Uhr eine Gedenkandacht in der Gedächtniskirche geplant. Um 20:02 Uhr, dem Zeitpunkt des Anschlags, ertönen zudem zwölf Glockenschläge, gefolgt von fünf Schweigeminuten.
Noch viel Gesprächsbedarf bei Opfern
Der Opferbeauftragte der Bundesregierung, Edgar Franke (SPD), wies im Südwestrundfunk darauf hin, dass zahlreiche Menschen weiterhin unter den Folgen des Anschlags litten. Es gebe noch immer viel Gesprächsbedarf bei Opfern und Hinterbliebenen. Der Staat habe aus den Versäumnissen nach dem Anschlag vor zwei Jahren gelernt, fügte Franke hinzu. So seien die psychologische Hilfe und Betreuung nach Anschlägen verbessert und die finanziellen Hilfen deutlich aufgestockt worden.
Nach Angaben des Justizministeriums erhielten Opfer des Attentats und Angehörige insgesamt rund 3,8 Millionen Euro an Entschädigung. In vielen Fällen wurden auch lebenslange Zahlungen von monatlichen Grundrenten bewilligt. (KNA)