Bischof Bätzing: Kampf gegen Hass braucht langen Atem
Das Organisationsteam des "Ostritzer Friedensfestes" hat den vierten Katholischen Preis gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus erhalten. Zweite Preise gingen an die Katholische Gefängnisseelsorge in Hünfeld und Fulda für das Musikprojekt "Divine Concern" sowie das Projekt "Verlorene Orte", das vom Wuppertaler Malteser Integrationsdienst, der dortigen Evangelischen Kirchengemeinde sowie dem Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) getragen wird, teilte die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) am Dienstag mit. Die Preisträger wurden für ihr "herausragendes, vom christlichen Glauben getragenes Engagement geehrt".
Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, warnte bei der Verleihung vor jeder Form von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Bätzing erinnerte an die NSU-Morde sowie die rassistischen Anschläge in Halle und Hanau: "Der Kampf gegen Hass und Vorurteile braucht einen langen Atem", so der Limburger Oberhirte. Die Preisträger zeigten, "dass es möglich ist, sich den Bedrohungen des Rassismus mit klarer Haltung und Kreativität, ja sogar mit Heiterkeit, entgegenzustellen und viele zu begeistern". So würden Menschen auch dort verbunden, "wo zunächst vielleicht nur Trennendes gesehen wurde".
Der kanadische Jesuit und Kardinal Michael Czerny, Leiter der Sektion für Flüchtlings- und Migrationsfragen in der vatikanischen Entwicklungsbehörde, verband in seiner Festrede die Sorge um Geflüchtete mit erfolgreicher Antirassismusarbeit: "Die Aufnahme von Flüchtlingen und die Begegnungen mit ihnen tragen still, aber wirksam zum Abbau von Fremdenfeindlichkeit und Rassismus bei." Der kommissarische Vorsitzende der Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz, der Paderborner Weihbischof Dominicus Meier, sagte, er sei froh und dankbar, "dass es so viele Initiativen gibt, die aus christlichem Verständnis heraus weit in die Gesellschaft hinein wie Leuchttürme für ein respektvolles Miteinander wirken. Mit dem Preis verbindet sich auch die Hoffnung, dass viele andere ermutigt werden, sich vor Ort ebenfalls auf kreative Weise gegen Rassismus einzusetzen".
Protest gegen rechte Veranstaltung
Die "Ostritzer Friedensfeste" entstanden aus dem Protest gegen ein rechtsextremes Musikfestival am Rande der sächsischen Stadt, sie werden von einem breiten zivilgesellschaftlichen Bündnis getragen – auch die katholische Kirchengemeinde gehört dazu. Bei den Veranstaltungen werden laut DBK auf kreative und humorvolle Weise Aufklärung, Demonstration und Begegnung miteinander verbunden.
Beim ökumenischen Musikprojekt "Divine Concern" reflektieren Gefangene gemeinsam mit Künstlern und Seelsorgern Gewalt und Rassismus im Alltag, um diese so zu überwinden. "Verlorene Orte" bringt dagegen junge Frauen mit einer Fluchtgeschichte mit älteren Menschen zusammen, die in der Vergangenheit eine Heimat verloren haben. Im Austausch sollen Gemeinsamkeiten herausgefunden werden.
Der Katholische Preis gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus wird von der DBK seit 2015 verliehen. Ausgezeichnet werden Akteure, "die sich in Deutschland aus dem katholischen Glauben heraus im Kampf gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus bzw. für ein respektvolles Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft engagieren". Bei der diesjährigen Ausschreibung gingen über 60 Bewerbungen und Vorschläge ein. (cph)