Bischof betet für Menschen, die Suizid begangen haben
Der italienische Bischof Ivo Muser hat an Allerheiligen Menschen, die Suizid begangen haben, explizit in die Fürbitten mit aufgenommen. Zudem sprach er sich für eine offenere Diskussion über das Thema aus. "Ich bin der Meinung, dass über Suizid zu wenig gesprochen wird", sagte der Bischof von Bozen-Brixen am Samstag in einem Interview mit dem deutschsprachigen Sender "Rai Südtirol". Die Kirche solle besonders den Menschen hinter dem Suizid sehen. Dieser bräuchte Anteilnahme und Respekt und keine Verurteilung, so Muser.
Den Bischof beschäftigen die vierzig bis fünfzig Suizidfälle pro Jahr in Südtirol. "Jeder Suizid ist schmerzlich. Er wirft bohrende Fragen auf", sagt Muser. Aus christlicher Perspektive müsse man betonen, dass das Leben ein Geschenk sei, über das Menschen nicht verfügen dürfen. Gleichzeitig stehe der Kirche das letzte Urteil über das Lebensende nicht zu. "Da ist Zurückhaltung, Respekt, Nähe und Anteilnahme wichtig", betonte Muser. Auch die Unterstützung der Hinterbliebenen sei zentral.
Diskussion über Sterbehilfe
Zur politischen Debatte über assistierten Suizid sagte Muser, dass die Kirche diesen Weg nicht gutheißen könne und werde. Man dürfe in der Diskussion keine vorschnellen Urteile und Antworten geben. "Wir müssen diejenigen, die leiden, ernst nehmen, auf ihre Ängste hören und ihre Würde respektieren", sagte der Oberhirte in seiner Allerheiligen-Predigt auf einem Bozener Friedhof. Der christliche Glaube erinnere daran, dass auch schwache, kranke und von anderen abhängige Menschen eine Würde haben. Diese sei unabhängig von Leistungsfähigkeit, Selbstständigkeit oder Lebensfreude und basiere auf der Liebe Gottes für jeden Menschen. Gesellschaft und Politik müssten medizinische Versorgung und die Betreuung und Begleitung in Palliativeinrichtungen ermöglichen. So könnten Schmerzen gelindert und Ängste ernstgenommen werden. "Eine wirklich humane Gesellschaft wird vor allem dadurch anerkannt, wie sie die Schwächten behandelt", sagte Muser.
In Italien ist der medizinisch assistierte Suizid nicht landesweit geregelt. Das Verfassungsgericht stelle 2019 und 2024 fest, dass aktive Sterbehilfe in Extremfällen nicht bestraft werden kann. Die Region Trentino-Südtirol hat darüber hinaus keine eigenen Vorgaben. Eine Neuregelung war im Juni nach massiver Kritik, unter anderem von der katholischen Kirche, verschoben worden.
Wenn Sie oder eine Ihnen bekannte Person über Suizid nachdenken oder sich in einer emotionalen Notlage befinden, wenden Sie sich bitte sofort an professionelle Stellen. Die TelefonSeelsorge ist in Deutschland rund um die Uhr, anonym und kostenlos unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123 erreichbar. Für Kinder und Jugendliche ist die Nummer gegen Kummer unter 116 111 erreichbar. In Südtirol ist das Krisentelefon unter 880 101 800 und die Telefonseelsorge der Caritas unter 0471 052 052 erreichbar. Die Hilfsangebote bieten auch anonyme Beratung per Chat oder E-Mail an. Wählen Sie bei akuter Gefahr umgehend den Notruf 112.