Caritas warnt vor Verschärfung der Wohnungsnot
Der Deutsche Caritasverband warnt vor einer Verschärfung der Wohnungsnot in Deutschland. "Wohnungsnot ist zu einer sozialen Wirklichkeit geworden, die gesellschaftspolitisches Konfliktpotenzial birgt. Immer mehr Menschen erleben sich als nahezu chancenlos auf dem Wohnungsmarkt", sagte Caritas-Präsident Peter Neher am Dienstagabend beim Jahresempfang des katholischen Wohlfahrtsverbandes in Berlin, an dem auch CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer teilnahm. Politik, Wohnungswirtschaft und Sozialverbände seien gefordert, mit ihrer je eigenen Kompetenz einen Beitrag zur Lösung dieses Problems zu leisten.
"Das Problem hat die Mitte der Gesellschaft erreicht"
Insbesondere in Großstädten und Ballungszentren machten immer mehr Menschen die bittere Erfahrung, dass die Suche nach einer Wohnung ein nahezu aussichtsloses Unterfangen sei, so Neher weiter. Knapper Wohnraum und steigende Mieten träfen nicht mehr nur Menschen mit geringen Einkommen. "Auch Menschen aus der Mittelschicht, die als Pfleger, Polizist, Krankenschwester oder Erzieherin arbeiten, erleben, dass bezahlbarer Wohnraum Mangelware geworden ist. Das Problem hat die Mitte der Gesellschaft erreicht", betonte der Caritas-Präsident.
Neher appellierte an Politik und Wohnungsunternehmen, günstigen Wohnraum zu erhalten und zu schaffen. Dass die Politik das Problem erkannt habe, zeige sich unter anderem daran, dass der Bund angekündigt habe, die Länder beim Bau von Sozialwohnungen bis zum Jahr 2021 mit zwei Milliarden Euro unterstützen zu wollen. "Diese Entscheidung ist zu begrüßen", sagte Neher. Der Caritas-Präsident nahm in seiner Rede auch die Kirche in die Pflicht. Bistümer, Pfarrgemeinden und kirchliche Wohnungsunternehmen müssten alle Optionen prüfen, um bezahlbares Wohnen für mehr Menschen zu ermöglichen.
Bätzing: Gerechte Wohnraumversorgung eine der großen Herausforderungen unserer Zeit
In einem Grußwort berichtete der Limburger Bischof Georg Bätzing von der Situation in Frankfurt, der größten Stadt seines Bistums. Auch dort seien bezahlbarer Wohnraum und Sozialwohnungen Mangelware. "Die Frage einer gerechten Wohnraumversorgung für alle Einkommensgruppen gehört unbestritten mit zu den großen Herausforderungen unserer Zeit", so Bätzing, der in diesem Zusammenhang aus Papst Franziskus' Enzyklika "Laudato si" zitierte: "Der Besitz einer Wohnung hat viel mit der Würde der Personen und der Entfaltung der Familien zu tun. Es handelt sich um eine zentrale Frage der Humanökologie."
Die diesjährige Jahreskampagne der Caritas steht unter dem Motto "Jeder Mensch braucht ein Zuhause". Damit will der Wohlfahrtsverband auf das Problem der Wohnungsnot hinweisen und deutlich machen, dass jeder Mensch Anspruch auf eine bezahlbare Wohnung hat. (stz)