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Andreas Püttmann über die Bischöfe und die AfD

Causa finita

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Schachfigur
Bonn - Andreas Püttmann über die Bischöfe und die AfD

Nach der Frühjahrsvollversammlung des deutschen Episkopats titelte die FAZ: "Bischöfe: AfD nicht mit christlichem Glauben vereinbar"; die Oberhirten hätten die Partei als "nicht wählbar" qualifiziert. In der Tat hatte Kardinal Marx zunächst für Wahlprogramme, Politiker-Äußerungen und -Habitus "rote Linien" markiert und dann zur AfD gefolgert: "In aller Klarheit: Mit einer christlichen Perspektive ist politisches Agieren nicht vereinbar, das vom Schüren von Fremdenfeindlichkeit, von Ängsten gegen Überfremdung, von einseitiger Betonung nationaler Interessen, einem nationalistischen Kulturverständnis, Religionsfreiheit unter dem Vorbehalt staatlicher Kontrolle oder der grundsätzlichen Infragestellung der repräsentativen Demokratie lebt."

AfD-Fürsprecher im Katholizismus, die sich längst ihr eigenes Lehramt sind, werden die Bischöfe dafür weiter als "parteipolitische Gouvernanten" und vom "Merkel-Regime" korrumpierte "Staatsbeamte" schmähen. Auch was der vor dem Rechtspopulismus warnende Papst sagt, ficht sie nicht an. "Roma locuta, causa finita" war gestern. Die ganz Schlaumeierischen pochen auf die Konzilsaussage, nur wenn "die Grundrechte der menschlichen Person oder das Heil der Seelen" in Gefahr seien, nehme die Kirche "das Recht in Anspruch, (...) auch politische Angelegenheiten einer sittlichen Beurteilung zu unterstellen". Doch ist nicht genau diese Voraussetzung erfüllt, wenn Politiker die Religionsfreiheit von Muslimen in Frage stellen, Journalisten von Parteitagen ausschließen, die Bundeskanzlerin "in der Zwangsjacke" abführen, den "Schuldkult" um den Holocaust beenden, auf Flüchtlinge notfalls schießen oder Homosexuelle zählen lassen wollen? Wenn sie den Staat, der die Grundrechte schützt, als Quasi-Diktatur verleumden und höhnen, Jesus sitze "nicht zufällig zur Rechten Gottes"?

Wie blind muss man sein, nicht das Gewaltpotential und die Rechtlosigkeit hinter den maßlosen Parolen großer Teile der AfD zu erkennen? Ressentiment, Fanatismus und Hass sprengen früher oder später immer die Bindungen des Rechts. Ein Blick auf regierende Rechtspopulisten sollte Mahnung genug sein. Regelmäßig vergreifen sie sich an Justiz und Medien, um ihre Macht zu zementieren. Man muss kein "Nazi" sein, nur etwas faschistoid, um den demokratischen Rechtsstaat in ein autoritäres Regime zu verwandeln. Dafür bietet ein religiös entkerntes katholisches Ordo-Denken leider eine geeignete kognitive Struktur. Kirchennahe Katholiken neigen weniger, kirchenferne aber häufiger als Protestanten zur AfD. Die geistliche Schwarmintelligenz weist von den Rechten weg. Den untypischen kirchennahen AfD-Katholiken haben die Bischöfe nun die katholisch-sozialethische Legitimation entzogen. Spät, aber deutlich.

Hinweis

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