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Experten mahnen zu sachlicher Debatte und Hilfen

Christen in Asylheimen bedroht?

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Die Leipziger Asylbewerberunterkunft in der Torgauer Straße 290.
Bonn - In einigen Bundesländern sind christenfeindliche Übergriffe unter Asylsuchenden bekannt geworden. Der Integrationsbeauftragte der bayerischen Landesregierung, Martin Neumeyer (CSU), forderte daraufhin am Dienstag in der "Welt" eine getrennte Unterbringung von Flüchtlingen je nach Religionszugehörigkeit. Andere Experten sehen dieses Vorhaben kritisch.

Seit Wochen kursieren Nachrichten über Christen, die vor der Gewalt im Nahen Osten geflohen sind, nur um in Deutschland erneut Opfer von Drohungen und tätlichen Übergriffen zu werden. Auch die Täter selbst sind Flüchtlinge. So berichtete "Report München" des Bayerischen Fernsehens von muslimischen Kindern, die ihre christlichen Altersgenossen als Ungläubige beschimpfen. Eine Familie fühlte sich demnach so bedroht, dass sie zurück in das irakische Mossul kehrte. Dort mussten sie wie tausend andere Christen erneut fliehen: diesmal vor der Terrormiliz "Islamischer Staat".

Die Probleme zwischen den Religionen im Asylheim gibt es nicht nur in Bayern: Aus dem Bistum Limburg berichtet Günter Adam katholisch.de, dass ihn zwei Familien aus Syrien und dem Irak um Hilfe gebeten hätten. Der Referent des katholischen Bezirks Main-Taunus kümmert sich seit 20 Jahren um Flüchtlinge. Sein Vorschlag wäre, in Fällen von Gewalt und Mobbing die betreffenden christlichen Flüchtlinge aus Syrien, Irak und Libanon mit christlichen Flüchtlingen etwa aus Eritrea in gemeinsamen Unterkünften zusammenzulegen. Der CSU-Politiker Neumeyer dagegen fordert eine generelle Trennung nach Religionszugehörigkeit.

Professionelle Begleitung für Problemlösung

Die Diakonie in Bayern sieht diesen Ansatz eher kritisch: So würden Vorbehalte gegenüber den Angehörigen anderer Religionen tendenziell sogar verstärkt, sagte der Präsident des evangelischen Wohlfahrtsverbands, Michael Bammessel. Er verwies auf die Situation in den Unterkünften. Hier lebten Menschen unterschiedlicher Kulturen und Nationen auf engsten Raum. Viele von ihnen hätten traumatische Erfahrungen machen müssen.

Der Wohlfahrtsverband empfiehlt, zur Problemlösung auf professionelle Begleitung zurückzugreifen. "Den Asylsozialberatern der Diakonie gelingt es, viele Konflikte frühzeitig abzufangen." Deshalb plane sein Verband, mit Hilfe des Freistaats und der evangelischen Landeskirche diese Angebote weiter auszubauen, kündigte Bammessel an. Zudem kritisiert er: "Durch die Berichterstattung über einige wenige Einzelfälle ist in der letzten Zeit ein Bild entstanden, das der Realität nicht entspricht", so der Diakonie-Präsident. Eine Umfrage unter den 75 Beratern des Wohlfahrtsverbands vor Ort zeige keine Zunahme von religiösen Konflikten in Flüchtlingsunterkünften.

Konflikte meist mit Konvertiten

Religiöse Konflikte gebe es nur selten, meist zwischen Muslimen und ehemaligen Muslimen, die in ihrer Heimat zum Christentum konvertiert seien. Meistens seien Streitereien durch nationale, ethnische oder kulturelle Unterschiede bedingt, "wenn es sich nicht einfach um persönliche Differenzen handelt". Dass Religionswechsler ungleich stärker betroffen seien als andere christliche Flüchtlinge, berichtet auch Max Klingberg, Experte für Religionsfreiheit und islamisches Recht bei der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte. "Bei christlichen Konvertiten aus muslimischen Ländern geht die Wahrscheinlichkeit, Opfer von Übergriffen oder Mobbing in Deutschland zu werden, gegen 100 Prozent," sagte er der "Welt".

Alle Experten warnen jedoch vor Generalisierungen gegen Muslime: Der Bezirksreferent Günter Adam fürchtet, dass bei der geführten Diskussion all die friedlichen muslimischen Flüchtlinge und Familien "hinten runter fallen", die sich ruhig verhalten und nur ihren Frieden suchen. Auch Max Klingberg sagt, Übergriffe auf christliche Asylbewerber in Deutschland seien kein Massenphänomen, aber auch keine Seltenheit. (Mit Material von KNA)

Von Tobias Böcher

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