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Religion bei "The Big Bang Theory"

"Danke Jesus – wie meine Mutter sagen würde"

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Die Hauptdarsteller von "The Big Bang Theory"
Bonn - Zur Zeit laufen in Deutschland die letzten Folgen der US-Erfolgssitcom "The Big Bang Theory". Wie viele andere Fernsehserien spart auch sie das Thema Religion und Glaube nicht aus. Doch statt sich nur über Klischees lustig zu machen, weist sie auch Spuren einer ernsthaften Auseinandersetzung auf.

Die Geschichte der beliebtesten Nerds der TV-Historie ist bald auserzählt: Seit Mitte September werden in Deutschland die letzten Folgen der US-Sitcom "The Big Bang Theory", die das fiktive Leben von vier hochbegabten, aber sozial ziemlich unbeholfenen Wissenschaftlern zeigt, ausgestrahlt. Zwölf Staffeln lang handelte die Serie vom Streben nach neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen, Comic-Superhelden, Science-Fiction-Filmen und der Suche nach Liebe und Anerkennung. Doch nicht selten spielen auch religiöse Weltanschauungen eine Rolle.

Zugegeben: Es ist nichts Neues, dass Fernsehserien das Thema Religion steifen. Immerhin erheben diese Serien den Anspruch, die Gesellschaft in all ihrer Pluralität widerzuspiegeln. Oftmals kritisieren sie auch Missstände oder machen sich über Klischees lustig. Dabei lässt sich der Bereich Glaube und Religion schwerlich aussparen. Natürlich geschieht dies, zumindest in Sitcoms, meist eher oberflächlich und an der Grenze zur Persiflage. Auch in "The Big Bang Theory" gibt es dafür reichlich Anschauungsmaterial. Doch daneben weist die Serie auch Spuren einer ernsthaften Auseinandersetzung auf, die sich im Hintergrund abspielt: Lassen sich Religion und rein rationale Wissenschaft irgendwie miteinander in Einklang bringen? Oder stehen sie sich diametral gegenüber?

Dieser "Kampf" wird bei "The Big Bang Theory" sogar personifiziert: in der Beziehung zwischen Sheldon Cooper, einer der Hauptfiguren, und seiner Mutter Mary. Sheldon ist von Beruf theoretischer Physiker – und ziemlich überzeugt, ja sogar eingenommen von sich und seiner Arbeit. Sein Schaffen fasst er einmal so zusammen: "Ich bin beschäftigt damit, der Natur die Maske zu entreißen und in das Antlitz Gottes zu blicken." Dabei bestreitet er die Existenz eines höheren Wesens mehrfach im Verlauf der Serie. Sein Weltbild ist rein rationalistisch-wissenschaftlich; christliche Glaubensüberzeugungen wertet er oft als "Märchen" ab.

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Doch ausgerechnet er wurde von einer evangelikalen, beinahe christlich-fundamentalistischen Mutter erzogen. Mary nimmt die Bibel wörtlich und glaubt beispielsweise an die Erschaffung der Welt, wie sie im Buch Genesis beschrieben wird. Sheldon liebt sie zwar, ärgert sich aber über ihre anti-wissenschaftlichen Ansichten, die durch ihren religiösen und kulturellen Hintergrund gefördert werden. Wenn er mit seiner Mutter zusammentrifft, versucht er gerne, sich ihre Glaubensvorstellung zu widerlegen. Doch als er merkt, dass dieses Unterfangen zwecklos ist, gibt er oft klein bei. Mary wiederum konterkariert das in der Realität häufig verbreitete Klischee vom aufgeklärten Menschen, der sich über den "dummen" Gläubigen lustig macht. Wissenschaftliche Erklärungsversuche zur Entstehung der Erde belächelt sie nur und tut sie als eine Meinung neben vielen ab.

Doch Sheldons Mutter wird von den Machern der Serie keineswegs als finstere Hardlinerin dargestellt. Gegenüber ihrem Sohn verhält sie sich liebevoll und geduldig. Sie fasst ihn als Geschenk Gottes, manchmal aber auch als Prüfung auf. Sie ist sehr stolz auf ihn und seine Leistungen, kann sich seine Begabung allerdings nur mithilfe ihres Glaubens erklären. Einmal charakterisiert sie Sheldon so: "Das Temperament hat er von seinem Vater, die Augen hat er von mir. Und das Wissenschaftszeug kommt von Jesus."

"Wenn wir lügen, bringen wir Jesus zum Weinen"

Auch wenn Sheldon sich betont atheistisch gibt, hatte seine religiöse Erziehung dennoch einen Einfluss auf ihn. In einer Folge sagt er zu seinen Freunden: "Meine Mutter sagt immer, wenn wir lügen, bringen wir Jesus zum Weinen." Ein anderes Mal gelingt ihm beim Bowling ein Strike, woraufhin er laut "Danke Jesus!" ruft – nur um dann schnell verlegen hinzuzufügen: "Wie meine Mutter sagen würde". Außerdem ist Sheldon mit Bibelstellen vertraut. So zitiert er in einer anderen Episode den ans Kreuz genagelten Jesus, allerdings mit einem entscheidenden Zusatz: "Mein Gott – dessen Existenz ich bezweifle –, warum hast du mich verlassen?" Er vertritt offenbar die Auffassung, dass es überzeugender wissenschaftlicher Beweise für die Existenz Gottes bedarf, damit er an ihn glaubt.

Daneben zeigt die Serie weitere Figuren, die einen Bezug zur Religion haben. Rajesh Koothrappali etwa ist Astrophysiker und stammt aus Indien. So schimmern in seiner Rolle bisweilen hinduistische Glaubensüberzeugungen durch. Im Umgang mit dem oft schwierigen Sheldon zeigt er mehr Geduld als die übrigen Seriencharaktere. Davon erhofft er sich gutes Karma – und Vorteile in einem nächsten Leben. Er begründet diesen Glauben mit dem physikalischen Prinzip der Kausalität: Jede Ursache ziehe eine Wirkung nach sich. Andererseits muss sich Rajesh von Sheldon eine Lektion in Sachen hinduistischer Lehre erteilen lassen. Während Rajesh behauptet, dass Kühe im Hinduismus als Götter verehrt werden, muss Sheldon in korrigieren: Kühe sind nur gottähnlich, aber keine Götter.

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Rajesh ist der einzige der Protagonisten, der während der zwölf Staffeln einen Anflug von persönlicher Spiritualität zeigt: Als er Angst hat, dass ein wichtiges berufliches Projekt scheitert, fährt er mit seinem Freund Howard Wolowitz zu einem Hindu-Tempel. Dabei gesteht er seinem überraschten Begleiter, dass er diesen Ort manchmal aufsucht, wenn er zu sich finden möchte: "Wenn ich durch den Tempel gehe, wird mir bewusst, dass alles, was passiert, gut so ist." Zudem betont Rajesh, dass es trotz einer Tätigkeit als Wissenschaftler immer noch gute Gründe dafür gibt, eine Religion zu haben. Er verweist unter anderem auf Blaise Pascal, der an die Existenz Gottes glaubte.

Howard Wolowitz, der als Ingenieur arbeitet, ist Jude. Meist spielen in seinem Alltag Glaubensüberzeugungen keine Rolle. So ignoriert er konsequent die jüdischen Speisevorschriften. Dennoch hält er sich an gewisse Traditionen. Die höchsten Feiertage hält er beispielsweise. Als er seine spätere Frau Bernadette, die katholisch ist, heiraten will, hat er Angst, wie seine Mutter diese Neuigkeit aufnehmen wird. Schließlich hat sie sich für ihren Sohn eine jüdische Frau vorgestellt. Und als Howard nach seiner Mission als Astronaut auf der Internationalen Raumstation in einer Raumkapsel auf die Erde zurückgeschossen wird, betet er vor Angst das Gebet "Höre, Israel" – mit der Anmerkung, im Judentum gebe es schließlich kein Gebet dafür, wenn man auf die Erde zurückgeschossen wird. All das zeigt, dass Howard sich nicht gänzlich von seiner jüdischen Identität lösen kann – und das wohl auch gar nicht will. In Analogie zum Kulturprotestantismus könnte man ihn als "Kulturjuden" bezeichnen.

Natürlich arbeitet "The Big Bang Theory" mit einigen Stereotypen, wenn das Thema Religion auftaucht. Doch zu einem Komplettverriss von Glaubensüberzeugungen lassen sich die Macher der Serie nicht verleiten. So zeichnen sie besonders Sheldons evangelikale Mutter als besonders empathisch. Und auch im Leben von hochbegabten, rationalen Wissenschaftlern schaffen sie einen Platz für Religion – wenn er auch gering ist. Selbst sie können nicht ausschließen, ob sich hinter den physikalischen Formeln nicht doch ein höheres Wesen, genannt Gott, befindet.

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