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Früherer bayerischer Ministerpräsident Stoiber wird 75 Jahre

Das "blonde Fallbeil" ist jetzt weiß

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Der frühere bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU).
München - Seine Versprecher sind Kult, sein Wort nach wie vor gefragt: Der frühere bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber wird heute 75. Ein ganz besonderes Verhältnis verbindet ihn mit Benedikt XVI.

Für markige Worte ist der frühere bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber immer noch zu haben. Massiv mischte sich der CSU-Ehrenvorsitzende zuletzt in die Debatte um die Flüchtlingspolitik ein und warf Kanzlerin Angela Merkel (CDU) vor, das Land zu spalten. Kommentar des früheren bayerischen Kultusministers Hans Maier, jüngst 85 geworden, dazu: "Man sollte im Alter ein wenig klüger werden und nicht den eigenen Ruf in Gefahr bringen." Ob Stoiber den Rat seines Parteifreundes beherzigt, bleibt abzuwarten. Am 28. September wird er 75 Jahre alt.

Austeilen kann er nach wie vor

Das "blonde Fallbeil", wie er als Generalsekretär der CSU genannt wurde, ist weiß geworden. Doch Austeilen kann der politische Ziehsohn von Franz Josef Strauß, der bis heute eine Büste des CSU-Übervaters im Büro stehen hat, nach wie vor. Dabei trägt Stoiber wie ein Mantra den Satz vor sich her: "Die kleinen Leute nicht vergessen." Vor allem sollten deren Sorgen und Ängste ernst genommen werden. Eine verantwortungsvolle Politik dürfe aber nicht nur mit Angstszenarien arbeiten, sagte er jüngst. Sie müsse vielmehr vor allem Hoffnung machen auf Lösungen.

Geboren wurde Edmund Stoiber 1941 im oberbayerischen Oberaudorf als Sohn eines oberpfälzischen Vaters und einer rheinländischen Mutter. Zielstrebigkeit wird ihm bescheinigt, auch wenn er die 7. Klasse wegen Latein wiederholen musste. Dafür zog er sein Jurastudium durch und erwarb den Doktor der Rechtswissenschaften. Seine berufliche Laufbahn startete der Jurist 1971 im bayerischen Staatsministerium für Landesentwicklung und Umweltfragen, vier Jahre später folgte die Wahl in den Landtag, dem er bis 2008 angehörte.

Aus dem einfachen Abgeordneten wurde von 1978 bis 1983 der CSU-Generalsekretär, dann von 1982 bis 1986 der Staatssekretär und Leiter der Staatskanzlei unter Strauß. Nach dessen Tod 1988 ging es weiter aufwärts: erst Innenminister, ab 1993 bayerischer Ministerpräsident, bis er 2007 von seinen Leuten zum Rückzug gedrängt wurde. Bis dahin hatte er auch acht Jahre lang der CSU vorgestanden. Beinahe wäre aus Stoiber der erste CSU-Bundeskanzler geworden, nachdem Merkel ihm nach dem berühmten "Wolfratshauser Frühstück" die Kandidatur überließ. Doch nur wenige Stimmen fehlten am Ende. Ein unter Merkel als Kanzlerin 2005 angebotenes Superministerium lehnte er ab.

Seine Mission war stets, den weiß-blauen Freistaat als Primus unter den Bundesländern glänzen zu lassen. Harter Sparkurs für einen schuldenfreien Haushalt, der allerdings auf Kosten der sozial Schwächeren ging, wie die Wohlfahrtsverbände monierten, Abitur in acht statt neun Jahren, was gerade zurückgedreht wird. So wie der FC Bayern am liebsten immer das Triple holen würde, stürmt auch Fußballfan Stoiber stets voran. In Sachen Ausbau der Kinderbetreuung, wenngleich Bayern mit dem Betreuungsgeld eine eigene Komponente einbaute, zeigte er sich offen. Denn seine berufstätigen Töchter machten dem inzwischen mehrfachen Großvater das Dilemma klar.

Von der "lodernden Flut" zur "Kompetenz-Kompetenz"

Stoibers Versprecher sind legendär. Ob er zu TV-Moderatorin Sabine Christiansen "Frau Merkel" sagte, vor der "lodernden Flut" warnte oder Erläuterungen zum "Problembär Bruno" abgab - lauter Leckerbissen für das Kabarett. Besonders sein Plädoyer für den später doch nicht gebauten Transrapid, der in "zehn Minuten" von Münchens Hauptbahnhof zum Flughafen rasen sollte, erreichte Kultstatus. Nie geklärt wurde, wer in Europa denn nun die "Kompetenz-Kompetenz" habe. Längst kann Stoiber selbst darüber lachen. Genauso wie er Humor bewies, als er als Ministerpräsident seine beiden kabarettistischen Doppelgänger in die Staatskanzlei lud.

Und da ist der Katholik Stoiber. Mit seiner Frau Karin besuchte er mehrmals Benedikt XVI., den bayerischen Papst. Schon in dessen Zeit als Erzbischof von München und Freising sei er hingerissen gewesen von dessen Art zu predigen, sagte er einmal und nannte Joseph Ratzinger einen der "brillantesten Theologen und Menschen unserer Zeit". Den persönlichen Kontakt weiß er zu schätzen: "Gerade dem Politiker kann theologische 'Nachhilfe' von höchster Stelle gelegentlich nicht schaden."

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