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Standpunkt

Das Christentum war immer ein System konzentrischer Kreise

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Ein Kommentar von
Andreas Püttmann
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Bonn - Vom Glutkern des Glaubens bis zum "Vielleicht ist es doch wahr": Christentum hat weite Kreise, meint Andreas Püttmann. Deshalb sollte ein schroffes Drinnen-Draußen-Denken vermieden werden.

Ist im christlichen Kontext vom "Rest" die Rede, dann oft vom "heiligen Rest": einer kleinen Schar bombensicherer Gläubiger, die nach einer "Gesundschrumpfung" der Kirche übrig bliebe, als missionarische Speerspitze im Gegensatz zum behäbigen, geistlich ausgedünnten "Gewohnheitschristentum". Katholiken, die sich zur rechtgläubigen Elite über "die Lauen" der "Mainstream"-Kirche erheben, holte Papst Franziskus in Evangelii Gaudium 93-97 auf den Boden ihrer narzisstischen Erbsündigkeit zurück – so wie Jesus die eingebildeten religiösen Hochleistungsträger seiner Zeit als "getünchte Gräber" decouvrierte.

Im weit bescheideneren Sinn von "Rest" bekannte sich nun BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken "als restkatholisch und auch als hoffenden Agnostiker", inklusive Gesprächsversuch mit dem "Chef" oben: "Wenn du andächtig betest, lernst du dich selbst besser kennen." Er schätze Kirche als "Raum der Meditation, in dem du auf andere Gedanken kommst" und erfahre: "Es tut mir gut." Dankbar sei er auch für die christliche Nächstenliebe, die seine Eltern ihm vorlebten.

Hoffnung, Beten, Kirchenräume, Liebe – das ist noch nicht das "volle Programm" des Glaubens. Aber stünde Jesus zu solchem "Restkatholizismus" nicht wie der Gottesknecht in Jesaja 42,3: "Das geknickte Rohr zerbricht er nicht, und den glimmenden Docht löscht er nicht aus"? Bei aller Sorge über die fortschreitende Säkularisierung und ihre sozialen Folgen gilt es, Kleinmut und ein schroffes Drinnen-Draußen-Denken von Kirche zu vermeiden. "Zieh' den Kreis nicht zu klein": Christentum war immer ein System konzentrischer Kreise, vom Glutkern bis an die Ränder eines bloßen "Vielleicht ist es doch wahr". "Gottlos" zu sein, bleibt übel beleumundet, nicht nur im Rheinland, wo auch Agnostiker sich als "chromosomal katholisch" (Konrad Beikircher) erleben.

"Wer nicht gegen uns ist, ist für uns" (Mk 9,40): Als Christ in Socialmedia erfahre ich kaum Ablehnung durch Nichtgläubige, außer politisch extremistische. An die Grundsympathie für christliche Menschenfreundlichkeit, Kultur und Gemeinwohldienste kann kirchliche Verkündigung anknüpfen. Die frotzelnde Diagnose des Publizisten Johannes Gross: "Der Platzregen des Evangeliums rauscht nicht mehr, aber klamm ist es in Deutschland geblieben", gewinnt so auch einen tröstlichen Sinn.

Der Autor

Andreas Püttmann ist Politikwissenschaftler und freier Publizist in Bonn.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.

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