Das gewisse Etwas
Wenn also ein Mensch ein bestimmtes Symbol oder ein Erkennungszeichen trägt, wissen alle um ihn herum, wozu er gehört oder was er ist. Christen waren in den ersten Jahrhunderten am Fisch zu erkennen und später dann am Kreuz. Inzwischen findet sich zwar häufig noch der Fisch als Aufkleber auf dem Auto, aber so richtig populär ist dieses Symbol nicht mehr. Und auch das Kreuz ist vielfach modisches Accessoire und nicht gleich ein Bekenntnis zum Christentum. Woran also soll man einen Christ erkennen können? In der Taufe ist zwar die Rede von einem Siegel, dass dem neuen Christen eingeprägt wird, wie eine Münze geprägt wird, aber es ist ein geistiges Siegel.
"Was ist dein Geheimnis?"
Somit ist es auf den ersten Blick nicht sichtbar. Vielleicht kommt es deswegen darauf an, was auf den zweiten Blick sichtbar ist. Eine Ordensfrau, die in Frankreich in einer Bank arbeitete, durfte dort nicht ihren Habit tragen. Von außen war sie also auf den ersten Blick nicht als Ordensfrau oder Christin zu erkennen. Sie erzählte auch nicht davon, dass sie im Kloster lebte, sondern tat einfach ihre Arbeit. Nach einiger Zeit allerdings sprachen ihre Kollegen sie an und fragten: "Nun sag uns, was ist dein Geheimnis?"
Ihr Geheimnis - das, was sie so anders machte - war ihr Christsein. Das Siegel der Taufe leuchtete bei ihr also auf. Nicht so sichtbar wie der Ehering, sondern auf andere Weise. Wer also Christ wie diese Ordensfrau ist, soll erkennbar sein, auch wenn er keine bestimmte Kleidung oder kein Kreuz trägt. Das Erkennungszeichen eines Getauften ist seine Ausstrahlung.
Denn das ganze Leben soll das Zeichen sein, an dem ein Christ erkannt werden kann. So, dass andere Leute kommen und fragen: "Was ist dein Geheimnis?" Wenn man dabei bedenkt, dass unser Geheimnis die Frohe Botschaft, das Evangelium ist, dann ist klar, dass das Geheimnis kein dunkles Geheimnis ist. Wer aus dieser Frohen Botschaft lebt und von ihr überzeugt ist, der kann keine trübe Ausstrahlung haben. Wer erfüllt ist vom Wort Gottes, der strahlt. Es ist ein Strahlen, das tief aus dem Inneren kommt und nicht so schnell verlöscht wie eine Streichholzflamme.
Die Taufe lässt sich nicht ablegen
Dieses Glänzen vergeht auch dann nicht, wenn nicht alles rund läuft im Leben. Es verlischt nicht, wenn die Dinge anders kommen, als erwartet oder erhofft. Wer mit ganzem Herzen und ganzer Seele glaubt, wer erfüllt ist vom Geist Gottes, den wirft so schnell nichts aus der Bahn. Wer so Christ ist, der ist so etwas wie ein Fels in der Brandung. Der wird bekanntlich auch nicht von der nächsten Sturmflut weggespült, sondern bleibt bestehen und kann anderen ein Zufluchtsort sein.
Ein Beitrag der Serie "Katholisch für Anfänger". Die Zeichentrickserie erklärt auf einfache und humorvolle Art zentrale Begriffe aus Kirche und Christentum. In dieser Folge geht es um das Sakrament der Taufe und ihre Bedeutung im christlichen Glauben.
Warum das möglich ist? Weil glauben heißt, dass am Ende alles gut wird. Und ist es noch nicht gut, dann ist es noch nicht zu Ende. Glauben bedeutet, immer eine Perspektive zu haben und zu wissen, dass die Zukunft immer Gott ist. Wer daraus lebt, der erscheint anders als jemand, dessen einzige Hoffnung diese Welt ist. Der hat eine andere Ausstrahlung - er leuchtet. Auf diesen Menschen trifft zu, was der heilige Franziskus seinen Brüdern riet: "Verkündigt das Evangelium, und wenn es nötig sein sollte, dann auch mit Worten." Dann braucht jemand keine großen Worte und keine sichtbaren Zeichen nach außen. Dann werden die Menschen um ihn herum aufmerksam und fragen nach der Hoffnung, die ihn erfüllt.
Den Ehering kann man abnehmen, das Fußballtrikot ausziehen und die Anstecknadel vom Revers nehmen. Auf diese Weise kann man seine Zugehörigkeit schnell ablegen. Wer aber getauft ist und aus der Taufe lebt, wer daran glaubt und erfüllt ist vom Heiligen Geist, der wird das nicht verbergen können. Und so jemand ist anziehend für andere und Zeuge der Frohen Botschaft, des Evangeliums.