Das Glück der späten Geburt
Dieser Überschwang lässt aufhorchen. Denn bei Elton John ist nicht nur sein Jahreseinkommen von rund 80 Millionen Dollar ungewöhnlich. Zum einen lebt der Musiker mit seinem Partner David Furnish in einer eingetragenen, gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaft, zum anderen ist er bereits 65 Jahre alt. Von einem jungen Vater kann also keine mehr Rede sein.
Die zuletzt in Frankreichmit beträchtlicher Verve diskutierte Frage, ob homosexuelle Beziehungen der heterosexuellen Ehe gleichzustellen sind, soll hier nicht diskutiert werden. Beide Seiten führen für ihren Standpunkt durchaus erwägenswerte Argumente ins Feld, sie wurden allerdings schon anderswo weidlich ausgetauscht. Hier soll es allein um das Alter der Väter gehen.
Späte Vaterschaft ist in der Geschichte nichts Neues. Sie findet sich schon in der Bibel, wo beispielsweise der Stammvater Methusalem im Alter von 187 Jahren seinen ersten Sohn zeugte. Vaterschaft im vermutlich letzten Lebensdrittel ist jedoch auch abseits des Alten Testaments keineswegs selten.
Zeugungskraft bis ins hohe Alter
So wurde etwa der Schauspieler Anthony Quinn noch mit 81 Jahren Vater, der ehemalige Hobbythek-Präsentator Jean Pütz mit 74 und Ex-Tagesthemen-Moderator Ulrich Wickert immerhin noch mit 69. Männlichkeit und Zeugungskraft bis ins hohe Alter wird mit immer mehr Begeisterung gezeigt: Mittlerweile hat nach Angaben des Statistischen Bundesamtes schon jedes zwanzigste Kind in Deutschland einen Vater, der die Fünfzig überschritten hat.
Anders als früher handelt es sich bei den späten Sprösslingen alter Väter aber meist nicht mehr um das letzte Glied einer langen Geschwisterkette. Häufig ist es vielmehr das erste Kind in einer Beziehung. Das Bundesfamilienministerium schreibt dazu in einer Studie, es scheine "für Berufstätige der gehobenen Mittelschicht zu einem Statussymbol geworden zu sein, in einem späteren Lebensalter Kinder zu bekommen".
Sollte das tatsächlich so sein, verhieße das nichts Gutes. Nicht nur, dass es ethisch unvertretbar ist, Menschen gleich welchen Alters auf den Rang eines Statussymbols zu reduzieren, das Recht von potentiellen Eltern auf ein eigenes Kind hat immer auch seine Grenze im Recht eines jeden Kindes auf eine verantwortungsvoll ausgeübte Elternschaft zu finden.
Geld ist nicht alles
Untersuchungen zeigen zwar, dass eine späte Vaterschaft für ein Kind durchaus Vorteile bieten kann. Väter jenseits der Lebensmitte haben oft mehr Zeit für ihren Nachwuchs, sie sind gelassener und verfügen über eine größere Lebenserfahrung. Doch können alle diese Vorzüge wirklich den großen Nachteil ausgleichen, dass Väter mit dem Alter und der Gesundheit von Großvätern in der wachsenden Gefahr stehen, ihre Kinder als Halbwaisen zurückzulassen?
Und diesen unersetzlichen Verlust kann dann auch nicht damit aufwiegen, dass finanzielle Sorgen in den betroffenen Familien meist unbekannt sind. Geld – diesen Satz würden alle späten Väter sicher unterschreiben – ist eben nicht alles.
Von Uwe Bork
(Uwe Bork ist Leiter der Fernsehredaktion "Religion, Kirche und Gesellschaft" des Südwestrundfunks)