Das grüne Gebet
Papst Franziskus hat der Kirche einen neuen Gebetstag verordnet. Am heutigen Dienstag wird - so der Plan - im gesamten katholischen Orbit für die Bewahrung der Schöpfung gebetet. Dass Päpste solche Sondergedenktage ins Leben rufen, kommt vor, Johannes Paul II. war in dem Punkt geradezu seriell kreativ. Neu ist diesmal, dass Franziskus sich die Idee ganz offiziell bei den Orthodoxen abgeguckt hat. Die begehen den Gebetstag für die Schöpfung heute schon zum 27. Mal.
Von Diebstahl spirituellen Eigentums kann nicht die Rede sein, vielmehr von wechselseitiger Inspiration und Wertschätzung. Geographisch getrennt, doch brüderlich vereint beten zeitgleich um 17 Uhr in Rom der Papst und in Istanbul der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios I., das Ehrenoberhaupt der Orthodoxie, bekannt auch als "grüner Patriarch". Dass die römisch-katholische Kirche bei einer Schwesterkirche nicht nur im Anliegen, sondern sogar im Datum andockt, verdient schon besonderes Lob.
Umweltschutz darf kein Randthema des Christlichen bleiben. Dazu mahnt Franziskus in den haarsträubend heutigen Passagen seiner Enzyklika "Laudato si", einem Dokument, mit dem der Papst eine gezielte Erweiterung der katholischen Soziallehre vornimmt, das Thema Umwelt aus gewissen grünen Denk-Schemata löst und es in den christlichen Kernbereich des Lebensschutzes einwebt.
Freilich kann die "Sorge für das gemeinsame Haus" (so heißt die Enzyklika im Untertitel) nur mit einer möglichst breiten Allianz aus Verbündeten gelingen. Deshalb ist das nunmehr orthodoxe-katholische Weltgebet für die Anliegen von Mensch und Umwelt gerade ein erster Schritt der Mobilisierung im Gebet. Weitere sind denkbar. Ein interreligiöses Weltgebetstreffen zur Bewahrung der Schöpfung etwa - analog zum Weltgebetstreffen für den Frieden in Assisi, zu dem alle Päpste seit Johannes Paul II. einluden? Ja, er inspiriert, dieser Akt der christlichen Begegnung, den Franziskus und Bartholomaios ermöglichten. Ökumene und Umwelt: eins und eins macht manchmal mehr als zwei.
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