De Maizière wünscht sich prägnantere Wortmeldungen der Kirchen
Der neu gewählte Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentags, Thomas de Maizière, wünscht sich von den Kirchen in Deutschland prägnantere Wortmeldungen zu gesellschaftspolitischen Fragen. Stellungnahmen der Kirchen sollten sich durch eine bestimmte Qualität der Sprache und durch Intensität deutlich von anderen Institutionen wie dem ADAC oder den Gewerkschaften unterscheiden, sagte de Maizière am Dienstag in einem Interview der in München erscheinenden evangelischen Wochenzeitung "Sonntagsblatt". "Die Kirche muss nicht bei jedem Gesetzgebungs-Vorgang so sprechen. Aber zu Corona, zum Anfang und Ende des Lebens, zu Krieg und Frieden, zu Grundfragen der Gerechtigkeit, zur Schöpfung und Klima – da würde ich mir eine Sprache und eine Qualität der Aussage wünschen, die sich unterscheidet von den vielen anderen, die sich auch äußern", so der CDU-Politiker und ehemalige Bundesminister.
Zugleich warnte de Maizière die Kirchen jedoch davor, sich inflationär zu Wort zu melden. Wenn sie zu oft ein politisches Mandat verträten, schleife sich das ab. "Und ich meine auch nicht einfache Erklärungen oder mal eine polemische Predigt oder den Bericht einer Synode, eines Bischofs oder eines Präsidenten, sondern ich meine Äußerungen der Kirche als Institution, gerne auch ökumenisch. Das sollte selten sein, und gut, und deswegen stark", so der 67-Jährige, der Mitte Oktober zum Kirchentags-Präsidenten gewählt worden war und in dieser Funktion dem nächsten Evangelischen Kirchentag im Juni 2023 in Nürnberg vorstehen wird.
Mit Blick auf den Zustand der evangelischen Kirche in Deutschland und die anhaltend hohe Zahl an Kirchenaustritten betonte de Maizière, dass sich auch der Kirchentag ändern müsse. "Diejenigen, die sich von Kirche abgewandt haben, ausgetreten sind, vielleicht nie bei der Kirche waren, aber die unsere Werte teilen, die nach dem Sinn des Lebens suchen, die nach Orientierung suchen – denen wollen wir ein Angebot machen, auf dem Kirchentag zu diskutieren und diese Fragen zu vertiefen", kündigte er an. Auch wolle man "viel mehr junge Menschen" als Gesprächspartner für die Podien des Kirchentags gewinnen – "ganz egal, um welches Thema es geht. Nicht nur bei Generationengerechtigkeit, nicht nur bei Klimaschutz, sondern immer und überall", so de Maizière. (stz)