Der Patient zwischen Gewinnstreben und Kranksparen
Der "drohende Pflegenotstand", von dem gerade viel geschrieben wird, ist in vielen Kliniken bereits erfahrbare Wirklichkeit: viel zu wenig Pflegepersonal. Keine Zeit zum Umlagern, Waschen oder Bettenmachen. Hilflose Kranke, die auf ihr Klingeln hin oft über Stunden keine Hilfe erfahren. Patienten, die in ihren Exkrementen liegen. Medikamente, die vergessen werden. In einem Dossier vom letzten November zitierte die "Zeit" erschütternde Hilferufe von Pflegepersonen aus internen Dokumentationen deutscher Krankenhäuser: Von "Gefährdung durch eingeschränkte Hygiene" über "zeitnahe Medikamenten-Gabe nicht möglich" bis hin zu eklatanten Fällen wie dem eines frischoperierten Patienten, der zusammengebrochen war und wiederbelebt werden musste, weil bei seinem ersten Aufstehen niemand bei ihm sein konnte, war da zu lesen.
Als Gründe für diese Entwicklung, die Deutschland nach einer EU-Studie auf den letzten Platz im Betreuungsverhältnis Patienten/Pfleger katapultiert hat, gelten zum Beispiel: Die Finanzierung über Fallpauschalen, durch die zwar Operationen gewinnattraktiv sind, Pflege aber nicht erlösrelevant ist. Keine verbindliche Quote, wie viele Patienten eine Pflegekraft maximal betreuen darf. Hohe Krankenstände bei den Pflegekräften, die ständig am Limit arbeiten müssen.
Dass Krankenschwestern und Pfleger dennoch mit Herzblut und hoher Professionalität ihren empörend schlecht bezahlten Beruf ausüben, kann nicht deutlich genug gesagt werden. Man kann nur voller Hochachtung den Hut ziehen vor ihnen, die unter Extrembedingungen das tun, was sie als ihre Berufung empfinden: Kranken beizustehen. Gerade sie leiden besonders unter den inhumanen Zuständen, die sie nicht zu verantworten haben. Sie politisch und gesellschaftlich zu unterstützen, ist unser aller Aufgabe. Die Rückbesinnung auf die Würde des Menschen vor Gewinnmaximierung und Kranksparen wäre die vornehmste Aufgabe gerade christlicher Krankenhausträger und sollte vorbildhaft werden, ebenso wie die Schaffung einer starken, gemeinsamen Lobby, um endlich erfolgreich politisch Einfluss nehmen zu können.
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