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Aufregung um Warschauer Striplokal

Der Pfarrer und der Go-Go-Club

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Bunt beleuchtet ist ein Bordell in Deutschland. Die Dunkelziffer von Zwangsprostituierten ist hoch.
Warschau - Als sich Pfarrer Jacek Siekierski von der Warschauer Sankt Anna-Kirche am Neujahrstag zur Morgenmesse aufmachte, argwöhnte er beim Blick auf die rosa illuminierten Fenster auf der anderen Straßenseite nichts. "Ich dachte, das ist eine Silvesterbeleuchtung", sagte der Geistliche im polnischen Fernsehen. Inzwischen weiß er es besser: In das lange leerstehende Gebäude ist zu Jahresbeginn ein Go-Go-Club eingezogen.

"Dies ist ein heiliger Ort!", zeigt der Pfarrer auf die Marienstatue, die fast genau gegenüber der Clubtür steht. Der Blick der Madonna ist Richtung Siegmundsäule und Schloss gerichtet, Wahrzeichen der Warschauer Altstadt. Dem neuesten Lokal der polnischen Hauptstadt mit seinen leicht bekleideten Pole-Tänzerinnen scheint sie die kalte Schulter zu zeigen.

Mit Blick auf die strengen Denkmalschutzbestimmungen in der Warschauer Altstadt hat der Stein des Anstoßes eine ausgesprochen diskrete Fassade. Auch die Öffnungszeiten des Clubs und die Zeiten der Messen und Rosenkranzandachten drohen nicht zu kollidieren.

"Ein Skandal ist das, eine Schande!", ereifert sich dennoch Bogdan Bartold, Pfarrer der Dompfarrei der Altstadtgemeinde. Als solcher ist er auch für das Seelenheil der Stripperinnen zuständig, die von ihrem Arbeitgeber in nahe gelegenen Wohnungen einquartiert wurden. Seine Gemeindemitglieder hätten ihm "einhellig versichert, dass sie kein erotisches Lokal in der Nachbarschaft haben wollen", sagte er in einem Interview mit dem national-katholischen Blatt "Nasz Dziennik".

Unternehmen will sich vom Schmuddelimage absetzen

Jan Szybawski, Chef der Firma, die in Polen ein Netz von knapp einem Dutzend Go-Go-Clubs betreibt, kann die Kritik nicht nachvollziehen. In einem an verschiedene Warschauer Medien versandten Brief wies er darauf hin, dass er als Arbeitgeber von mehr als tausend Mitarbeitern nicht nur einen wirtschaftlichen, sondern auch einen finanziellen Beitrag für den Haushalt von Staat und Kommunen leiste: Allein im Jahr 2013 habe das Unternehmen rund acht Millionen Zloty (etwa zwei Millionen Euro) Steuern gezahlt - ganz anders als mancher Kokurrent der Branche, der auf Schwarzarbeit setze.

Vom Schmuddelimage will sich das Unternehmen auch auf seiner Webseite absetzen. Interessierten Nachwuchstänzerinnen wird versichert, es gehe nur um textilarmes Tanzen - von Prostitution könne keine Rede sein. Stattdessen wird alleinerziehenden Müttern die Arbeit mit Dienstwohnungen in der Nähe von Kinderspielplätzen mit Ganztagsbetreuung schmackhaft gemacht.

Die Warschauer St.-Anna-Kirche aus dem Jahr 1454 dient heute als Universitätskirche.

Tadeusz Filipkowski vom Verband der Veteranen der einstigen Untergrundkämpfer gegen die deutsche Besatzung im Zweiten Weltkrieg will das Lokal dennoch nicht an der Warschauer Flaniermeile sehen. "Wenn es solche Clubs schon geben muss, dann wenigstens an einem diskreten Ort, nicht an der Fassadenseite", beschwerte er sich im polnischen Nachrichtensender TVN 24. Zudem sei das Gebäude während des Warschauer Aufstands gegen die Nazi-Besatzung eine wichtige Versorgungsbasis der Kombattanten gewesen - da passe kein Stangentanz hin.

"Wir müssen uns an eine höhere Instanz wenden"

"Wenn die Beamten uns sagen, dass sich formal nichts machen lässt, sage ich als Seelsorger, dass wir uns an eine höhere Instanz wenden müssen", sagt Pfarrer Bartold. Er hat die Gläubigen zum Gebet gegen den Club aufgerufen. Und mit Blick auf die nahende Fastenzeit ist der Priester überzeugt: "Wir werden Gebete und eine Fastenaktion abhalten, damit die Verantwortlichen verstehen, dass hier nicht der rechte Ort für solche Tätigkeiten ist. Hier geht es um Anstand, es geht um Würde."

An einem der mit schmiedeeisernem Gitter verzierten Fenster im Erdgeschoss hängt bereits jetzt ein Flugblatt mit Gebetstexten. Und auch auf den Webseiten und in sozialen Medien vor allem national und rechtskatholischer Organisationen nimmt der Protest zu.

"Diese Aufregung ist völlig unbegründet", meint dagegen der Abgeordnete Robert Biedron von der Linkspartei "Twoj Ruch" im Gespräch mit dem Onlineportal "Onet.pl". Der Club erfülle schließlich die gesetzlichen Auflagen, betonte Biedron und setzte hinzu: "Jesus würde in den Klub gehen, schon um zu prüfen, wie die Frauen behandelt werden."

Von Eva Krafczyk (dpa)

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