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Aids für Jugendliche zum Thema machen

Der stille Feind

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Offene Hände mit Aidsschleifen darin.
Bonn - Der Feind ist still. Der Feind hat kein Gesicht. Der Feind ist überall." So beginnt das südafrikanische Theaterstück. In einer Szene streiten sich zwei Jugendliche über die Anzahl der Freundinnen, die ein "wahrer Mann" haben sollte, in einer anderen wird eine infizierte Frau von einem Mob wütender Männer gesteinigt.

Hinter dem Titel "What’s killing us now", zu Deutsch "Was tötet uns jetzt", verbirgt sich das Thema Aids. In eindringlichen Dialogen schildern die jungen Schauspieler die Unwissenheit ihrer Landsleute über die gefährliche Krankheit und deren fatale Folgen.

Zum fünften Mal kurz vor dem Weltaidstag am 1. Dezember tourt die Schauspieltruppe durch Deutschland und bringt die Realität aus den Durban-Townships in die Schulen. In Südafrika leben fünfeinhalb Millionen Menschen, die mit HIV infiziert oder an Aids erkrankt sind. Das sind ungefähr ein Sechstel der Betroffenen weltweit. Aids ist eine existenzielle Bedrohung für den afrikanischen Kontinent: Viele Kinder haben ihre Eltern verloren. Viele junge Menschen sind von HIV betroffen.

Selbst wenn die Zahl der infizierten und erkrankten Menschen in Deutschland weit darunter liegt, ist auch hierzulande der Aufklärungsbedarf groß. Denn HIV und Aids werden nur noch von einem kleineren Teil der Bevölkerung als eine der gefährlichsten Krankheiten wahrgenommen. Das zeigen die aktuellen Studienergebnisse der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Nach der anfänglichen Schockwirkung vor fast einem viertel Jahrhundert nahm die Sensibilität für das Thema rasch ab. Heute kennen vor allem Jüngere den mit Aids verbundenen Schrecken oft nur vom Hörensagen. Manche halten fälschlicherweise eine HIV-Infektion sogar für heilbar.

Zwei afrikanische Schuspielerin tanzen.
Junge Schauspieler der südafrikanischen Organisation, der christlichen Jugendarbeit "Youth for Christ" in einem Aufklärungsstück gegen Aids.

Keine langweiligen Vorträge

Genau hier will das Aufklärungsstück ansetzen. "Wir wollen nicht belehren und einen langweiligen Vortrag halten, sondern mit einer unterhaltsamen Show Aufmerksamkeit erregen", erklärt Lennart Wallrich von der Kindernothilfe, einem der größten christlichen Kinderhilfswerke Europas, das die Tournee jedes Jahr begleitet. Darin haben die Schauspieler Erfahrung. In ihrer südafrikanischen Heimat Durban ziehen sie durch viele Schulen. In Deutschland erleichtern sie mit viel Musik und Pantomime den Zugang zu dem in englischer Sprache aufgeführten Stück. Mit ihrer plakativen und dramatischen Vorstellung wollen die Akteure die Krankheit, den "stillen Feind", ins Bewusstsein der Schüler rufen. Ihre Botschaft "Unwissenheit ist, was uns umbringt." Aids ist allseits bekannt, aber der Umgang mit dieser Krankheit ist oft leichtsinnig.

Hintergrund

Die sechs ehrenamtlichen Schauspieler des Theaterstücks "Was tötet uns jetzt" kommen aus Südafrika von der Organisation "Youth for Christ", einer weltweiten christlichen Bewegung, die mit jungen Menschen arbeitet. Seit 2008 folgen sie der Einladung der Kindernothilfe und treten in der ganzen Bundesrepublik auf.

Das dokumentieren auch aktuelle Zahlen. So leben in Deutschland 78.000 Infizierte. Jeden Tag stecken sich zehn Menschen neu mit HIV an. Denn trotz aller Bemühungen der Gesundheitsbehörden haben sich 2012 wieder mehr Menschen infiziert als in den vergangenen Jahren. Wie das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin meldet, haben sich dieses Jahr rund 3.400 Menschen angesteckt – hundert Betroffene mehr als im vergangenen Jahr. 550 Menschen starben an Aids. "Diese Zahlen unterstreichen, dass die Anstrengungen zur Vermeidung von Infektionen weiterhin hohe Priorität und ausreichende Finanzierung erfordern", sagt RKI-Präsident Reinhard Burger.

Um dieses hohe Schutzniveau zu halten, müssen die Zielgruppen passgenau angesprochen werden. "Außer dem Theaterstück 'What’s Killing Us Now' ist auch eine gute Informationsarbeit gefragt", betont Lennart Wallrich. Der Bildungsreferent der Kindernothilfe kommt vor der Theateraufführung in die Schulen und hält eine Informationsstunde oder führt Workshops zum brisanten Thema durch. An deutschen Schulen fehle grundlegendes Wissen über die Krankheit, so Wallrichs Fazit. "Die Schüler fragen sogar, ob man sich auch beim Küssen mit Aids anstecken könnte."

Jugendliche gestalten ein Grafitti
Graffiti-Workshop zur Aids-Aufklärung, bei dem Schüler unter der Anleitung des Graffitikünstlers Aleks van Sputto von der „Pleasure Gang“ die Wände in der Innenstadt besprühen dürfen.

Jugendliche werden selbst aktiv

Das Angebot der Kindernothilfe kommt gut an. Viele Projekte rund um den Weltaidstag sind in der Hand der Schüler. "Alles, was sie selbst machen, ist authentisch und läuft mit Erfolg", betont Wallrich. Zum Beispiel lassen die Sachsenwaldschüler in Reinbek vierzig Himmelslichter in Form einer Aidsschleife steigen. Und die Realschüler aus Kerpen ziehen sich Kampagnen-T-Shirts an und spielen in der Kölner Fußgängerzone Badminton. Besonders beliebt ist der kreative Graffiti-Workshop, bei dem Schüler unter der Anleitung des Graffitikünstlers Aleks van Sputto von der "Pleasure Gang" die Wände in der Innenstadt besprühen dürfen.

Mitmachen und selbst Verantwortung übernehmen – das interessiert junge Menschen. Daher fühlen sich viele Schüler von der Kindernothilfe eingeladen, sich an der Kampagne "Versprechen halten - Leben retten" zu beteiligen und Unterschriften zu sammeln. Ihr Ziel: Die Finanzierung des Globalen Fonds zur Bekämpfung von AIDS, Tuberkulose und Malaria, dessen Arbeit bisher rund acht Millionen Menschenleben retten konnte. Gemeinsam mit der Kindernothilfe und dem Aktionsbündnis gegen Aids fordern die Jugendlichen die Bundesregierung auf, ihre Versprechen tatsächlich zu halten und dem Globalen Fonds mindestens 400 Millionen Euro in den Jahren 2013 bis 2015 zur Verfügung zu stellen. Und jede Unterschrift bringt die Schüler dem Ziel näher.

Von Julia Walker

Aids weltweit bekämpfen

Weltweit leben derzeit mehr als 34 Millionen Menschen mit HIV und Aids – so viele wie nie zuvor. Allein 2011 starben 1,7 Millionen Menschen an den Folgen der Immunschwächekrankheit. Eine Herausforderung für die Hilfswerke und Missionsorden der katholischen Kirche. weltkirche.katholisch.de

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