Suche
Pfarrer warnt bei Trauerfeier für Niklas P. vor Pauschalisierungen

Der Trauer müssen Taten folgen

Dieser Inhalt ist nur erlaubt, wenn Sie Cookies vom Typ "readspeaker" zulassen.

Trauer Bad Godesberg
Bonn - Hunderte Menschen nahmen in einer Trauerfeier in Bonn-Bad Godesberg Abschied von dem getöteten 17-jährigen Niklas. Dechant Picken warnte vor Pauschalisierungen und einer weiteren Zerklüftung der Gesellschaft.

Die Frage nach Gründen dafür, dass "Menschen mitten aus unserer Gesellschaft" zu solch brutaler Gewaltausübung fähig seien, sei nicht einfach zu beantworten, sagte der katholische Dechant von Bad Godesberg, Wolfgang Picken, bei dem Gottesdienst in der mit gut 800 Teilnehmern voll besetzten Sankt-Marien-Kirche: "Es gibt nicht nur die eine Tat und den einen Täter, es gibt nicht nur den einen Grund, genau so wenig, wie es nur eine mögliche Tätergruppe gibt!"

"Keine weitere Zerklüftung der Gesellschaft"

Picken rief dazu auf, im Sinne von Niklas auf jede Form von Pauschalisierung oder Diskriminierung zu verzichten. "Allein der Respekt vor ihm verlangt es, dass wir bei der notwendigen Suche nach Ursachen jede Vereinfachung und Instrumentalisierung vermeiden." Wer stattdessen mit Aggression und fehlendem Gerechtigkeitssinn reagiere, werde nur neues Unrecht und neue Gewalt provozieren. Dann werde "unsere zerklüftete Gesellschaft" immer weiter auseinanderdriften, warnte der Geistliche: "Es liegt an uns, das zu verhindern!"

Linktipp: "Das macht jeden sprachlos"

In Bonn ist ein Jugendlicher nach einer Prügelattacke gestorben. In dieser Situation muss die Kirche Beistand anbieten, sagt Dechant Wolfgang Picken, der die Angehörigen getroffen hat.

Zum Artikel

Staat, Gesellschaft und Kirche seien es Niklas schuldig, alles daran zu setzen, dass "Ähnliches nicht wieder geschieht und wir zu friedvollen Formen des Miteinanders zurückkehren". Es sei das große Anliegen nicht zuletzt der Familie von Niklas, dass sein Tod den Impuls dafür gibt, "dass wir junge Menschen nicht alleinlassen, dass wir der Gewalt entgegenwirken und ein gutes Zusammenleben aller Menschen und Kulturen in Bad Godesberg fördern".

Picken: Werde Verantwortliche an Taten erinnern

Picken versprach, die Verantwortlichen immer wieder daran zu erinnern, dass diesem Versprechen Taten folgen müssten. Neben Picken zelebrierte unter anderem der Pfarrer von Niklas' Heimatort Bad Breisig, Günter Marmann. Der Kölner Weihbischof Ansgar Puff war ebenfalls beim Gottesdienst anwesend. Auch Bonns Oberbürgermeister Ashok-Alexander Sridharan und Bad Godesbergs Bezirksbürgermeisterin Simone Stein-Lücke (beide CDU) nahmen an der Abschiedsfeier teil.

Die Feier begann mit dem Lied "Für Niklas" des Bonner Rappers Djaspora. Der Künstler senegalesischer Abstammung hatte das Lied nach dem Tod des Jugendlichen komponiert und ins Netz gestellt. Der Gottesdienst wurde per Lautsprecher auf den Kirchplatz übertragen. Vor dem Altar stand der weiße mit Lilien geschmückte Sarg. Nach dem Gottesdienst war eine Prozession zum Burgfriedhof geplant, wo der 17-Jährige beigesetzt werden sollte.

Wolfgang Picken ist Pfarrer der Gemeinden St. Andreas und Evergislus und Dechant des Dekanates Bonn-Bad Godesberg.

Auf Initiative Pickens hatte es nach dem Bekanntwerden von Niklas' Tod am vergangenen Freitag in Bad Godesberg ein Trauergeläut der katholischen und vieler evangelischer Kirchen gegeben. Zudem wurde in der Marienkirche ein Kondolenzbuch ausgelegt und am nur wenige hundert Meter entfernten Tatort ein Gedenkkreuz aufgestellt.

Der Jugendliche war vor zwei Wochen nachts von einer Gruppe junger Männer angegriffen worden und durch einen Schlag und einen Tritt gegen den Kopf so schwer verletzt worden, dass er eine Woche später starb. Am Dienstag wurde ein Hauptverdächtiger festgenommen und in Untersuchungshaft genommen. Der 20-Jährige ist laut Polizei als Gewalttäter bekannt. Er hat italienische und marokkanische Wurzeln.

Debatte um Sicherheit in Bad Godesberg

Direkt nach Bekanntwerden der Tat entspann sich in Bad Godesberg eine Debatte um die Sicherheit in dem sozial sehr unterschiedlichen Stadtteil. Rechtspopulistische Gruppen machen vor allem einen hohen Migranten-Anteil für eine steigende Gewaltbereitschaft verantwortlich. Vertreter aus Politik, Kirchen und Bürgerinitiativen warnen hingegen davor, den gewaltsamen Tod des Jugendlichen politisch zu instrumentalisieren. Geplant ist die Einrichtung eines Runden Tisches, an dem sich Stadt, Polizei, Religionsgemeinschaften und Schulen beteiligen sollen. Ein erstes Treffen soll noch im Mai erfolgen.

kna-katholisch-swarm-node2 (0.016s)