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KAB-Chef Hupfauer über die Chancen nach der Bundestagswahl

"Der Weg ist frei für soziale Gerechtigkeit"

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Eine Frau wirft ihren Wahlzettel in eine Wahlurne.
Bonn - Die Union hat bei der Bundestagswahl einen deutlichen Sieg eingefahren. Das Aus der FDP stellt sie jedoch vor große Probleme. Was bedeutet also der Wahlerfolg von CDU/CSU? Und mit wem macht eine Koalition Sinn? Georg Hupfauer ist Vorsitzender der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) und Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK). Für Ihn gibt es nur eine Lösung. Wie die aussieht, schildert er im Interview mit katholisch.de.

Frage: Herr Hupfauer, was bedeutet der Wahlerfolg der Union für Deutschland, aber auch für die Kirche und ihre Verbände?

Hupfauer: Für Deutschland bedeutet dieser Erfolg von CDU und CSU, dass sich die breite Mehrheit Stabilität wünscht und letztlich zufrieden ist mit der Politik. Auch wenn sie sich vielleicht in einigen Punkten Änderungen wünscht. Ähnliches gilt für die Kirche. Auch hier geht es um Stabilität. Die Wahl hat zeigt, dass wir einen großen politischen Block in Deutschland haben, der zu der Rolle der Kirche in unserem Land steht. Und die katholischen Verbände müssen nach der Wahl weiter deutlich machen, wo die Sorgen und Nöte der Menschen sind. Sprich: Sie müssen die soziale Gerechtigkeit anmahnen. Was herausfordernd bleibt – auch mit Blick auf die ermutigenden Worte von Papst Franziskus -, ist, dass wir als Christen aufgefordert sind, Politik mitzugestalten. Ein Teil unseres Glaubens ist eben auch ein politischer Teil.

Frage: Direkt nach der Wahl haben Sie auf der Homepage der KAB geschrieben, dass es "eine knappe linke Mehrheit für soziale Gerechtigkeit" in Deutschland gebe. Ist das starke Wahlergebnis der CDU für Sie daher eher ein Rückschlag für die soziale Gerechtigkeit?

Hupfauer: Das kann man so pauschal nicht sagen. Wenn ich jetzt noch die gewählten Abgeordneten aus dem Unionslager hinzuzähle, die in der CDA und der CSA (Christlich Demokratische Arbeitnehmerschaft und Christlich Soziale Arbeitnehmerunion, Anm. der Redaktion) beheimatet sind und auch für soziale Gerechtigkeit stehen, dann ist die Mehrheit auch gar nicht so knapp. Aber das, was die einzelnen Gruppen unter sozialer Gerechtigkeit verstehen, ist noch sehr unterschiedlich. Für die katholischen Verbände ist es eine Frage der Beteiligungs- und Verteilungsgerechtigkeit. Die sind nicht voneinander zu trennen. Allein auf die Verteilung zu setzen - wie andere es tun - reicht nicht.

Frage: Wer wäre dann aus ihrer Sicht ein sinnvoller Koalitionspartner für die Union, um diese Forderungen durchzusetzen?

Hupfauer: Ich habe schon vor acht Jahren keinen Hehl daraus gemacht, dass ich eine Präferenz für die Große Koalition habe. Denn ich glaube, dass wesentliche Zukunftsfragen in diesem Land nur mit einer sehr breit aufgestellten parlamentarischen Mehrheit zu beantworten sind. Wenn ich zum Beispiel an die Sicherung der Rente denke, ist das nur gemeinsam möglich. Da sehe ich die Sozialdemokraten herausgefordert, das mit zu formulieren. Sie sollten sich auch nicht von der Frage der Medien jagen lassen, ob man in einer Koalition mit Frau Merkel "zerfleischt" wird. Vielmehr ist der Weg jetzt einmal frei gemacht durch den Wähler, soziale Gerechtigkeit zu schaffen. Es gibt jetzt keine Partei mehr, bei der der Wirtschaftsrat der CDU ständig Unterstützung findet. Die FDP ist weg, was bedeutet, dass sich die christlich-sozialen Kräfte Partner suchen können, um soziale Fragen voranzubringen. Da sehe ich die Frage nach dem Mindestlohn, die Besserstellung der Leiharbeit oder die Abschaffung der Werkverträge.

Ein Mann mit einer Landkarte in der Hand steht vor dem Deutschen Bundestag.
Georg Hupfauer vor dem Reichstag, wo er mit "Bo(o)tschaften" der KAB für soziale Gerechtigkeit wirbt.

Frage: Für den KAB-Vorsitzenden liegen die Vorteile einer Großen Koalition also auf der Hand. Wie beurteilen Sie aber als Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken die Situation?

Hupfauer: Es kommen sicher Frauen und Männer aus unterschiedlichen Parteien mit unterschiedlichen Traditionen zusammen. Das wird natürlich nicht einfach. Aber wenn alle sagen, dass für sie der Mensch im Mittelpunkt steht, was wir ja aus der Katholischen Soziallehre heraus definieren, dann muss da was zu bewegen sein. Wenn man sich das Führungspersonal der Sozialdemokraten derzeit anguckt, berufen sich dort ja auch viele darauf, dass sie selbst in einer christlichen Kirche aktiv sind. Da sehe ich dann eher die Herausforderungen für das ZdK und die Synode der Evangelischen Kirche: Warum gehen die kirchlich engagierten Politiker im Bundesparlament nicht aufeinander zu und suchen den gemeinsam Weg? Ich als ZdK-Mitglied würde mir das von meinen Kollegen aus den Parteien wünschen.

Frage: Die Bewahrung der Schöpfung ist beispielsweise auch ein christliches Anliegen. Würde das nicht für eine schwarz-grüne Koalition sprechen?

Hupfauer: In vielen grundsätzlichen umweltpolitischen Fragen hat die CDU ja bereits grüne Positionen bezogen. Die Grünen haben mich im Wahlkampf zudem nicht davon überzeugt, dass sie eine Partei sind, die in sozialen Fragen verlässlich ist, sondern sich – auch angesichts des Wahlergebnisses – nur auf ihre ökologische Kompetenz berufen wird. Wenn man dann noch sieht, dass wichtige Fraktionsmitglieder wie die gesundheitspolitische Sprecherin Birgitt Bender ausgeschieden sind, frage ich mich, wer da künftig in solchen wichtigen Fragen die Führung übernimmt. In den Grundsatzfragen sehe ich daher mehr überzeugte Menschen in der SPD.

Frage: Wer mit wem koalieren wird, steht noch nicht fest. Was hat sie aber während der schwarz-gelben Regierungszeit am meisten geärgert und muss nun schnellstmöglich angegangen werden?

Hupfauer: Ein Ärgernis war für mich, dass in der Gesundheitspolitik die liberalen, rein wettbewerbsorientierten Dinge nach vorne gespielt worden sind. Da hatte ich zeitweise das Gefühl, dass die jungen Kollegen der FDP im Gesundheitsministerium nicht wirklich Ahnung davon hatten. Hier wünsche ich mir eine stärkere Kompetenz der Union. Der Aufbau des Sozialsystems geht auf die Christlich-Sozialen in der CDU/CSU zurück. Und das muss man wieder deutlicher herausstellen.

Das Interview führte Björn Odendahl

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