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Bei vielen Menschen reiche das Gehalt nicht mehr aus

Diakonie warnt vor Anstieg der Armut und fordert Notfallhilfen

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Alter Mann ist einsam
Augsburg - Die Preise steigen, nicht nur für Energie, auch für Lebensmittel. Das lässt viele Menschen in die Armut abrutschen, mahnt die Diakonie. Sie fordert Hilfe von der Bundesregierung – denn manche hätten Sorgen, ob sie genug zu essen kaufen könnten.

Die Diakonie Deutschland warnt vor einem starken Anstieg der Armut wegen der hohen Inflation und fordert neue Notfallhilfen der Bundesregierung. "Wir werden sehr viel mehr Arme bekommen, als wir bisher gedacht haben", sagte die sozialpolitische Diakonie-Vorständin Maria Loheide der "Augsburger Allgemeinen" (Samstag). "Angesichts der Inflation und der steigenden Energiepreise reicht bei vielen Menschen das Gehalt nicht mehr aus, und sie geraten in Armut."

Dies sei festzustellen "in jeder Beratungsstelle, in den Schuldnerberatungen, den Sozialberatungsstellen und auch den Familienzentren", sagte Loheide. "Immer mehr Menschen klagen, dass sie ihren Kindern nicht mehr das kaufen können, was sie eigentlich brauchen, um in der Schule mitzukommen oder bei ihren Freunden nicht dadurch aufzufallen, dass sie sich nichts mehr leisten können", erklärte sie. "Immer mehr Menschen müssen darauf achten, dass sie am Ende des Monats überhaupt noch genug zum Essen einkaufen können."

Forderung nach Reform der sozialen Unterstützung

Loheide forderte vom Bund eine Reform der sozialen Unterstützung in allgemeinen Krisen. "Die ewigen Einmal- und Bonuszahlungen haben was von Almosen", kritisierte sie. "Unser Vorschlag ist eine Notlagenregelung, die fest in den Sozialgesetzbüchern verankert wird und in einer nationalen Krisensituation eine Unterstützung von Betroffenen - mit mindestens 100 Euro monatlich für ein halbes Jahr - vorsieht", sagte Loheide. "Dazu müsste der Bundestag eine soziale Notlage feststellen. Damit entfiele die Notwendigkeit, in jeder Krise aufs Neue über eine gesetzliche Regelung für eine Notlösung für die Ärmsten zu beraten."

Loheide forderte eine Anhebung der Hartz-IV-Sätze. "Die letzte Erhöhung betrug 0,7 Prozent, die Inflation hingegen liegt bei mehr als sieben Prozent", sagte sie. "Im Regelsatz sind pro Monat 155 Euro für Lebensmittel vorgesehen, 36 Euro für Strom." Die Grundsicherung müsse mindestens um 80 auf 630 Euro angehoben werden. "Dazu müssten noch gezielte krisenbezogene Hilfen kommen."

Die Vorständin warnte zudem vor gesellschaftlichen Spannungen. "Das vorherrschende Gefühl ist im Moment tatsächlich Verzweiflung", betonte sie. "An zweiter Stelle folgt Wut. Viele Menschen sind wütend auf die Politik." Es gebe eine große Politikverdrossenheit. "Es wird geschaut, wer es vermeintlich besser hat in unserer Gesellschaft. In den Köpfen verfangen dann leider schnell oberflächliche Parolen wie: Die Flüchtlinge kriegen jetzt alles und wir nichts." (KNA)

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