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Kunstsammlung NRW zeigt Ausstellung über christliche Bildsprache

Die Christusmetapher

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Skulptur eines liegenden Mannes
Düsseldorf - Kunst will wachrütteln und provozieren. Das versucht auch die Ausstellung "The Problem of God". Dabei muss sich der Besucher ganz persönliche Fragen stellen.

Eine riesige Glocke hängt im Eingang des Ständehauses der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen. Punkt zwölf Uhr fängt sie an, sich zu bewegen. Die Schwünge werden weiter und weiter - aber kein Ton erklingt. Mit dieser Installation "For Whom" möchte der belgische Künstler Kris Martin eine Aussage treffen: Nur die religiöse Hülle besteht noch, der Inhalt ist verschwunden. Denn Martin hat den Schlegel aus der Glocke entfernt und sie damit zum Schweigen gebracht.

Installation "For Whom" von Kris Martin; eine Glocke ohne Klöppel
Die Installation "For Whom" von Kris Martin, eine Glocke ohne Klöppel, begrüßt die Besucher der Ausstelung "The Problem of God"

"For Whom" empfängt die Besucher der Ausstellung "The Problem of God", die seit Samstag in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen zu sehen ist. Die Schau thematisiert die christliche Bildsprache in Werken internationaler zeitgenössischer Künstler. "Die Religion spielt eine sehr große Rolle in der gegenwärtigen Kunst", erklärt die Direktorin der Kunstsammlung NRW, Marion Ackermann. "The Problem of God" wolle jedoch besonders das Christentum zur Sprache bringen und nicht allgemeine Werke über Spiritualität zeigen.

120 Werke von 33 Künstlern auf 2.000 Quadratmetern

Auf rund 2.000 Quadratmetern Fläche und drei Etagen präsentiert die Schau bis 24. Januar 2016 rund 120 Werke von 33 Künstlern. Sie ist Teil des zum 50-Jahr-Jubiläum des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) gestarteten Kunstprojekts "Freude und Hoffnung, Trauer und Angst", das die Deutsche Bischofskonferenz in diesem Jahr bundesweit an zehn Standorten durchführt.

Auch der US-amerikanische Künstler Gary Hill setzt sich in seiner Videoinstallation "The Crux" mit dem Christentum auseinander. Auf fünf Monitoren, die in Form eines Kreuzes an der Wand hängen, sind seine Hände, die nackten Füße sowie sein Kopf zu sehen. Die Landschaft im Hintergrund verändert sich ständig. Hill produzierte die Arbeit während einer Wanderung am Hudson River. Dabei hatte er sich die schweren Kameras an den Körper geschnallt.

Der Besucher denkt bei der Betrachtung sofort an den Leidensweg und die Kreuzigung Christi - auch wenn Hill das gar nicht damit ausdrücken wollte. Aber: "Im Grunde gefällt mir die Christusmetapher inzwischen sogar besser als das, was ich ursprünglich im Sinn hatte", erklärt der Künstler. "Trotzdem ist es zunächst einmal das Bild eines Mannes, eines Menschen, der sich in der Welt zurechtzufinden versucht."

Blick in die Ausstellung "The Problem of God"
Blick in die Ausstellung "The Problem of God"

Dass sich Künstler wieder verstärkt mit Religion beschäftigen und Aspekte des Religiösen kritisch reflektieren, hat verschiedene Ursachen, sagt die Kuratorin der Ausstellung, Isabelle Malz. "Einer davon ist, dass in Politik und Medien das Thema Religion derzeit allgegenwärtig ist - und zwar als gesellschaftliches Ereignis." Zudem bestimmten die ethischen Werte des Christentums weiterhin die Gesellschaft, Kultur und Geschichte. Die Werke wollten jedoch nicht die christliche Botschaft verkünden, sondern Fragen aufwerfen, mit denen sich der Besucher auseinandersetzen soll.

Menschen innerhalb und außerhalb religiöser Orientierung ansprechen

Der Vorsitzende des Projektbeirats, der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann, hatte bei der Ankündigung des Projekts im vorigen Jahr betont, dass das Konzil einen von Offenheit und gegenseitigem Respekt geprägten Dialog zwischen Kirche, Politik und Gesellschaft initiiert habe. Das Kunstprojekt setze gesellschaftspolitische und kulturelle Akzente und solle Menschen "innerhalb und außerhalb religiöser Orientierung" ansprechen, so der katholische Kunstbischof.

Das will auch Emma Kay. Die Britin beschloss, den Inhalt der Bibel aufzuschreiben und sich bei ihrem Projekt "The Bible from Memory" komplett auf ihr Gedächtnis zu verlassen. Also keine einzige Bibelausgabe aufzuschlagen. Ihre Erinnerung passt an eine kleine Zimmerwand und zeigt nur einen minimalen Ausschnitt der Heiligen Schrift. "Denn Kays Erinnerungen stammen fast alle aus der Kindheit - und der Besucher kann so reflektieren, was er selbst noch aus dem schulischen Religionsunterricht kennt", erklärt Kuratorin Malz.

Vielleicht schaffen es ja gerade solche Kunstwerke, dass sich die säkularisierte Gesellschaft wieder mit der eigenen religiösen Identität beschäftigt.

Über die Ausstellung

Die Ausstellung "The Problem of God" ist vom 26. September bis 24.Januar 2016 im K21 Ständehaus, Ständehausstraße 1 in Düsseldorf, zu sehen. Geöffnet dienstags bis freitags von 10.00 bis 18.00 Uhr, am Wochenende von 11.00 bis 18.00 Uhr. Erwachsene: 12 Euro, ermäßigt: 10 Euro, Kinder und Jugendliche 2,50 Euro.

Zur Ausstellung
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