Die Qual der Wahl
Katholische Bischöfe können mitunter politisch-polemisch sein, vor allem gegenüber kleinen Parteien. So griffen sie Anfang der 1980er Jahre die damals noch machtlosen Grünen scharf an (vor allem, weil die eine Freigabe der Abtreibung forderten). Und unlängst waren Mitglieder der eurokritischen AfD betroffen, als der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, sie in einem Interview schroff als "Nostalgiker" bezeichnete. Noch härter war einst der Fuldaer Erzbischof Johannes Dyba, als er die FDP mit einem "Fliegendreck" verglich. Solche Äußerungen stoßen vor allem Katholiken, die sich in den gescholtenen Parteien engagieren, vor den Kopf.
Überzeitliche Werte und Normen
Vor der Bundestagswahl 2013 wird nicht mit einseitigen Wahlempfehlungen gerechnet. Schon beim katholischen Sankt-Michaels-Empfang in Berlin, dem größten Treffen von Kirche und Politik kurz vor der Wahl, hatte Zollitsch dies am Montag angedeutet. Von Papst Franziskus beflügelt, ging er auf die Nöte der Flüchtlinge und Ausgegrenzten ein und forderte von der Politik mehr Solidarität, auch für wirtschaftlich schwache Bundesbürger.Während das sogar bei roten und grünen Politikern Beifall fand, waren seine Einlassungen zu Familienpolitik und Bioethik weniger breit konsensfähig. Sein klares Bekenntnis zur Ehe von Mann und Frau sowie zum Schutz des ungeborenen Lebens konnte bestenfalls mit der Zustimmung der CSU und einiger Teile der CDU rechnen.
Wenn die katholische Kirche hier in die Rolle einer gesellschaftlichen Minderheit gerät, liegt das auch daran, dass die größten Kirchen des Landes neuerdings bei Familienpolitik und Bioethik getrennt marschieren: Die EKD hat sich dem liberalen Zeitgeist angenähert, die DBK sieht dich als Verteidiger überzeitlicher Werte und Normen.
Was die Wahl-Worte von Kirchenleuten bewirken, ist kaum erforscht. Tatsache ist, dass es bei den großen Parteien konfessionelle Vorlieben gibt. So wählen Katholiken seit je eher Union und Protestanten eher links. Doch die Besetzungen an der Spitze der Parteien sind heute verwirrend. So wird die CDU fast komplett von Protestanten geführt. Die Parteivorsitzende, der Generalsekretär, der Kanzleramtsminister, der Fraktionsvorsitzende und die wichtigsten CDU-Bundesminister (Finanzen und Verteidigung) gehören einer Kirche der Reformation an. Dass ausgerechnet der FDP-Vorsitzende bekennender Katholik ist, passt ebenso wenig ins traditionelle Schema.
Mehr oder weniger Staatsnähe?
Wichtiger als die konfessionellen Bindungen der Politiker sind ihre kirchenpolitischen Pläne. Derzeit sind die Unionsparteien die einzigen, die das deutsche Staatskirchenrecht verteidigen. Die heutige Kooperation von Staat und Kirchen wird von linken und liberalen Politikern als eine "Privilegierung" der Kirchen gegenüber anderen Religionsgemeinschaften und Nichtglaubenden kritisiert.
Demgegenüber halten CDU und CSU daran fest und sehen es als Vorteil auch für den Staat. Hinzu kommen Debatten um das kirchliche Arbeitsrecht (mit der Kündigung für Führungskräfte, die in zweiter Ehe leben), um die Kirchensteuer und um die sogenannten Staatsleistungen.
Die großen Kirchen wollen, dass das bestehende System im Kern erhalten bleibt, weil es sie rechtlich und materiell absichert. Aber nicht alle Kirchenmitglieder stimmen zu. Einige Christen meinen, die Nähe der Kirchen zum Staat verwässere das radikale Zeugnis für das Evangelium. Teile dieser Minderheit sympathisieren mit christlichen Splitterparteien. Von den "staatstragenden" Großkirchen werden sie dafür auch 2013 kaum Unterstützung erhalten.
Von Ludwig Ring-Eifel (KNA)
Ende September ist Bundestagswahl. Bis zum 21. kämpfen die Parteien um Ihre Stimmme. Katholisch.de hat die Wahlprogramme der sieben wichtigsten Parteien unter die Lupe genommen und nach katholischen Gesichtspunkten bewertet. Auch die katholischen Verbände kamen zu Wort und konnten ihrerseits Erfolge und Niederlagen der Bundesregierung bewerten und einen kleinen Ausblick wagen, was sich ihrer Meinung nach ändern muss. Zur Serie: Parteien zur Bundestagswahl Zur Serie: Verbände zur Bundestagswahl