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Thomas Seiterich über den Umgang der Konfessionen mit Vergehen

Die Schuld und die Schulden

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Schachfigur
Bonn - Thomas Seiterich über den Umgang der Konfessionen mit persönlichen Vergehen

Schuldig werden wir im Lauf des Lebens alle, im Kleinen wie im Großen. Das zählt zu unserer Condition Humaine. Doch die Kirchen gehen – quer durch die Jahrhunderte - verschieden um mit der Schuld. Und: Schuld und Schulden haben nicht nur vom Wortstamm, sondern auch von ihrem Bedeutungs- und Empfindungshorizont her eine tiefe, abgründige Verbindung.

Wie also umgehen mit der Schuld? Bei den Protestanten ist die Ohrenbeichte praktisch verschwunden. Klar, Gott vergibt, doch die Schuld lastet – und deshalb ist es ganz besonders wichtig, dass man sich an die Regeln hält. Wen wundert es, dass protestantisch geprägte Euro-Länder wie die Niederlande, Finnland, Estland und auch Deutschland die Verschuldungsgrenzen penibel einhalten, wenn‘s geht.

Katholiken gingen mit ihrer Schuld in den Beichtstuhl. Sie erhielten die Lossprechung und dann ging das fröhliche Leben von vorne los. So ähnlich wie Frankreich, Belgien und Italien handelten, in den Jahrzehnten vor dem Euro. War man auf den Märkten nicht mehr konkurrenzfähig, wurde abgewertet, ganz nach Bedarf. Dann wirtschaftete man munter weiter. Was Wunder also, dass katholisch grundierte Staaten mit dem Euro wirtschaften frei nach dem Motto eines alten rheinischen Karnevalsliedes mit dem selbstironischen Titel: "Wir sind alle kleine Sünderlein…"

Und die Orthodoxen? Wer aufrichtig bereute, dem wurde vergeben. Erinnert dies nicht an Griechenlands Politik und Taktik in den letzten Wochen und Monaten? Schwamm drüber und Neustart?

Diese zugegeben äußerst amateurhaften und holzschnittartigen Gedanken lehren Eines für die Zukunft der gemeinsamen Währung: Es reicht nicht, finanztechnische und volkswirtschaftliche Theorien zugrunde zu legen. Wenn der Euro auf lange Sicht überleben soll, braucht es sensible und vieldimensionale Überlegungen, die die Mentalität, die religiöse Prägung und die geschichtlichen Erfahrungen der einzelnen Partner einbringen.

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