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Die soziale Energiewende

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Klaus Töpfer am Rednerpult
Essen - Kein politisches Gebell, sondern klare Worte zu den Herausforderungen der Energiewende bekamen die Menschen beim sozialpolitischen Aschermittwoch der Kirchen am Mittwoch zu hören. Trotz Grippe war Klaus Töpfer, Ex-Umweltminister und ehemaliger Leiter des Umweltprogramms der Vereinten Nationen, der Einladung des Bistums Essen und der Evangelischen Kirche im Rheinland in den Essener Dom gefolgt. Und seine Botschaft war eindeutig.

"Die Energiewende ist nicht nur eine technische Frage", sagte Töpfer in der vollbesetzten Bischofskirche. Da der Übergang von fossilen Brennstoffen und Kernkraft hinzu erneuerbaren Energien eine "Fundgrube technischer Innovationen" sei, sei es eine umso größere Herausforderung, den Wandel sozial zu gestalten. In diesem Zusammenhang kritisierte Töpfer die seiner Ansicht nach ungerechte Verteilung der Kosten für die Energiewende. Wenn Politiker meinten, dass energieintensive Unternehmen von der Ökostromumlage befreit werden müssen, sei das eine Sache. Es könne aber nicht sein, dass die Kosten von den Ärmeren getragen werden.

Kampf der Energiearmut

Ebenso gelte es, die "soziale Schieflage mitzudenken", dass nicht wenige Menschen kein Geld für neue, energiesparende Haushaltgeräte hätten. Denn: "Wir werden die Energiewende ohne verbesserte Energieeffizienz nicht bewältigen können."

Auch sei es wichtig, die Preise für Energie überschaubar zu halten. Es gebe genug Menschen im Land, für die schon eine kleine Strompreiserhöhung ein Problem sei, so Töpfer weiter. Gerade für die Europäer sei die Energiewende eine Frage der länder- und generationsübergreifenden Gerechtigkeit. "Erneuerbare Energie ist ein entscheidender Beitrag, dass wir eine friedliche Entwicklung für neun Milliarden Menschen im Jahr 2050 haben können."

Overbeck: Den Blick schärfen

Mit Blick auf die begonnene Fastenzeit mahnte der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck "einen scharfen Blick" auf gesellschaftlichen Tatsachen und den Kern von Krisen und Katastrophen an. "Das ist, wie Petrus an Pfingsten zeigt, die Aufgabe der Kirche und die Herausforderung für uns als Christen vor Ort." Konkret gehe es darum zu erarbeiten, wie eine Energiewende verlaufen könne, "bei der die berechtigten Interessen der Unternehmen, die Arbeitsplätze schaffen, der Konsumenten, die nicht überfordert werden dürfen, und der zukünftigen Generationen, die das gleiche Recht auf intakten Lebensraum haben wie wir selbst, einen gerechten Ausgleich finden müssen."

"Wir sind alle Teil eines Systems, das sich durch Gedankenlosigkeit auszeichnet", sagte der Vorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland und scheidende Präses der Evangelischen Kirche in Rheinland, Nikolaus Schneider. Dringend müsse der Verschwendung von Lebensmitteln, Wasser oder eben Energie Einhalt geboten werden. Zugleich rief Schneider die Kirchen auf, Umweltschutz und Energiewende aktiv mitzugestalten. "Wir dürfen nicht nur fordern und reden", mahnte Schneider an. Als Beispiele für bereits bestehende Initiativen nannte er den Stromspar-Check der katholischen Caritas oder die ökumenische Klimakollekte, deren Erlös in Klimaschutzprojekte gehe.

Von Christoph Meurer

Sozialpolitischer Aschermittwoch

Den sozialpolitischen Aschermittwoch des Bistums Essen und der Evangelischen Kirche im Rheinland gibt es seit 1998. Nach eigenem Verständnis will man damit „einen Kontrapunkt zum Politikspektakel der Parteien“ an diesem Tag setzen. In den vergangenen Jahren ging es unteren anderem um Zuwanderung, Gesundheitspolitik oder Bildungsarmut. (meu)

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