Die Welt braucht Euch!
Dieses Wochenende wurden Männer auf der ganzen Welt zu Priestern geweiht. Im Erzbistum München und Freising waren es acht. Seinen Neugeweihten sprach Kardinal Reinhard Marx in seiner Predigt zu, als Priester den Menschen ihre tiefste Sehnsucht zu offenbaren: die Suche nach der anderen Welt, dem Paradies, dem Festen, nach dem, das nie vergeht, das nicht Spielball der Moden und Stimmungen der Zeit ist. Der Priester entscheidet sich dafür, quasi mit einem Bein schon im Himmel, im ewigen Leben zu sein und so auch ohne Worte dieser Welt durch seine schiere Existenz zu zeigen: es gibt sie, die Welt nach der irdischen Mühsal, den totalen Frieden bei Gott. Es gibt sie, die Liebe bis zum Tod, die treue Liebe, die nicht mehr verraten wird.
Die priesterliche Existenz bringt damit eine unersetzbare Dimension in unser irdisches Leben. Der Weg zu Gott ist offen. Oder besser: Gott ist den Weg zu uns Menschen bis hin zu unserem tiefsten Elend, unserer Einsamkeit, unser Depression, unserer Hoffnungslosigkeit, unserem Leid gegangen und hat uns mit ihm versöhnt. Selbst der Tod konnte ihn nicht davon abhalten. Es ist der große Brückenschlag Gottes. Er ist "hinabgestiegen in die Hölle", in die Hölle jedes einzelnen Menschen und hat uns gezeigt, dass es Hoffnung gibt. Der Priester könnte sein priesterliches, zölibatäres Leben nicht leben, wäre er nicht von dieser unverbrüchlichen Hoffnung erfüllt. Er verzichtet zwar auf Ehe und Familie, aber er lebt eine lebendige Beziehung mit Gott.
Die Wirklichkeit nach dem Tod, das ewige Leben, das wir nur allzu leicht im Alltagstrubel aus den Augen verlieren, ist sein Zuhause. Gleichzeitig ist der Priester ganz in der Welt, er liebt die Welt, sonst würde er sich nicht in ihren Dienst stellen. Einem Priester, der sein Priestertum in dieser lebendigen Spannung zwischen Diesseits und Jenseits lebt, kann man nicht gleichgültig gegenüber treten. Er ist Stein des Anstoßes, Provokation und Segen. Ich glaube, wir brauchen alles drei heute mehr denn je, um aufzuwachen, unsere tiefste Sehnsucht wieder zu entdecken und dann jemanden zu haben, der uns zeigt, wer diese Sehnsucht wirklich stillen kann.
An alle Neupriester: Danke! Die Welt braucht Euch!
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