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Walter Brüggemann wurde vom Investment-Manager zum Entwicklungshelfer in Peru

Doch Manager geblieben

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Cañete - Der Satz "Ich will mein Leben ändern" kann vieles bedeuten: eine gesündere Ernährung oder eine berufliche Neuorientierung. Im Fall von Walter Brüggemann sollte er einen Richtungswechsel um 180 Grad einleiten. Der erfolgreiche Investment-Manager und Familienvater stieg im August 2014 in ein Flugzeug, um sich am anderen Ende der Welt einen Herzenswunsch zu erfüllen. Er wurde Entwicklungshelfer in einem peruanischen Kinderdorf.

Auf katholisch.de berichtete er in einem Blog über seine Anfänge in der Casa Santa Rosa. Er schrieb von Höhen und Tiefen, kleinen Kulturschocks, neuen Aufgaben und den Jungen und Mädchen des Kinderdorfes der Hilfsorganisation nuestros pequeños hermanos (nph). Mittlerweile lebt Brüggemann schon seit acht Monaten im Küstenort Cañete, zwei Autostunden südlich von Lima. Wie es ihm heute geht? "Gut", sagt er, "aber ich bin auch müde und erschöpft, weil ich den Sommer über ohne Pause durchgearbeitet habe."

Sommer, das bedeutet in Peru Heiligabend bei 30 Grad und zwei Monate Schulferien. "Weiße Weihnacht ist für die Kinder hier ein Fremdwort und auch die Adventszeit wird nicht so begangen, wie wir das in Deutschland kennen", erzählt Brüggemann. Stattdessen habe Weihnachten in der Casa Santa Rosa eher Partycharakter. "Für die Kinder ist es eine Zeit der Bescherung, viele Menschen finden den Weg hierher, um ihnen Süßigkeiten, Lebensmittel, Spielsachen und Kleidung zu bringen." Alle Besuche werden mit Tanz und Musik, verkleideten Nikolaus und Clowns gefeiert. "In der Hochphase gab es zwei Veranstaltungen am Tag."

Die peruanischen Kinder des Waisenhauses bei einem der vielen festlichen Aktivitäten in der Weihnachszeit.

Die Kanadier und neuen Freiwillige kommen

Kaum lagen Weihnachten und Neujahr hinter den Kinderdorf-Familien, startete zu Beginn des Jahres ein neues Großprojekt. Fünf Besuchergruppen aus Kanada gaben sich ab Anfang Januar für jeweils zwei Wochen die Klinke in die Hand. "Das waren Erwachsene und Jugendliche, die nicht nur Geld spenden, sondern aktiv mithelfen wollten, um hier im Kinderdorf etwas zu bewegen", erzählt Walter Brüggemann. Er selbst übernahm als einziger verbliebener Freiwilliger im Dorf schon Wochen vorher das zeitaufwendige Management, organisierte die Besuche, plante das Programm und koordinierte die Zusammenarbeit.

"Die Gruppen haben hier unheimlich viel geleistet", sagt er begeistert. Sie arbeiteten Hand in Hand mit den Kindern des Dorfes, malten eine Arche Noah an eine Wand im Haus der Kleinsten, strichen Häuser an, installierten eine Flutlichtanlage für den Sportplatz, halfen beim Bau eines weiteren Jungenhauses mit, kümmerten sich um die Außenanlagen und vieles mehr. Dazwischen gab es Ausflüge an den Strand, Rafting-Touren und Spieleabende. Nachts kampierten die Kanadier unkompliziert in Zelten auf dem Kinderdorfgelände. "Die Kinder haben diesen besonderen Alltag mit den vielen Aktivitäten geliebt und auch die Kanadier waren gerne hier. Beim Abschied flossen Tränen."

Für Walter Brüggemann ging es arbeitsintensiv weiter. Nachdem er monatelang alleiniger Volontär der Casa Santa Rosa gewesen war, bekam er im Januar weibliche Verstärkung aus Deutschland, Österreich, Frankreich und den USA. Freiwillige zwischen 22 und 34 Jahren, die er als Volontär-Koordinator unter seine Fittiche nahm. Die zweiwöchige Einarbeitung erwies sich jedoch als nicht ganz so leicht. "Einige von ihnen hatten sprachliche und kulturelle Anpassungsschwierigkeiten und auch Probleme die Regeln zu akzeptieren, die hier in der Casa Santa Rosa gelten", erzählt Brüggemann. "Wir sind alle noch in der Kennenlern- und Gewöhnungsphase, ein wirkliches Teamgefühl hat sich noch nicht entwickelt, aber wir arbeiten dran."

Walter Brüggemann umgeben von seinen Schützlingen.

Mit vorgehaltener Pistole

Aus eigener Erfahrung weiß er, dass man Zeit braucht, um sich einzuleben und an die Gegebenheiten Lateinamerikas zu gewöhnen, die so ganz anders sind, als in Deutschland. "Vor einigen Wochen erhielten wir die Nachricht, dass eine Schweizer Volontär-Koordinatorin in der Dominikanischen Republik bei einem Raubüberfall getötet wurde. Das hat uns sehr getroffen."

In der Casa Santa Rosa begann man über die Sicherheit der Bewohner zu sprechen. "Ich habe mich hier immer sehr sicher gefühlt, jetzt aber einiges erfahren, von dem ich nichts wusste." Etwa, dass Besucher, die mit Lebensmitteln auf dem Weg zum Kinderdorf waren, mit vorgehaltener Pistole ausgeraubt wurden. "Es ist wichtig, sensibel für potentielle Gefahren zu sein. Dazu gehört, das Dorf nur zu zweit zu verlassen und nicht jedes erstbeste Motortaxi in die Stadt zu nehmen", so Brüggemann.

Fünf Wochen Urlaub liegen nun vor ihm, die er in Europa vor allem mit seinen drei Söhnen verbringen wird. Danach beginnen die letzten Monate in der Casa Santa Rosa. Der Entwicklungshelfer, der in Peru wider Erwarten nun doch eher Manager war, hat sich vorgenommen, dann mehr Zeit für die Kinder und Jugendlichen zu haben. "Das ist wegen meiner vielen anderen Aufgaben bisher zu kurz gekommen", bedauert er. "Ich würde den Älteren gerne etwas über Deutschland vermitteln, aber auch über wichtige Ereignisse der Weltgeschichte und die Lage in Peru", sagt er.

Wie es im September nach seinem Jahr in der Casa Santa Rosa weitergehen wird, kann der Entwicklungshelfer derzeit noch nicht sicher sagen. "Ich kann mir vieles vorstellen. Auch, in Peru zu bleiben", sagt er. "Mir gefällt einfach dieses Land und die zauberhaften Menschen, die hier leben."

Von Janina Mogendorf

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