"Ein Bekenntnis zum Christlichen"
"Der Wahlausgang ist ein Ja zu Frau Merkel und zur Stabilität in der Politik", sagt Bambergs Erzbischof Ludwig Schick am Montag gegenüber katholisch.de. Es sei aber auch ein Bekenntnis zum Christlichen und Sozialen sowie zur Demokratie in der Bundesrepublik. "Es freut mich, dass die deutsche Bevölkerung dem christlichen Glauben und den christlichen Werten ihre Zustimmung erteilt hat", so Schick. Das beinhalte aber auch einen Auftrag für die kommende Legislaturperiode. "Christlich sozial soll unsere Demokratie das Gemeinwohl gestalten", sagt der Erzbischof.
Hamburgs Erzbischof Werner Thissen freut sich vor allem über eine funktionierende Demokratie in Deutschland: "Die Wahlbeteiligung zeigt die solide Verfassung unserer Demokratie. Wichtig ist, dass es in den anstehenden Parteiengesprächen gelingt, eine stabile und handlungsfähige Regierung zu bilden." Es brauche eine Regierung, die die Zukunftsthemen des Landes mutig angehe.
Für ein einiges und solidarisches Europa
"Soziale Gerechtigkeit, Bildungsgerechtigkeit, Stärkung der Familien und ein einiges und solidarisches Europa müssen einen festen Platz auf der politischen Agenda haben", so Thissen weiter. Als zuständiger Bischof für das Entwicklungshilfswerk Misereor fordert er von der künftigen Bundesregierung Verantwortung in der Armutsbekämpfung: "Die Überwindung des Hungers hat dabei Vorrang. Die Regierung sollte sich verstärkt für eine lokale und regionale Landwirtschaft einsetzen." Nachhaltigkeit dürfe kein Schlagwort bleiben.
Der Berliner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki freut sich über die gestiegene Wahlbeteiligung und darüber, "dass es keine Radikalisierung gegeben hat". Wer gestern ferngesehen habe, konnte feststellen, "dass Politik nicht langweilig und vorhersehbar ist", sagte der Kardinal gegenüber katholisch.de. "Jeder kann mit seiner Stimme etwas bewegen", so Woelki.
"Ich hoffe, dass die anstehenden Koalitionsverhandlungen nicht nur unter dem Leitwort des kleinsten gemeinsamen Nenners und fixiert auf strittige Steuerfragen geführt werden, sondern Perspektiven eröffnen", wünscht sich Heiner Koch, Bischof von Dresden-Meißen. Zwei Fragen seien für ihn dabei entscheidend: "Wird Ehe und Familie ein Gestaltungsfreiraum eingeräumt, der nicht allein von wirtschaftlichen Interessen geleitet wird?" Und: "Werden wir in Europa Schritte zu einer Werte- und nicht nur zu einer Wirtschaftseinheit gehen?"
"Dabei helfen, christliche Werte in die Bundespolitik einzubringen"
"Ich freue mich über die Wahl zahlreicher Entscheidungsträger aus katholischen Verbänden in den Deutschen Bundestag. Sie werden uns dabei helfen, christliche Werte in die Bundespolitik einzubringen", sagte Marie-Luise Dött, Vorsitzende des Bundes Katholischer Unternehmer, gegenüber katholisch.de. Besonders freue sie sich jedoch für Claudia Lücking-Michel. Die Vizepräsidentin des Zentralkomitees der Katholiken (ZdK) ist erstmals in den Bundestag eingezogen.
"Auch ich selbst darf mich weitere vier Jahre für christliche Werte, Nachhaltigkeit und eine Politik stark machen, die mittelständischen Unternehmen den Rücken stärkt", so Dött. Die BKU-Vorsitzende will damit gewährleisten, dass die Unternehmen ihre "wichtige Rolle für die Stabilität unserer Wirtschaft und Gesellschaft weiter so gut erfüllen können, wie in den vergangenen Krisenjahren".
Caritaspräsident Peter Neher wertet die Bundestagswahl ebenfalls als klaren Sieg der Union und der Bundeskanzlerin. Unabhängig von der Frage, welche Parteien die neue Regierung bilden, spricht er jedoch lieber über Inhalte nach der Wahl. Es gebe zentrale Themen, "die dringend angegangen werden müssen". Dazu gehören laut Neher eine Reform der Pflege, Hilfen für Langzeitarbeitslose und das Thema "Energiearmut".
Von Björn Odendahl