Ein Frühling der Demokratie
Dies ist ein Einspruch gegen die weitverbreitete Verzagtheit vieler Zeitgenossen angesichts der Hammer-Nachrichten aus Trumps USA, aus Erdogans Türkei und aus manchem osteuropäischen EU- und Nato-Partnerstaat, dessen rechtspopulistische Regierung die Gewaltenteilung beschneidet, die Nation flüchtlingsfrei homogen bewahren möchte und die Demokratie ihren Interessen gemäß zurechtbiegt.
Erleben wir in Deutschland nicht so was wie einen politischen Frühling? Und das im Jahr der Entscheidungen 2017, das in Amerika so schlecht begann und in dem auf dem Spiel steht, ob Kerneuropa nach rechts außen abrutscht? Seit der Proklamierung von Martin Schulz als Kanzlerkandidat der SPD tanzen die politischen Sympathien der Bürger. Schulz entfaltet eine Vision von mehr sozialer Gerechtigkeit – und erzielt damit in West wie Ost eine gewaltige Resonanz. Tausende Bürger stehen vom Sofa auf und treten in die Parteien ein, die unsere Demokratie tragen. Zuvorderst in die SPD; aber auch die Mitbewerber Union und Grüne verzeichnen Zuwachs an Neumitgliedern im mittleren und jungen Alter. Wer hätte solch ein erfreuliches Wachstum an aktiven Demokraten erwartet, nach dem ewigen Vor-Sich-Hin-Schrumpfen der Parteien?
Mein Publikum, die Menschen, für die ich in Publik-Forum schreibe, besteht aus engagierten Christen, die als Katholiken oder Protestanten die Bibel als befreiende Botschaft lesen. Ein Großteil von ihnen ist in der Zivilgesellschaft engagiert, in Kirchgemeinden, Flüchtlingskreisen, Bürgerrechts- und Eine-Welt-Initiativen. Doch neuerdings wächst unter diesen Menschen eine Diskussion: Reicht das bisher gelebte, zivilgesellschaftliche Engagement oder tritt man oder frau nicht besser einer der demokratischen Parteien bei, um auf diese Weise unsere Demokratie aktiv zu verteidigen?
Bei den Wahlen im EU-Kernland Niederlande hat die Abwehr der Rechtspopulisten und Islamhasser gut geklappt. Bei uns in Deutschland entwickelt sich ein offenes Rennen zwischen zwei bewährten Demokraten um die Kanzlerschaft. Viel offener und somit viel spannender als bei den letzten, langweiligen Bundestagswahlen von 2009 und 2013.
Gut so. Gut für den demokratischen Frühling, den wir erleben.
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