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Kirche und Verbände sprechen sich gegen die Rente mit 63 aus

Ein klares "Nein"

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Zwei Frauen älteren Semesters sitzen gemütlich auf einer Bank und genießen den Sonnenschein.
Bonn - Es ist noch nicht lange her, da war man sich in Politik und Gesellschaft einig: Die Rente mit 67 ist unausweichlich. Dem demographischen Wandel – immer mehr Rentner bei immer weniger Erwerbstätigen – konnte anders nicht entgegengewirkt werden. Doch jetzt plant die Große Koalition die "Rente mit 63". Die Kirche und zahlreiche katholische Verbände lehnen diesen Plan strikt ab.

"Die Rente mit 63 ist ein falsches Signal und kontraproduktiv", sagt der Geschäftsführer der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung (KKV), Joachim Hüpkes, katholisch.de. Das frühe Renteneintrittsalter ließe sich sowieso höchstens für einige wenige Jahrgänge realisieren. "Danach müssten die Menschen dann wieder bis 65 oder länger arbeiten", sagt er. Und dass es vor allem eine Rente für Männer wäre. Denn vorgesehen ist, dass nur der mit 63 in Rente gehen kann, der 45 Beitragsjahre vorweist. "Die erreicht jedoch kaum eine Frau", so Hüpkes. Denn die Frauen aus den betroffenen Jahrgängen – das sind vor allem 1950 bis 1952 – haben meist berufliche Pausen für die Kindererziehung eingelegt.

Als "Verstoß gegen die Generationengerechtigkeit" bezeichnet das Kolpingwerk Deutschland das Vorhaben der Großen Koalition in einer Stellungnahme. Vor allem angesichts stark gestiegener Lebenserwartungen käme es zu einer überproportionalen Belastung der jüngeren Generation. Der verhandelte Gesetzentwurf stehe für "einseitige Klientelbevorzugung statt sich am Gemeinwohl zu orientieren", heißt es weiter. Stattdessen plädiert das Kolpingwerk für eine verbesserte finanzielle Absicherung der Arbeitenden gegen Altersarmut – zum Beispiel durch verbesserte Leistungen bei der Erwerbsminderungsrente.

Es werden noch mehr Fachkräfte fehlen

Auch der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) kritisiert in der Rentendebatte den mangelnden Blick auf die junge Generation und lehnt eine Stichtagsregelung bei der Rente ab 63 ab. "Wenn man nach 45 Jahren in Rente geht, müssen auch zukünftig Zeiten der Arbeitslosigkeit angerechnet werden", so die BDKJ-Bundesvorsitzende Lisi Maier. Viele junge Arbeitnehmer hangelten sich zunächst von Praktikum zu Praktikum, müssten befristete Verträge und niedrige Entlohnung in Kauf nehmen, Phasen der Arbeitslosigkeit und ungewollte Selbstständigkeit durchstehen, schreibt Maier in einem Gastbeitrag für katholisch.de.

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Doch geht es nicht nur um die Zukunft. Dass beispielsweise wichtige Fachkräfte verloren gehen, sieht KKV-Geschäftsführer Hüpkes als ein aktuelles Problem der Rente mit 63. "In Deutschland werden sie doch jetzt schon händeringend gesucht", sagt er. Eine mögliche Lösung präsentierte laut FAZ unlängst das Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW): So könnte der Fachkräftemangel durch eine höhere Erwerbsbeteiligung von "Senioren" gelindert werden. Das Institut sieht ein Potenzial von 400.000 Fachkräften im Rentenalter.

Hüpkes selbst plädiert dagegen für mehr Flexibilität statt eines starren Renteneintrittsalters. "Früher war es so, dass gerade in großen Firmen Arbeiter mit 53 bei vollen Bezügen in Rente gegangen sind. Das kann natürlich nicht sein", so der Geschäftsführer. Wer früher in Rente gehe, müsse Abschläge in Kauf nehmen. Andererseits solle der, der über das Rentenalter hinaus arbeite, auch etwas mehr bekommen. Die geplante Anrechnung von Zeiten der Arbeitslosigkeit öffne jedoch Tür und Tor für künftige Frühverrentungen, ergänzte der KKV-Bundesvorsitzende Bernd-M. Wehner.

Mehr Flexibilität beim Renteneintrittsalter

Doch was ist mit denen, die irgendwann körperlich nicht mehr in der Lage sind, ihren Beruf auszuüben? Hüpkes nennt den Dachdecker als klassisches Beispiel. "Der muss natürlich mit über 60 nicht mehr auf dem Dach herumklettern, sondern könnte sich um die Beschaffung neuer Aufträge kümmern", sagt er. Unterstützung bekommt der KKV-Geschäftsführer von Dagmar Nellessen-Strauch. Die Referentin im Bereich Kirche und Gesellschaft der Deutschen Bischofskonferenz nimmt vor allem größere Betriebe in die Pflicht. Sie wünscht sich eine bessere Gesundheitsvorsorge, eine Weiterqualifizierung von Angestellten und damit die Möglichkeit, im Alter in anderen Arbeitsbereichen unterzukommen.

Die Rente mit 63 beurteilt Nellessen-Strauch dagegen äußerst kritisch und verweist auf die Sozialinitiative der evangelischen und katholischen Kirche. Die Initiative erachtet das aktuelle Rentenalter von 67 Jahren zwar als notwendig, fordert aber auch, alles dafür zu unternehmen, "dass diese Altersgrenze prinzipiell von allen Berufstätigen auch erreicht werden kann". Das Stichwort lautet auch hier: Flexibilität. Und zwar beim Renteneintrittsalter, bei der Gestaltung der Arbeit sowie den Arbeitszeiten.

Von Björn Odendahl

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