Ein "Liebeskrieg"
Kein Stoff, der nach einer Neuinterpretation schreit – wäre da nicht die Strahlkraft von Shakespeares Sprache, die vor geschliffenen Dialogduellen nur so funkelt und aus den Liebesirrungen einen der vergnüglichsten Geschlechterkämpfe macht, die je auf der Bühne ausgetragen wurden. Auch deshalb, weil Frauen und Männer sich darin verbal auf Augenhöhe begegnen und sich an Witz nichts schuldig bleiben.
Balance zwischen Stilisierung und einer Natürlichkeit
Joss Whedon tut denn auch gut daran, den Originaltext und seine Belebung durch die Darsteller ins Zentrum zu stellen und mittels eleganter Schwarz-Weiß-Ästhetik und einer leicht ironischen Musikuntermalung die kolportagehaften Aspekte des Stücks leicht zu unterspielen. Dabei gelingt eine Balance zwischen Stilisierung und einer Natürlichkeit im Ausdruck der Schauspieler, die einen schnell vergessen lässt, dass die elisabethanischen Verse in dem gegenwärtigen Setting eigentlich ein Anachronismus sind: Stilmixe dienen hier nicht der Irritation, sondern dem lustvollen Umspielen der Themen.
So erinnern z.B. die Schwarz-Weiß-Bilder, die auf dramatische Hell-Dunkel-Kontraste verzichten und ein heiter-helles Ambiente präsentieren, an den High-Key-Stil der klassischen Screwballkomödien und lassen ein bisschen "Die Nacht vor der Hochzeit"-Flair durch den Film wehen.
Ein Film voller Spielfreude
Bei Fans des Regisseurs sorgt der Cast für lustige assoziative Querverstrebungen, denn die Darsteller stammen großteils aus verschiedenen Ecken des "Whedonverse". Der Film entstand sozusagen als "Familienausflug" zwischen dem Dreh und der Postproduktion von "Marvel's The Avengers"; Whedon zelebrierte ihn mit seinen Mitstreitern an nur 12 Tagen im eigenen Domizil in Santa Monica. Die Spielfreude, mit der alle bei der Sache waren, merkt man dem Film an.
Dezente interpretatorische Akzente (Whedon zeigt als Exposition eine stumme Szene, die deutlich macht, dass der "Krieg" zwischen Benedikt und Beatrice auf einer verunglückten amourösen Vorgeschichte fußt) sorgen für interessante Twists, und immer wieder fallen schöne szenische Ideen auf. Etwa die Sequenz, in der Claudio nach einer durchfeierten Nacht mit Schnorchel und Martiniglas im See dümpelt und von den Intriganten wie von gierigen Haien angegangen wird, oder eine Party-Sequenz, in der ein Song auf den Punkt bringt, um was es hier eigentlich geht: darum, sich von den Tragödienstoffen des Liebeslebens nicht den Schneid und die Nonchalance abkaufen zu lassen.
Von Felicitas Kleiner
Adaption von Shakespeares Komödie um den "Liebeskrieg" zwischen einem Mann und einer Frau, die sich scharfzüngig gegen die Ehe stark machen, sowie um eine Intrige, die eine junge Liebe zu zerstören droht. Mit eleganter, an klassische Screwball-Komödien erinnernder Schwarz-Weiß-Ästhetik und einer leicht ironischen Musikuntermalung unterspielt der Film geschickt die kolportagehaft melodramatischen Elemente der Komödie und bringt dafür umso liebevoller mit schönen szenischen Ideen und mit Hilfe bestens aufgelegte Darsteller die Strahlkraft der Dialoge zum Funkeln. - Sehenswert ab 12.
Der Filmtipp wurde katholisch.de vom Magazin "Filmdienst" zur Verfügung gestellt. Seit 1947 begleitet der Filmdienst wie kein anderes Magazin kritisch das Kinofilmgeschehen. Herausragende Porträts von Filmschaffenden stehen neben umfassenden Filmkritiken zu jeder Kinopremiere in Deutschland, spannende Debatten neben aufschlussreichen Interviews, Hintergrundberichte neben Neuigkeiten aus der Filmwelt. Die Beilage "Film im Fernsehen" informiert über sehenswerte Filme im Fernsehen. Die Datenbank CinOmat ist ein beispielloses Nachschlagewerk, das mehr als 250.000 Filmschaffende mit fast 75.000 Filmen verknüpft. Der Filmdienst ist darüber hinaus Herausgeber des "Lexikons des Film", zeichnet neue DVD/Blu-ray-Veröffentlichungen mit dem "Silberling" aus und verleiht gemeinsam mit dem Bundesverband Kommunale Filmarbeit jährlich den "Caligari-Filmpreis".