"Ein starkes Zeichen"
Der "Marsch für das Leben", der vom "Bundesverband Lebensrecht" (BVL) ausgerichtet wird, will "ein großes und starkes Zeichen für das Leben" setzen, wie der BVL-Vorsitzende Martin Lohmann im Vorfeld betonte. Jeder Mensch, ob geboren oder ungeboren, habe ein Recht auf Leben und Achtung seiner Würde. Zu der Veranstaltung, die um 13 Uhr mit einer Kundgebung vor dem Bundeskanzleramt beginnt, werden mehrere tausend Teilnehmer erwartet.
Gegen den Marsch der Lebensschützer hat sich ein "Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung" gegründet, das ebenfalls ab 13 Uhr eine Kundgebung vor dem Brandenburger Tor abhalten will. Dem Bündnis gehören unter anderem der Humanistische Verband Deutschlands (HVD) sowie der Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg an. Sie werfen den Initiatoren des Marsches "radikal-religiöse" Stimmungsmache gegen Abtreibungen vor.
Das Leben als "Geschenk des Schöpfers"
Der Berliner Erzbischof, Kardinal Rainer Maria Woelki, betonte dagegen die Bedeutung des Engagements für den Lebensschutz. Dieser Einsatz sei wichtig, "um die Flamme der bioethischen Fragestellungen in der Gesellschaft nicht erlöschen zu lassen". Ähnlich äußerte sich Kardinal Joachim Meisner: Angesichts konkurrierender Wertvorstellungen sei es wichtig, dass "wir als Christen in dieser Zeit unsere Stimme erheben, um den unbedingten Wert des Lebens, gerade des schutzbedürftigen Lebens am Anfang und Ende menschlicher Existenz, zu verteidigen und als unverfügbar einzufordern", so der Kölner Erzbischof.
Hamburgs Erzbischof Werner Thissen wies in seinem Grußwort darauf hin, dass das Leben "ein Geschenk des Schöpfers" sei. Jeder Mensch besitze eine tief in Gott verwurzelte Würde. "Dabei kommt es nicht darauf an, ob dieser Mensch jung oder alt, gesund oder krank, in seinen körperlichen und geistigen Möglichkeiten eingeschränkt oder vollkommen vital ist", so Thissen. Der Eichstätter Oberhirte Gregor Maria Hanke bezeichnet den "Marsch für das Leben" als wichtiges Zeugnis gegenüber der Gesellschaft, "die immer mehr von einer wahren, allumfassenden Kultur des Lebens" abdrifte.
"Ein Beitrag zu einem solidarischen Europa"
Bischof Konrad Zdarsa würdigte den Marsch als "starkes Zeugnis für die Heiligkeit und die daraus resultierende unbedingte Würde des menschlichen Lebens". Zugleich kritisierte der Augsburger Oberhirte, dass das Lebensrecht des Menschen verhandelbar geworden sei. "Das Verhältnis einer Gesellschaft zum menschlichen Leben ist ein untrüglicher Indikator für deren sittliches und kulturelles Niveau", mahnte Zdarsa.
Heiner Koch, Bischof von Dresden-Meißen, zeigte sich überzeugt, dass der "Marsch für das Leben" nicht ungesehen bleiben werde. Die Veranstaltung könne "ein Beitrag zu einem menschlichen und solidarischen Europa sein, in dem das menschliche Leben wieder den von Gott zugedachten Stellenwert" erhalte. Ähnlich äußerte sich Speyers Bischof Karl-Heinz Wiesemann: Der Marsch durch die Bundeshauptstadt sei "nicht nur ein begrüßens- und unterstützenswerter Protest gegen die Abtreibung, sondern auch ein deutliches Bekenntnis zu einem göttlichen Ja zum Leben".
Von Steffen Zimmermann