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Katholische Laien diskutieren über kirchliche Sexualmoral

Ein Tabu auf der Tagesordnung

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Frühjahrsvollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) am 26. und 27. April 2013 in Münster in der Katholisch-sozialen Akademie Franz Hitze Haus.
Münster - Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) scheut keinen Konflikt. Ob es um kirchliche Ämter für Frauen oder einen anderen Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen geht - die oberste Vertretung der Laien greift immer wieder innerkirchlich brisante Themen auf. Die diesjährige Frühjahrsvollversammlung in Münster bildet da keine Ausnahme. Sie befasst sich am Samstag mit einer besonders heiklen Frage, die mehr als andere den Nerv der Kirche berührt: ihre Sexualmoral.

Nicht allein der Missbrauchsskandal und die daran anschließende Diskussion über die Glaubwürdigkeit der Kirche haben das Katholikenkomitee dazu bewegt, sich diesem Komplex zuzuwenden. Das katholische Lehramt verortet Sexualität ausschließlich in den Bereich von Ehe, verbietet Verhütungsmittel oder praktizierte Homosexualität.

Zwischen den vorgegebenen Normen und der Praxis der meisten Katholiken bestehe aber eine deutliche Diskrepanz, wie ZdK-Präsident Alois Glück in Münster betont. Und wegen dieser Kluft werde das Thema geradezu tabuisiert. Glücks Stellvertreterin Claudia Lücking-Michel fordert unter Beifall eine Ende der Doppelmoral: "Wir bleiben Antworten schuldig."

Kein Positionspapier

Das Katholikenkomitee gibt in Münster keine neuen Leitlinien vor, verabschiedet bewusst auch kein Positionspapier. Vielmehr will das ZdK zunächst einmal die Sprachlosigkeit aufbrechen. Denn Glück konstatiert unter den Theologen heute eine Scheu, sich aus Angst vor Sanktionen überhaupt mit diesem Bereich zu befassen.

Der Münchner Ethiker Konrad Hilpert gehört nicht dazu. Der verheiratete Vater von vier Kindern ist Gast bei der Versammlung und spricht freimütig über "Zukunftshorizonte christlicher Sexualethik".

Der Theologe äußert sich in seinem Vortrag nicht zu konkreten sexuellen Praktiken und ihrer moralischen Bewertung. Vielmehr gibt er eine neue Grundlinie an, von der her Sexualität zu verstehen sei und einzelne Fragen bewertet werden müssten.

Statt die Diskussion auf das Raster "Ehe oder Nicht-Ehe" und "detaillierte Verbotsnormen" zu verengen, müsse die Sexualmoral ganzheitlich unter dem Stichwort "Beziehungsethik" gesehen werden.

Dann bedeute Sexualität eine "spezielle Art von Kommunikation", in der Werte wie Zuneigung, Fürsorge, Annahme und Trost mitgeteilt werden. Dabei gehe es weniger um die Bestimmung der Grenzen, "innerhalb der Befriedigung erlaubt und jenseits der sie verboten ist", sondern um Verantwortung für Menschen, denen man emotional und leiblich nahekomme.

"Sexualethik muss also von den Beziehungen her gedacht und ausgestaltet werden und nicht umgekehrt", so Hilpert. Dieser Perspektivenwechsel sei anspruchsvoll und erfordere, dass Beziehungen gestaltet und gefördert werden.

Glück: Keine Diskriminierung Homosexueller

Entschieden spricht sich der Wissenschaftler dagegen aus, dass in der Kirche über Sexualität von der übergeordneten Position des Besserwissens und "im Gestus des Belehrens" gesprochen wird. Vielmehr müsse der Grundsatz des Fragens und Lernens gelten und ein Sprachmodus herrschen, der die Erfahrungen und Überzeugungen der Menschen einbeziehe.

In einem Punkt wagt sich die ZdK-Vollversammlung aber dann doch von der grundsätzlichen Ebene weg hin zu einer konkreten Aussage zu gleichgeschlechtlichen Partnerschaften. Glück bekundet zwar klar seine Skepsis gegenüber einer rechtlichen Gleichstellung mit Ehe und Familie, "da diese potenziell auf Nachkommen und damit auf Generativität" ausgerichtet seien.

Im gleichen Atemzug lehnt er aber eine "Diskriminierung" Homosexueller ab. Und wenn gleichgeschlechtliche Partner verbindlich Verantwortung füreinander übernehmen, dann verdiene das sogar "Respekt und Anerkennung".

Von Andreas Otto

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