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Volker Resing über Kardinal Woelki und die Flüchtlinge

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Schachfigur
Bonn - Volker Resing über Kardinal Woelki und die Flüchtlinge

In der Flüchtlingsdebatte gibt es eine giftige Versuchung: endlich auf der Seite der wahrlich und unzweifelhaft Guten stehen zu können. Diese Seite gibt es aber nie. Dieses Streben danach aber ist fatal, wird der Dramatik nicht gerecht und verzweckt die in Not geratene Menschen. Insofern hat die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt zunächst Recht, wenn sie vor parteipolitischer Instrumentalisierung warnt und dazu aufruft, sich "ehrlich" den Sorgen der Menschen zuzuwenden  – und nicht über sichere Herkunftsländer oder Taschengeldzahlungen zu debattieren.

Doch da gilt der alte Grundsatz vom Glashaus und den Steinen. Natürlich gibt es auch in der Flüchtlingspolitik nicht die Guten und die Bösen – und beide Lager wären einfach zu unterscheiden. Auch die Grünen-Politikerin argumentiert aus ihren politischen Überlegungen heraus und es ist geradezu langweilig, wenn sie schablonenartig ihrem politischen Gegner das Nähren von Rechtsradikalismus zuschreibt und sich selbst die reine Menschlichkeit.

Göring-Eckardt erklärt, wer auch immer komme, ob aus wirtschaftlicher Not heraus, aus Kriegs- oder Krisensituationen, müsse die gleichen Chancen haben. Das klingt freundlich, widerspricht aber der geltenden Gesetzeslage – und ist deswegen den Flüchtlingen gegenüber nicht ehrlich. Es wird eben nicht den Flüchtlingen gerecht, wenn man sie nicht differenziert betrachtet. Jemand der aus dem Krieg in Syrien flieht, hat eine ganz andere Situation, als ein Kosovo-Albaner, der sein Glück in Deutschland sucht, aber dem bei einer Rückkehr keine Gefahr an Leib und Leben droht.

Kardinal Rainer Woelki hat deswegen einen wichtigen Beitrag geleistet, als er sich nun für eine schnelle und konsequente Abschiebung von Flüchtlingen aus Herkunftsländern wie Albanien aussprach. Woelki steht wie kaum ein Zweiter für ein beherztes Engagement der Kirche für Flüchtlinge und auch für ein öffentlichkeitswirksames Mahnen für ein Umdenken in diesen Fragen. Nun hat er zugleich deutlich gemacht, dass es eben nicht um abstrakte Menschenfreundlichkeit geht, sondern um konkrete Politik. Und die verlangt immer Differenzierung und funktioniert nie nur im Schema von Schwarz und Weiß.

Zur Person

Volker Resing ist Chefredakteur der Herder Korrespondenz.

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