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Kirche befasst sich mit Verteidigungsfall

Eine Tagung des Bistums Regensburg sorgt für Kritik

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Regensburg - Auch die Kirchen bereiten sich auf einen möglichen Verteidigungsfall vor. Doch passt das zum christlichen Friedensauftrag? Eine Tagung sorgt für Kritik.

Der Generalinspekteur der Bundeswehr, Carsten Breuer, kommt. Und er bringt einen seiner Vorgänger mit: Klaus Naumann. Dazu zwei weitere aktive Generäle und ein Konteradmiral a.D. – Am 5. November werden sich so viele ranghohe bundesdeutsche Militärs wie wohl kaum zuvor zu einer öffentlichen Tagung der katholischen Kirche einfinden, und zwar im Regensburger Diözesanzentrum Obermünster. "Krieg und Frieden" ist sie betitelt. Und sie stößt kirchenintern auf Widerspruch.

Der Regensburger Pfarrer Martin Müller hat sich in einem Offenen Brief empört. Das Bistum biete der "Militärdoktrin eine Plattform" und mache sich so "zum Organ der Regierung und zur Außenstelle der Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr". Es entstehe der Eindruck, Friedenssicherung sei "eine rein militärische Frage".

"Friede statt Krieg"

"Friede statt Krieg" lautet daher die nicht minder plakative Überschrift über ein Symposium, das in Müllers Pfarrsaal in Sankt Anton am Vorabend der Bistumstagung stattfinden wird. Gewaltlose Perspektiven aus der Friedens- und Konfliktforschung sowie aus der Theologie sollen ein Podium bekommen. Ganz bewusst in der Spur jenes Mannes aus Nazareth, der die Friedensstifter selig pries und die Feindesliebe predigte. Es moderiert Odilo Metzler, Bundesvorsitzender der katholischen Friedensbewegung Pax Christi. Auch eine Bistumsstelle für ökosoziale Gerechtigkeit sowie die Katholische Erwachsenenbildung zählen zu den Organisatoren.

Die beiden Veranstaltungen fallen in eine spannungsgeladene Zeit. Die von russischen Truppen angegriffene Ukraine bangt vor dem fünften Kriegswinter um ihre internationale Unterstützung, vor allem um die aus den USA. Die Europäer haben großangelegte Aufrüstungsprogramme gestartet, weil sie sich ihres Schutzpatrons in Übersee nicht länger sicher sein können. Hybride Attacken auf ihre Infrastruktur nehmen zu. Häufig werden dahinter russische Akteure vermutet. Bei Wahlen haben es die Parteien der bürgerlichen Mitte immer schwerer. Nicht wenige sorgen sich um den Bestand der Demokratie, an der Machthaber wie Donald Trump oder Wladimir Putin erkennbar kein Interesse haben.

Kirchliche Vorkehrungen für den Bündnisfall

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hat mit seiner Aussage, Deutschland müsse kriegstüchtig werden, einen umstrittenen Begriff für die neue Bedrohungslage gesetzt. Während die Bundeswehr neue Waffen erhalten soll, treffen auch zivile Akteure Vorkehrungen für den "Spannungs-, Bündnis- und Verteidigungsfall". Dazu zählen die beiden großen Kirchen.

Die Tagung sei eine "Informations- und Diskussionsveranstaltung" des Bistums, nicht der Bundeswehr, so die Diözese Regensburg.

Im November 2025 verabschiedeten sie ein zunächst internes Arbeitspapier zu "Seelsorge und Akutintervention" für einen solchen Fall. Seit März dieses Jahres kann jeder nachlesen, wie sich die Kirchen darauf vorbereiten. Im Fokus des 26-Seiten-Textes steht das Szenario eines sogenannten Bündnisfalls. Gemeint ist ein Angriff auf NATO-Territorium, in dem es zunächst noch nicht zu Kampfhandlungen in Deutschland selbst kommt, wohl aber zu Sabotage und Terrorattacken.

Seelsorge für Soldaten und Kriegsdienstverweigerer

Plädiert wird für einen Ausbau der Militärseelsorge, aber auch für seelsorgliche Begleitung von Kriegsdienstverweigerern. Wer überbringt Hinterbliebenen die Nachricht, dass ihr Sohn oder ihre Tochter gefallen sind? Wie könnten diese würdig bestattet werden, auch in einer größeren Anzahl? Und müsste man sich dann nicht ebenso um mutmaßlich in Deutschland untergebrachte Kriegsgefangene kümmern? Auch zu solchen Fragen gibt das Papier grundsätzliche Handlungsempfehlungen.

Strategisch bringen die Autoren des Textes Erfahrungen aus der Corona-Zeit ein, vor allem zur Krisenkommunikation. So könne es sinnvoll sein, dass jede Pfarrei im Fall des Falles einen eigenen Krisenstab einrichtet. Mit den Erfahrungen der Krisen- und Notfallseelsorge sieht man sich gut aufgestellt. Neue Strukturen werden nicht für erforderlich gehalten. Wohl aber müsse dann klar sein, "wer wem was zu sagen hat".

Wie das Bistum die Kritik aufgenommen hat

Genug Gesprächsstoff ist also vorhanden. Völlig unbeeindruckt hat die Kritik aus dem Innern der Kirche die Bistumsleitung nicht gelassen. Der Einladungstext wurde modifiziert und dem Motto "Krieg und Frieden" ein "Nie wieder Krieg!" vorangestellt.

Die Tagung sei eine "Informations- und Diskussionsveranstaltung" und zwar des Bistums, nicht der Bundeswehr, heißt es nun. Als Referenten und Gesprächspartner nähmen auch Wissenschaftler, Politiker, Vertreter staatlicher Institutionen, der Kirche und der Zivilgesellschaft teil. "Im Mittelpunkt stehen Fragen der Sicherheitspolitik, der Friedensethik und des Völkerrechts. Wo die Einschätzungen auseinandergehen, soll das auch sichtbar werden."

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