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"Einheit der offenen Arme"

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Hannover - Mit einem ökumenischen Gottesdienst haben am Freitag in Hannover die offiziellen Feiern zum Tag der Deutschen Einheit begonnen. Gestaltet wurde er gemeinsam vom evangelischen Landesbischof Ralf Meister und dem katholischen Hildesheimer Bischof Norbert Trelle. Landesrabbiner Jonah Sievers und der Vorsitzende der muslimischen Schura in Niedersachsen, Avni Altiner, sprachen Friedensgrüße.

An der Feier in der Marktkirche Sankt Georgii et Jacobi nahmen rund 800 geladene Gäste teil, darunter auch Bundespräsident Joachim Gauck, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und sowie Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). Im Anschluss an den Gottesdienst fand der offizielle Festakt mit 1.500 Gästen im Hannover Congress Centrum (HCC) statt.

In seiner Predigt ging Landesbischof Meister auf das Elend der Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak sowie aus den afrikanischen Staaten ein, die übers Mittelmeer versuchen nach Europa zu gelangen. Er rief die internationale Gemeinschaft zu größeren Anstrengungen auf. "Wir finden nicht ausreichend Lösungen für die Menschen in Not. Ohne neue Denkräume, ohne weiter reichende Handlungsszenarien wird sich die Lage nicht grundlegend ändern", so Meister.

Norbert Trelle, Jordanien, Reise, Syrien, Flüchtlinge, Zaun
Der stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Norbert Trelle (Hildesheim), spricht während einer Reise in ein Flüchtlingscamp nach Jordanien mit Kindern einer Schule am Zaun.

"Platz freihalten für Fremde"

Bischof Trelle sagte zur Eröffnung in der Marktkirche von Hannover: "Wir wollen keine kalte Einheit, sondern eine Einheit der offenen Arme. Wir feiern unsere Einheit und halten einen Platz frei für Fremde." Das sei "die moralische Substanz der Einheit". Der Ausgrenzung von Fremden stellten sich die Christen am heutigen Tag öffentlich in den Weg. "Wir wollen eine Einheit in Vielfalt, die auch zum Teilen fähig ist", so Trelle.

Ministerpräsident Weil sagte, er sei sehr stolz darauf sagen zu können, dass der interreligiöse und interkulturelle Dialog in Niedersachsen so hervorragend funktioniere. Er werde dafür auch künftig jede Unterstützung anbieten.

Bereits seit Donnerstag läuft am Maschsee in Hannover ein Bürgerfest zum Tag der Deutschen Einheit unter dem Motto "Vereint in Vielfalt". Dabei präsentieren sich wie in den Vorjahren die 16 Bundesländer sowie Bundestag, Bundesrat und Bundesregierung. Zudem gibt es ein Unterhaltungs-, Sport- und Informationsangebot. Die Organisatoren rechneten mit insgesamt einer halben Million Besuchern an beiden Tagen.

Entwicklungspolitik im Zentrum der Feiern

Ein Schwerpunkt war die Entwicklungspolitik. So stellten unter anderem Jugendliche aus Hamburg, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz sowie aus Partnerschulen in Tansania Projektideen vor und tauschten sich über Zukunftsfragen aus. Die Arbeitsgruppe "Unser Herz schlägt auf Lampedusa" aus Hannover beteiligte sich mit einer szenischen Lesung. Die Gruppe aus Deutschen und Italienern hatte sich nach der Flüchtlingskatastrophe nahe der Mittelmeerinsel Lampedusa am 3. Oktober 2013 gegründet. Bei dem Schiffbruch kamen 366 Flüchtlinge ums Leben.

Gastgeber des Nationalfeiertags ist seit 1991 das Bundesland, das turnusgemäß den Bundesratsvorsitzenden stellt. Das ist in diesem Jahr der niedersächsische Ministerpräsident Weil. Hannover war bereits 1998 Ausrichter des Festes. (KNA)

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