Erlöst, aber wofür?
Der Ostersonntag ist der bedeutendste und wichtigste Tag in der Kar- und Osterliturgie. Er erinnert an die Auferstehung Jesu, die Überwindung des Todes. Traditionell wird die "Osternacht" von Karsamstag auf Ostersonntag mit einem festlichen Gottesdienst gefeiert. Die Osternacht ist geprägt von der "Lichtsymbolik": Christus selbst ist das Licht, das die Nacht des Todes erhellt. So beginnen die Gottesdienste draußen, vor der Kirche, wo sich die Gläubigen am Osterfeuer versammeln. Die Osterkerze wird entzündet, unter Gesang in die noch dunkle Kirche getragen und von ihr aus wird das Licht allen Mitfeiernden ausgeteilt. Das Feuer verbreitet sich in der ganzen Kirche, erhellt sie und es erklingt das "Exultet", das Loblied auf den auferstandenen Christus.
Wie dieses Licht sich jährlich in der Osternacht in den Kirchen und Gottesdiensten ausbreitet, so muss sich auch die Botschaft der Auferstehung vor über 2000 Jahren wie ein Lauffeuer ausgebreitet haben. Am frühen Morgen, so wird es im heutigen Evangelium verkündet, kommen zwei Frauen zum Grab. Es bebt die Erde, Unglaubliches geschieht, denn die Wächter zittern vor Angst und fallen wie tot zu Boden, als ein Engel des Herrn erscheint. Die Frauen bleiben standhaft und hören die beruhigenden Worte des Engels "Fürchtet euch nicht!" Und gleich darauf die unglaubliche Botschaft: "Er (Jesus) ist nicht hier, denn er ist auferstanden…" mit dem Auftrag "Geht schnell zu seinen Jüngern und sagt ihnen: Er ist von den Toten auferstanden…"
Und die Frauen? Sie hören, glauben, lassen sich von der Botschaft verwandeln. Sie verlassen sofort das Grab und eilen mit gemischten Gefühlen "voll Furcht und Freude" davon, um den Jüngern diese sagenhaften Neuigkeiten zu berichten.
Diese Botschaft geht rund um die Welt, immer wieder seit über 2000 Jahren bis heute.
Schwester Elisa Kreutzer
Als ob die Begegnung mit dem Engel am leeren Grab nicht schon bewegend genug wäre, so begegnet den Frauen auf ihrem Weg der Auferstandene selbst. Wieder die ermutigende Botschaft: "Fürchtet euch nicht!" mit einer Beauftragung für die nahe Zukunft: "Geht und sagt meinen Brüdern…"
Die Frauen sind die ersten Zeuginnen der Osterbotschaft: "Jesus lebt. Er ist auferstanden – er lebt mit und unter uns!" Alles Leid, all das Durchlittene der vergangenen Tage hat nicht mehr die Kraft sie zu bedrücken. Ostern eröffnet die hoffnungsvolle Zukunft, dass das Leben über den Tod siegt. Die Auferstehung setzt Energien frei, lässt dorthin laufen wo das Leben lebt, eröffnet neue Möglichkeiten und setzt in Bewegung.
Diese Botschaft geht rund um die Welt, immer wieder seit über 2000 Jahren bis heute. Jeder Mensch kann Zeuge und Zeugin dieser frohen Botschaft werden: Im Hören und Glauben, im Vertrauen und sich wandeln lassen. Das setzt in Bewegung – lässt im Heute, in Kirche und Gesellschaft neue, lebendige Wege wagen!
Von Elisa Kreutzer
Schwester Elisa Kreutzer ist Franziskanerin aus dem Kloster Reute.
"Gott hat die Menschen erlöst - aber wofür?" Heiner Geißler zum Ostersonntag Schwester Elisa zum Evangelium der Osternachtsfeier.
Gemeinsam mit Focus Online begleitet katholisch.de Politiker durch die Kar- und Ostertage. Auf Focus Online berichten sie, was die Feiertage für sie bedeuten. Auf katholisch.de deuten zwei Ordensleute die heiligen Tage: Schwester Elisa Kreutzer ist Franziskanerin aus dem Kloster Reute. Pater Maurus Runge ist Benediktiner aus der Abtei Königsmünster. Teil 1 der Serie vom Palmsonntag mit Texten von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) und Schwester Elisa Kreutzer können Sie hier nachlesen. Teil 2 der Serie vom Gründonnerstag mit Texten von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) und Pater Maurus Runge können Sie hier nachlesen. Teil 3 der Serie vom Karfreitag mit Texten von der Fraktionsvorsitzenden der Grünen-Bundestagsfraktion Katrin Göring-Eckardt und Pater Maurus Runge können Sie hier nachlesen. Teil 4 der Serie vom Karsamstag mit Texten von der ehemaligen Bundeswissenschaftsministerin Annette Schavan und Schwester Elisa Kreutzer können Sie hier nachlesen. Teil 6 der Serie erscheint am Ostermontag. Dann kommen die Texte von Wolfgang Thierse und Pater Maurus Runge.