Erzbischof ruft zur Wahl auf
Unter den Gästen in Berlin waren auch Bundespräsident Joachim Gauck, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sowie weitere Spitzenpolitiker aller Parteien und Kirchenvertreter. Die hörten, wie der DBK-Vorsitzende einen verstärkten Einsatz für Familien, Flüchtlinge und Menschen am Rand der Gesellschaft forderte. Es gehöre zum Kernauftrag der Kirche, für eine Werteorientierung in der Politik einzutreten, so der Erzbischof. Es war die letzte Rede, die Zollitsch in diesem Rahmen als Vorsitzender der Bischofskonferenz gehalten hat, da seine Amtszeit im kommenden Frühjahr endet.
Im Zentrum des kirchlichen Engagements stünden die Menschenwürde und die Orientierung am Allgemeinwohl, so Zollitsch weiter. Mehrfach erinnerte er an die Impulse von Papst Franziskus, etwa mit Blick auf den Einsatz für Flüchtlinge und für eine gerechtere und solidarischere Welt. Der Konferenzvorsitzende sagte, es könne die Kirche nicht unberührt lassen, dass es in Deutschland verhältnismäßig mehr Geringverdiener gebe als in anderen EU-Ländern. Ebenso kritisierte er, dass Migranten oft unter unakzeptablen Bedingungen arbeiteten.
"Unsere Gesellschaft ist auf Ehepaare und Familien angewiesen"
Mit Nachdruck setzte sich der Erzbischof für die Familien ein und sagte: "Unsere Gesellschaft ist auf Ehepaare und Familien angewiesen, die das Zusammenleben tragen und bereit sind, Leben weiterzugeben. Darauf fußt der besondere Schutz des Grundgesetzes für Ehe und Familie." Wegen der besonderen Belastungen dieser Gruppe forderte der Erzbischof mehr Geld und vorteilhaftere Gesetze für alleinerziehende Mütter und Väter.
Im außenpolitischen Teil seiner Rede ging Zollitsch vor allem auf die Entwicklungen in Ägypten und Syrien ein. Er beschwor die Politiker, alles ihnen Mögliche zu tun, um das Überleben der christlichen Minderheit im Nahen Osten zu sichern. Die Christen seien in der Gefahr, zwischen den Fronten des innerislamischen Kulturkampfes zerrieben zu werden. Das Ende des christlichen Orients sei eine "finstere Möglichkeit unserer Epoche", die es zu verhindern gelte.
Am Ende dankte der Erzbischof den scheidenden Mandatsträgern im Deutschen Bundestag für ihr Engagement, betonte aber auch die Rolle der katholischen Kirche als unbequemer Mahner gegenüber der Politik. Ihre Bedenken gegen die ethischen Verschiebungen durch die Legalisierung der Präimplantationsdiagnostik (PID) bestünden weiter. "Unsere Verantwortung dem Leben gegenüber, dem eigenen, dem noch nicht geborenen und dem zu Ende gehenden, wird in dem Maße wachsen, in dem unser Wissen und Können zunimmt", erklärte der Erzbischof. Die Kirche habe den Auftrag, ethische Grenzen aufzuzeigen, die sich aus dem christlichen Menschenbild ergeben. (bod/KNA)