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Bundespräses der katholischen Schützen über Muslim als Schützenkönig

"Es ist ein Dilemma"

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Köln - Die Krönung eines muslimischen Schützenkönigs im westfälischen Werl-Sönnern hat eine bundesweite Diskussion losgetreten - schließlich hätte der katholische Verein den türkischstämmigen Muslim Mithat Gedik (33) laut Satzung des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften (BHDS) gar nicht aufnehmen dürfen. Der Bundespräses des Dachverbandes, Kölns Domdechant Robert Kleine, erläutert im Interview die Hintergründe.

Frage: Monsignore Kleine, wie bewerten Sie die Debatte um den muslimischen Schützenkönig in Werl-Sönnern?

Kleine: Ich bin überrascht über das Ausmaß der Kritik, angefangen vom Zentralrat der Muslime bis zu Nordrhein-Westfalens Integrationsminister Guntram Schneider, der von einem "Stück aus dem Tollhaus" redet. Da wird das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Die Frage ist doch, wie man mit dem Glauben von Menschen umgeht. Die meisten Historischen Schützenbruderschaften sind nun einmal konfessionell gebunden und haben ein religiöses Fundament, das - für manche vielleicht überraschend - hin und wieder auch zum Ausdruck kommt.

Frage: Warum passt ein gut integrierter Muslim, der offenbar kein Problem hat mit der religiösen Ausrichtung, nicht in einen katholischen Schützenverein?

Robert Kleine ist Sekretär des Eucharistischen Kongresses.
Monsignore Robert Kleine ist Domdechant im Kölner Dom, Stadtdechant von Köln, Bundespräses des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften und war 2013 Sekretär des Eucharistischen Kongresses.

Kleine: Die Bruderschaften haben eine jahrhundertelange Tradition: Ihr Zeichen ist das Kreuz, Schutzpatron ist der Heilige Sebastianus oder ein anderer Heiliger, der vorbildlich als Christ gelebt hat. Wenn ich den Glauben von Muslimen ernst nehme, kann ich doch nicht erwarten, dass ein muslimischer Schützenbruder etwa das christliche Kreuz ansteckt oder an Fronleichnam hinter dem Allerheiligsten hergeht. Manche tragen heutzutage zwar das Kreuz als Modeschmuck, in einer Bruderschaft sollte es jedoch Glaubensbekenntnis und Ausdruck einer inneren Haltung sein.

Frage: Aber Herr Gedik ist doch freiwillig eingetreten...

Kleine: Es ist wirklich ein Dilemma: Da ist jemand eingebunden in eine Bruderschaft, ist anerkannt, fühlt sich wohl. Das ist in den Augen der Gesellschaft eine gelungene Integration, und jetzt kommt die Kirche und haut da wieder drauf. Aber es ist diffiziler. Ich denke, es ist gut und richtig, dass es Vereine mit einem bestimmten Profil und entsprechenden Mitgliedern gibt. Aber wir erleben solchen Widerspruch bezüglich der katholischen Kirche auch beim Thema Homosexuelle oder wiederverheiratete Geschiedene. Da wir jedoch ein katholischer Verband sind, treten wir für bestimmte Traditionen und Werte ein.

Frage: Der Verband hat die Schlagworte "Glaube - Sitte - Heimat". Das klingt für manchen fast befremdlich.

Kleine: Im Gegenteil, sie sind aktuell: Glaube steht für das christliche Fundament, Sitte für das gute Miteinander in der Gemeinschaft, getragen von Gottes- und Nächstenliebe, und Heimat steht nicht etwa für Heimattümelei oder irgendeinen Nationalismus, sondern für den Ort, wo ich zu Hause und geborgen bin, wo die Menschen sind, die ich liebe und für die ich da bin, aber auch für den verantwortlichen Umgang mit der Schöpfung.

Frage: Was können die Historischen Schützenbruderschaften aus der aktuellen Debatte lernen?

Mithat Gedik hat am 18.07.2014 beim Schützenfest in Werl-Sönnern den Vogel abgeschossen und wird von seinen Schützenbrüdern gefeiert. Weil er kein Christ ist, soll der Schützenkönig seine Königskette zurückgeben.

Kleine: Sie ist vielleicht ein Ausgangspunkt für eine neue Diskussion über unser Selbstverständnis: Ist unseren Schützen bewusst, dass sie in einer katholischen Bruderschaft sind? Wollen sie das? Das sollte nicht nur im Dachverband, sondern auch in den einzelnen Bruderschaften diskutiert werden. Wenn man sich aber weiterhin für ein kirchliches Profil entscheidet, verwahre ich mich gegen den Vorwurf, man sei damit gegen Integration. Nur wenn ich meinen eigenen Standort kenne, kann ich in einen fruchtbaren Dialog mit anderen treten. Das ist übrigens besser, als wenn jemand gar keine Haltung hat.

Frage: Warum ist das Ihrer Meinung nach in der Öffentlichkeit so schwer zu vermitteln?

Kleine: Wir haben in unserer Gesellschaft die Tendenz, dass alles für alle möglich sein muss, alles gleich gültig ist. Dadurch wird aber vieles gleichgültig. Das hat nichts mit Ausgrenzung zu tun, sondern mit einer drohenden Profillosigkeit. Es kann doch auch nicht im Sinne der Integration sein, dass man religiös gebundene Vereine - ob für Christen, Juden, Muslime oder andere - als provinziell und von gestern diffamiert.

Frage: Was soll jetzt mit Schützenkönig Gedik geschehen?

Kleine: Ich wünsche ihm ein schönes Königsjahr, aber er soll bitte dafür Verständnis haben, dass er beim Bezirksschießen und nächsten Wettbewerben nicht antreten kann, weil es der Satzung unseres Verbandes widerspricht. Weitere Konsequenzen müssen auf anderer Ebene entschieden werden. Ich bin auch gerne bereit, nach Sönnern zu fahren und mit allen Beteiligten zu sprechen.

Das Interview führte Sabine Kleyboldt (KNA)

Aktuell: Schützenkönig darf Titel behalten

Der türkischstämmige Muslim Mithat Gedik darf Schützenkönig bleiben. "Der Vorstand des BHDS hat heute als Ausdruck von Respekt und Integration gegenüber dem Schützenbruder Mithat Gedik beschlossen, ausnahmsweise keine Einwände gegen seine Königswürde in seiner Bruderschaft zu erheben", teilte der Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften am Mittwochnachmittag nach einer Vorstandssitzung in Leverkusen auf Anfrage mit. (KNA) Die vollständige Meldung lesen Sie hier.

Stichwort: BHDS

Der Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften (BHDS) wurde 1928 unter dem Namen "Erzbruderschaft vom Heiligen Sebastianus" gegründet. Er ist die Dachorganisation der katholischen Schützenbruderschaften. Das Motto des Verbandes lautet "Für Glaube, Sitte und Heimat". Der BHDS ist einer der größten Zusammenschlüsse von Schützen in Deutschland. Er umfasst rund 1.300 Bruderschaften mit 250.000 aktiven Schützen und 600.000 Mitgliedern in den sechs Diözesanverbänden Aachen, Essen, Köln, Münster, Paderborn und Trier. Ziel der Dachorganisation war es laut Gründungsdokumenten, "den Schützenvereinen, die aus langer Tradition sich dem katholischen Christentum verpflichtet fühlten und an religiösen Grundsätzen festhielten" die Möglichkeit geben, den Zusammenhalt untereinander zu stärken und damit "dem katholischen Vereinsleben neue Kräfte" zuzuführen. Nach anfänglicher Zusammenarbeit mit den Nationalsozialisten wurde die Bruderschaft 1936 wegen ihres oppositionellen Verhaltens aufgelöst. Nach dem Krieg formierten sich die Bruderschaften zunächst lokal neu. 1951 schlossen sich die Diözesanverbände zum Zentralverband der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften zusammen. Die größte jährliche Veranstaltung auf Bundesebene ist das im September stattfindende Bundesfest. Die Jugendorganisation des Bundes ist der 1963 gegründete Bund der St. Sebastianus Schützenjugend. Seit 1967 führt die ehemalige "Erzbruderschaft" den heutigen Namen. (KNA)

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