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Katholische Träger vor dem Kita-Gipfel über Zukunft Kindertagesbetreuung

"Es muss etwas passieren"

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Berlin - Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) trifft sich morgen in Berlin mit Ländervertretern, um über die Qualität in Kitas zu diskutieren. Zu diesem Kita-Gipfel melden sich auch die katholischen Träger von Einrichtungen zu Wort. So fordert der Geschäftsführer des Bundesverbandes Katholischer Tageseinrichtungen für Kinder (KTK), Frank Jansen , im Interview länderübergreifende Standards für die Betreuung von Kleinkindern.

Frage: Herr Jansen, was erwarten Sie von der Konferenz in Berlin?

Jansen: Nach dem quantitativen Ausbau der Kitas für unter Dreijährige hoffen wir nun, dass sich der Bund und die Länder endlich auf länderübergreifende Qualitätsstandards verständigen. Durch diese sollen dann die Rahmenbedingungen der pädagogischen Fachkräfte deutlich verbessert werden. Zwingend notwendig ist es dabei, verbindliche Regelungen für das Betreuungsverhältnis von Erzieherin zu Kindern und für die Freistellung der Kita-Leitungen zu entwickeln.
Auch die Qualifikationsanforderungen für die Erzieherinnen sowie die Fort- und Weiterbildung sollten die Verantwortlichen in den Blick nehmen.

Der Geschäftsführer des Verbandes Katholischer Tageseinrichtungen für Kinder (KTK), Frank Jansen
Der Geschäftsführer des Verbandes Katholischer Tageseinrichtungen für Kinder (KTK), Frank Jansen, äußerte sich zur Situation in den Kindertagesstätten.

Frage: Bei den Koalitionsverhandlungen im vergangenen November berieten die Politiker über ein Bundesqualitätsgesetz, das solche Standards beinhalten könnte, im Koalitionsvertrag stand es dann aber nicht…

Jansen: Das ist richtig. In Entwürfen des Vertrags stand es noch, in der endgültigen Fassung ist es herausgefallen - leider. Mein Verband hat sich aber mit der Arbeiterwohlfahrt und der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) zu einer Initiative zusammengetan, um weiter für ein solches Gesetz zu werben. Für uns sind eine hochwertige Bildung, Erziehung und Betreuung von Kindern eine nationale Aufgabe, der sich der Bund nicht entziehen kann.

Frage: Immerhin hat der Bund für die Kitas eine Menge Geld in die Hand genommen. So wurden die Mittel für den Ausbau vor kurzem um weitere 550 Millionen Euro auf dann bis zu einer Milliarde aufgestockt und Geld für die Betriebskosten bereitgestellt.

Jansen: Die bisherigen Mittel reichen nicht. Sie sind auch vor allem für den Ausbau der Kitas bestimmt. Nach unseren Berechnungen brauchen wir allein für ein besseres Verhältnis von Kindern zu Erzieherinnen fünf Milliarden Euro jährlich mehr.

Frage: An der Konferenz in Berlin sind jetzt aber nur Bund und Länder beteiligt und nicht die Trägerverbände.

Jansen: Jetzt sollen sich erst einmal Bund und Länder an einen Tisch setzen, das ist ein guter erster Schritt. Uns wurde signalisiert, dass im Anschluss die Trägerverbände in das Prozedere einbezogen werden. Das wäre uns sehr wichtig. Es ist uns schon klar, dass solche Standards nicht von heute auf morgen umgesetzt werden können. Zudem ist die Spanne bei den Vorgaben der Länder in den Kitas sehr groß.

Mittelfristig sollten Ziele festgeschrieben werden, die gemeinsam von Vertretern des Bundes, der Länder, der Kommunen und der Verbände erarbeitet werden. Orientieren sollten sich die Verantwortlichen an Standards, die im Zuge wissenschaftlicher Untersuchungen herausgearbeitet wurden.

Frage: Was passiert, wenn sich Bund und Länder nicht einigen können?

Jansen: Das wäre eine Katastrophe. So wie es derzeit läuft, ist das System der Kindertagesbetreuung an seine Grenzen gestoßen. Die Erzieherinnen und Erzieher engagieren sich in einem Maß, das langfristig nicht aufrecht zu erhalten. Es muss etwas passieren.

Frage: Welche Rolle spielen denn die katholischen Kitas in der Gesamtpalette der Einrichtungen?

Jansen: Eine nicht zu unterschätzende. Wir konnten unser Angebot an Plätzen für unter Dreijährige von 2006 bis 2012 um 80 Prozent ausbauen und stellen jetzt für die Altersgruppe 14 Prozent vom Gesamtangebot. 9.500 der insgesamt 54.000 Kitas haben einen katholischen Träger.

Wir werden uns auch weiterhin engagieren und wollen vor allem das Angebot an Ganztagsplätzen ausbauen. Zudem wollen wir in den kommenden Jahren noch stärker vernetzt arbeiten. Unsere Vorstellung ist es, dass es in naher Zukunft keine Tageseinrichtung mehr gibt, die nicht mit der Kindertagespflege zusammenarbeitet, damit auch Randzeiten besser abgedeckt werden. Wir wollen auch einen Schwerpunkt auf die Vernetzung unserer Kitas mit Angeboten der Gemeinden legen - wie etwa Erziehungsberatungsstellen.

Von Birgit Wilke (KNA)

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