"Europa eine Seele geben"
Nicht wählen zu gehen, wäre demnach eine vertane Chance, Politik konkret mitzugestalten. Das käme einer Geringschätzung der Rechte und Freiheiten gleich, für die Menschen an den Grenzen der Europäischen Union (EU) ihr Leben riskierten, etwa in der Ukraine und im Mittelmeerraum, heißt es weiter. Zudem brauche es eine aufrichtige und nicht populistische Debatte über Defizite der EU sowie eine europäische Identität, in der regionale und nationale Identitäten ihren Platz haben.
Die Initiative fordert ein neues Wachstumsmodell für Europa, in dem nicht länger ungebremster Konsum im Mittelpunkt stehe. Auch den Rechten und Bedürfnissen der Armen und Schutzlosen müsse Rechnung getragen werden. Die Wähler müssten Wahllisten zurückweisen, die Europa für nationale Egoismen missbrauchten. Der Wahlaufruf endet mit den Worten: "Überlassen wir Europa nicht denen, die es zerstören wollen. Geben wir Europa mit unserer Stimme seine Seele!"
Für das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) appellierte dessen Europapolitischer Sprecher Martin Kastler (CSU) an die Bürger, ihr Parlament mit einer hohen Wahlbeteiligung zu stärken und ein klares Votum für die europäische Einigung abzugeben.
Auch Erzbischof zollitsch ruft Bürger zur Wahl auf
Auch Erzbischof Robert Zollitsch rief die Bürger am Mittwochabend in Baden-Baden zur Wahl auf. Er selbst sei ein "leidenschaftlicher Gegner jeglicher Diktatoren und ein unverbesserlicher Europäer". Europa dürfe nicht nur als Währungs- und Wirtschaftsunion verstanden werden, so der ehemalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz. Vielmehr solle man sich der eigenen Wurzeln vergewissern, "den Idealen, aus denen wir leben". Es brauche nicht nur ein Wachstum der Wirtschaft, sondern auch ein Wachstum an gelebten ethischen Werten.
Parallel zu dem Wahlaufruf startete IXE außerdem gemeinsam mit einer Vielzahl katholischer Organisationen eine neue Homepage mit dem Titel "The Europe Experience". Die Seite lädt Wähler ein, sich aktiv über die EU zu informieren und den Wahlkampf mitzugestalten. "Als Christen können wir Europa verändern, wenn wir uns einmischen", sagte ZdK-Generalsekretär Stefan Vesper bei der Vorstellung des Wahlaufrufs und der Homepage in Brüssel: "Ein Wahlaufruf allein genügt nicht!"
In sieben Sprachen betrachtet die Website fünf Politikfelder aus der Perspektive der Christlichen Soziallehre und dokumentiert mit konkreten politischen Forderungen den Beitrag christlicher Organisationen zur Gestaltung der Europapolitik. Die Benutzer können politische Forderungen europaweit diskutieren und ihre Kandidaten damit konfrontieren. Die Parlamentsanhörungen der zukünftigen Mitglieder der EU-Kommission können in Livestreams verfolgt werden.
In der Initiative Christen für Europa (IXE) haben sich europapolitisch engagierte Personen und Institutionen aus neun EU-Staaten zusammengeschlossen. Deutschland wird durch das ZdK vertreten. Die Europawahlen finden vom 22. Bis 25. Mai statt. (bod/KNA)