Falsche Propheten
Die AfD und die Pegida - beides keine Freunde des Christentums! Wie im Dritten Reich, so gehen heute leider auch Christen den Rattenfängern auf den Leim, weil sie glauben, dass diese selbsternannten Sturmgeschütze des Abendlands die heimische Kultur vor allem Fremden bewahren. War es im vergangenen Jahrhundert der gottlose Russe, vor denen die gutmeinenden Christenmenschen Schutz bei Hitler suchten, so ist es nun mehr der Islam, vor dem die Höckes und Petrys die Deutschen schützen sollen.
Jede Aufmunitionierung der Rechten in unserer Gesellschaft wird das Land zunehmend unfreier und in der Konsequenz unchristlicher machen. Wenn in totalitären Systemen auf Linie gebracht werden soll, dann muss nämlich vor allem die Mehrheit in Schach gehalten werden und nicht die auszuradierenden Minderheiten. Angst und Einschüchterung gehören in Teilen Deutschlands schon wie selbstverständlich ins Repertoire der neuen Rechten.
In den sozialen Medien machen sich als "Rechtskatholiken" bezeichnete Akteure gegen den Islam und gegen Flüchtlinge stark. Sie werden Gottseidank kritisiert. Aber durch ihr Werben für die rechte Sache schleicht sich ein verständnisheischender Ton in die Debatte ein, der am Ende nur ein Gesangbuchbild breit davon entfernt ist, Gewalt und Anschläge auszublenden.
Die eigenen Wünsche, die Homogenität des als christlich verstandenen Heimatlands zu bewahren, führt in ein Ausblenden der Tatsache, dass eine rassische, völkische, auf das Blut und die Gene abzielende Einteilung und Bewertung von Menschen (vulgo Rassismus) nicht mit dem Christentum vereinbar sind. Wer also heute klammheimliche Freude über Anschläge auf Moscheen und Angriffe auf Muslime verspüren sollte, muss sich sagen lassen, dass auch das Christentum auf der Liste des Auszurottenden bei den Nationalsozialisten weit oben stand. Wie kann man so wenig aus der Geschichte lernen und sich falschen Propheten an den Hals werfen?
Alexander Görlach ist Herausgeber und Chefredakteur des Debatten-Magazins "The European". Zurzeit befindet er sich als Gastwissenschaftler an der Divinity School der Harvard University.
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