Feiern - aber fair
So viel Geld wurde 2011 für Feuerwerk ausgegeben, ähnlich viel Umsatz erwartet Klaus Gotzen, Geschäftsführer des Verbandes der pyrotechnischen Industrie (VPI), auch in diesem Jahr.
Wie viel Geld die Kampagne en Detail einbringt, kann Renate Vacker, Pressesprecherin von „Brot für die Welt“, nicht sagen: „Die Menschen verraten uns ja nicht, warum sie gerade jetzt den Betrag X/Y spenden; zumal das meist zeitversetzt geschieht.“ Insgesamt nehme das Hilfswerk pro Jahr etwa 56 Millionen Euro ein – also etwa die Hälfte dessen, was an den drei Tagen vor Silvester für Knallkörper ausgegeben wird. Vacker bewertet die Kampagne trotzdem positiv: „Wenn ich mir anschaue, dass die Aktion nun seit 30 Jahren existiert und so etwas wie eine Marke geworden ist, sind wir mehr als zufrieden. Sie wird von vielen Seiten positiv aufgenommen und viele Gemeinden machen sich die Aktion zu eigen und sammeln ihrerseits Geld für Projekte.“
Falscher Ansatz
Kritiker bemängeln, dass „Brot für die Welt“ einen Zusammenhang zwischen dem Silvester-Feuerwerk und dem Hunger in Afrika konstruiere. Sie werfen dem Hilfswerk Lustfeindlichkeit und Bevormundung vor. So bezeichnet das linke Aktionsbündnis „3. Welt Saar“ die Kampagne auf seiner Homepage als völlig willkürlich; mit dem gleichen Recht könne man auch auf Tannenbäume oder Fußballspiele verzichten. Sie stören sich auch an dem „erhobenen Zeigefinger“ und bevorzugen einen systemischen Ansatz, um Hunger und Armut entgegenzuwirken. Dem setzt Vacker entgegen, dass sie sich gar nicht anmaße, Menschen vorzuschreiben, wie sie das neue Jahr begrüßen sollen: „Den Spaß an sich verurteilen wir ja gar nicht. Wir weisen nur darauf hin, dass viel Geld für den kurzweiligen Effekt ausgegeben wird. Und dem möchten wir etwas Nachhaltiges entgegensetzen. Und darauf weisen wir mit unserer Kampagne hin.“
Den Vorwurf, anderen ihren Spaß nicht zu gönnen, haben sich die konfessionellen Jugendverbände BDKJ und EJM wiederum zu Eigen gemacht: In Kooperation mit einer Weinkellerei aus dem Saarland bieten sie Sekt an, den man sich Flaschen- oder gleich Kistenweise im Internet bestellen kann. Von den neun Euro werden 2,40 Euro für Hilfs-Projekte in Afrika abgeführt. Überdies plädieren sie dafür, sich für die Feiertage mit fair gehandelten Lebensmitteln einzudecken. Damit, so werben die Verbände auf ihrer gemeinsamen Internetseite, lasse sich auch ohne schlechtes Gewissen Spaß haben.
Von Michael Richmann