Fidels letzter Wunsch
Fidel Labrador hat einen letzten Wunsch: Der philippinische Seemann will zurück in seine Heimat. Vor kurzem hat der in Hamburg lebende 69-Jährige einen Schlaganfall erlitten. Weil sein Gesundheitszustand sehr ernst ist, will er noch einmal seine Frau, seine vier Kinder und die drei Enkel sehen. In Lubao, einem Dorf nördlich der philippinischen Hauptstadt Manila, könnten die Angehörigen die Pflege und Betreuung von Fidel übernehmen.
Doch die Zeit drängt. "Fidel kann nur schwer sprechen, ist auf einen Katheter angewiesen. Er kann sich nicht selbstständig bewegen und auch nicht alleine essen", sagt Felix Tolle von der Deutschen Seemannsmission in Hamburg. Zwar gehe es dem ehemaligen Seemann nach einem Krankenhausaufenthalt besser, aber er ist sehr schwach. Auf jeden Fall könne Fidel nur noch im Liegen transportiert werden und ist zusätzlich auf die Begleitung durch eine Pflegeperson angewiesen. Doch die Kosten für die Flugreise kann Fidel selbst nicht aufbringen. "Seine Rente von etwa 700 Euro im Monat reicht dafür einfach nicht", erklärt Tolle. 5000 Euro würde der Flug kosten. "Wir haben schon einige Fluglinien angeschrieben und um Hilfe gebeten". Doch niemand wollte bislang den kompletten Flugpreis spendieren.
"Wir sind auf die Hilfe von zahlreichen Spendern angewiesen"
Jetzt sammelt die Deutsche Seemannsmission für Fidel, um ihm seinen letzten Wunsch zu erfüllen. "Doch alleine schaffen wir das nicht", sagt Tolle. "Wir sind auf die Hilfe von zahlreichen Spendern angewiesen. Über jeden Cent, der gespendet wird, freuen wir uns." Einige Tausend Euro sind bereits auf dem Spendenkonto eingegangen. Die Aktion habe hohe Wellen geschlagen, freut sich auch Abraham Giray, ein langjähriger Freund von Fidel. Mehrmals in der Woche besucht er ihn im Pflegeheim in der Nähe von Hamburg. "Er hat ja sonst niemanden hier", sagt Giray. Fidels größter Wunsch sei es daher, nach Hause zu können. Die Spendenaktion war Girays Idee. "Ich habe Fidel bei meinem letzten Besuch vor ein paar Tagen versprochen, dass ich jemanden suche, der ihm helfen kann. Und dann bin ich mit meiner Idee zur Seemannsmission gegangen", erzählt Giray weiter. Er freut sich schon, wenn er seinem todkranken Freund von der Spendenaktion erzählen kann. Noch weiß Fidel nichts davon.
Schon im Seemannsheim der Deutschen Seemannsmission an der Michaeliskirche habe er Fidel oft besucht. Für viele Seeleute ist das Haus des Hamburger Michels so etwas wie eine zweite Heimat. Auch Fidel war schon zu seiner aktiven Zeit als Matrose oft zu Gast im Seemannsheim und fand schließlich als Rentner dort eine dauerhafte Bleibe. "Alle hier kennen ihn gut", so Tolle. Das Seemannsheim ist eine Unterkunft mit Hotelcharakter für Seefahrer, die übergangsweise nicht an Bord eines Schiffes wohnen können oder auch einen Aufenthaltsort in der Freizeit suchen, während ihr Schiff im Hafen liegt.
"In unserem Haus kommen viele Seeleute unter. Manche bleiben nur für ein paar Nächte, bevor es wieder auf See geht, andere wiederum sind dauerhaft bei uns", erklärt Tolle. 20 feste Mitarbeiter kümmern sich um die 40 Dauergäste, zu denen auch Fidel lange gehörte. "Wir bieten soziale Betreuung an, helfen bei Behördengängen, sind behilflich bei der Job- und Wohnungssuche, laden zu Veranstaltungen ein und bieten Seelsorge an."
Seit seinem Hirninfarkt im September ist der ehemalige Matrose Fidel pflegebedürftig. Im Seemannsheim konnte er daher nicht mehr aufgenommen werden. "Wir sind ein Hotel, aber keine Pflegestation", sagt Tolle. Wenn ein Seemann so schwer erkrankt, muss er die Unterkunft verlassen. "Auch Fidel kann leider nicht mehr bei uns wohnen."
Wenn Sie die Deutsche Seemannsmission dabei unterstützen wollen, den letzten Wunsch von Fidel Labrador zu erfüllen, können Sie sich auf folgender Internetseite über die Möglichkeiten informieren.
Schon längst wollte Fidel wieder in seine Heimat zurück, erzählt sein Freund Giray. Jahrelang habe er sich nur notdürftig mit Minijobs über Wasser gehalten. Weil er einen deutschen Pass besitzt, durfte er in Hamburg offiziell arbeiten, was in Manila nicht gegangen wäre. Mit dem Geld unterstützte er regelmäßig seine Familie. Die wartet nun verzweifelt auf seine Heimkehr. Ein Flugticket können sich die Familienmitglieder nicht leisten. Außerdem sei es viel zu kompliziert, um an ein Visum zu kommen, erklärt Tolle.
Fidels Herzenswunsch: Im Kreis seiner Familie sterben
Daher will die Seemannsmission Fidels Wunsch erfüllen und die Kosten für seine letzte Reise zum Teil mittragen. "Es ist selbstverständlich für uns, Fidel zu helfen". Eine Spendenaktion in dieser Form habe es bei der Deutschen Seemannsmission noch nie gegeben. "Es ist schön zu sehen, wie viele helfen wollen", zeigt sich Tolle erfreut. Auch ein philippinischer Seemansverein habe schon seine Mithilfe angekündigt. "Fidels Geschichte geht uns sehr nahe. Er ist uns ans Herz gewachsen, weil er stets gut gelaunt, freundlich und zuvorkommend ist. Außerdem ist er ein gläubiger Mensch", fügt er hinzu.
Immer wieder habe Fidel den Mitarbeitern der Seemannsmission erzählt, dass er zu Hause im Kreis seiner Familie sterben will. "Das ist sein größter Herzenswunsch", sagt auch sein langjähriger Freund Giray. Er hofft, dass Fidel bis Weihnachten zu Hause sein kann. Als Katholik gäbe es für ihn nichts Schöneres, als ein letztes Mal im Kreis seiner Familie dieses besondere Fest feiern zu können. Giray will dafür beten, dass es gelingt.
Die Deutsche Seemannsmission e.V. mit ihrer internationalen Zentrale in Bremen ist eine Einrichtung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und finanziert sich hauptsächlich aus Spendengeldern. Zur Deutschen Seemannsmission gehören 32 Stationen im In- und Ausland. Mehr als 700 Haupt- und Ehrenamtliche leisten in ihrem Auftrag auf Schiffen, in Seemannsclubs und in Seemannsheimen auf mehreren Kontinenten Seelsorge und Sozialarbeit für Seeleute aus aller Welt. Ziel der Deutschen Seemannsmission (DSM) ist es, weltweit die Würde der Seeleute zu unterstützen.