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Kirchliche Experten für Rechtsextremismus ziehen Bilanz

"Fremdenfeindlichkeit für Christen rote Linie"

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Schaukelnde Kinder in der Flüchtlingsunterkunft
Magdeburg - Die Kirchen präsentieren sich als Speerspitze gegen den Rechtsextremismus. Doch gegen AfD-Anhänger in den eigenen Reihen kommen sie bislang kaum an. Nach der Wahl traf sich eine ökumenische AG, um Bilanz zu ziehen.

Es ist ein Schock mit Langzeitwirkung. Unerwartet kommt der 12,6-Prozent-Erfolg der AfD bei der Bundestagswahl zwar nicht, und doch herrscht Ratlosigkeit über die Konsequenzen für Politik und Gesellschaft. Auch die Kirchen haben kein Patentrezept.

In Vorahnung der vielbeschworenen "Zäsur" in der deutschen Parteienlandschaft hatte die "Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus" (BAG K+R) zu einer Konferenz nach Magdeburg geladen. Vertreter der katholischen Bistümer und evangelischen Landeskirchen sowie weiterer Initiativen zogen am Wochenende eine Bilanz ihres Engagements der vergangenen Jahre.

Kirche als Schutzraum für Flüchtlingshelfer

Sie fiel durchwachsen aus. Einerseits bieten die Kirchen vor allem in kleinen Gemeinden Ostdeutschlands unverzichtbare "Schutzräume", in denen sich Flüchtlingshelfer ohne Angst vor Anfeindungen engagieren können, wie Petra Schickert vom "Kulturbüro Sachsen" betonte. Sie stützten damit eine "Willkommenskultur", die Rechtsextremisten und Rechtspopulisten vehement ablehnen.

Doch die Lage ist nicht so klar, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Weniger als der Bundesdurchschnitt zwar, aber immerhin 11 Prozent der Protestanten und 9 Prozent der Katholiken machten in der Wahlkabine ihr Kreuz bei der AfD. Für Christian Staffa vom Sprecherrat der Bundesarbeitsgemeinschaft ein Argument gegen Forderungen, den Verbund in "Kirche gegen Rechtsextremismus" umzubenennen: "Die Kirche ist auch Teil des Problems", betonte Staffa.

Die mitteldeutsche Bischöfin Ilse Junkermann bestätigte seine Analyse und nannte eine weitere Herausforderung: Wer in den christlichen Gemeinden Sympathien für Gauland und Co. hege, tue dies oft insgeheim. Die Polarisierung der Positionen auch unter Christen werde zum Tabu. "Gerade die klare Haltung der Kirchenleitungen gegenüber dem Rechtsextremismus erschwert das Gespräch mit denen, die anderer Meinung sind", räumte die evangelische Landesbischöfin ein. Nach ihrer Erfahrung sind Anhänger der AfD geradezu stolz darauf, sich nicht auf eine sachorientierte Debatte über ihre Forderungen einzulassen.

Mehr Informationen

Das Forum wurde von der "Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus" (BAG K+R), dem Bistum Magdeburg, der AG "Kirche und Rechtsextremismus" der EKM, Miteinander e.V., dem Projekt "Kompetent für Demokratie" der KEB Sachsen-Anhalt e.V., dem BDKJ Diözesanverband Magdeburg sowie der Katholischen Akademie des Bistums Magdeburg veranstaltet. Die BAG K+R ist ein Zusammenschluss von Initiativen, Organisationen und Arbeitsgruppen. Sie will mit ihrer Arbeit gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit innerhalb und außerhalb der Kirchen benennen, ihnen konstruktiv entgegentreten und sie überwinden.

Zur Website (externer Link)

Der Innsbrucker Theologe Wolfgang Palaver sieht die Kirchen in einem weiteren Dilemma. Die Absage der Kirchen an antidemokratisches Denken und Fremdenfeindlichkeit gehe einher mit schwindendem Einfluss, die Gesellschaft christlich zu prägen, konstatierte er. "Wer Probleme mit einem Gottesglauben hat, tut sich mit frommen Muslimen doppelt schwer", so der Professor für Christliche Gesellschaftslehre.

Am Christentum orientierte Ethik "nicht trendy"

Mamad Mohamad vom Landesnetzwerk Migrantenorganisationen Sachsen-Anhalt kann dies aus eigener Erfahrung bestätigen. Er spürt eine wachsende "rassistische Grundstimmung" vor allem bei Ostdeutschen, wie er bei der Konferenz sagte. Es sei nicht "trendy", sich ethisch am christlichen Menschenbild zu orientieren, meinte auch Stephan Rether, der die katholische Kirche in Sachsen-Anhalts Landespolitik vertritt.

Einig waren sich die kirchlichen Extremismus-Experten darin, die den rechtsextremistischen Einstellungen zugrunde liegenden Ängste ernst zu nehmen. Der katholische Magdeburger Bischof Gerhard Feige markierte indes eine rote Linie. Eine klare Absage an jede Form der Fremdenfeindlichkeit sei und bleibe für Christen "nicht verhandelbar".

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