Für die Menschen
Der Bundesfreiwilligendienst ersetzt seit dem 1. Juli 2011 den Zivildienst. Die sogenannten Bufdis können eine Zeit lang in Krankenhäusern oder Behindertenheimen, aber auch im Bildungs-, Sport- oder Kulturbereich mitarbeiten. Dafür erhalten sie ein Taschengeld von maximal 348 Euro monatlich.
Die Altersgrenze von 27 Jahren wurde aufgehoben, so dass sich Menschen jeden Alters bewerben können. Mittlerweile stellt die neue Zielgruppe der über 27-Jährigen einen Anteil von über 40 Prozent. Gefördert werden vom Ministerium jährlich maximal 35.000 Plätze mit 200 Millionen Euro.
Zusammen mit dem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ), dem Freiwilligen Ökologischen Jahr (FÖJ) und dem Internationalen Jugendfreiwilligendienst sind derzeit mehr als 85.000 Freiwillige in Deutschland aktiv - nach Auskunft des Ministeriums ein Rekord. Für das FSJ, das am 1. September wieder begonnen hat, haben sich über 48.500 Jugendliche angemeldet.
Kritik der Linkspartei
Doch es gibt weiter Kritik. Die Linke befürchtete schon vor dem Start, dass sich der Bundesfreiwilligendienst zu einem neuen Niedriglohnsektor entwickeln werde. Vor allem in Ostdeutschland gebe es überproportional viele über 27-jährige Bufdis, die zu günstigen Arbeitskräften für die Einrichtungen würden.
"Der Bundesfreiwilligendienst ist im sozialen Bereich und in der Pflege Auffangbecken für im Osten vorher wegrationalisierte ältere weibliche Arbeitskräfte", kritisiert der Linken-Abgeordnete Harald Koch. Er beklagt auch, dass der Dienst tendenziell immer mehr von Frauen genutzt und die soziale Arbeit somit wieder stärker in Frauenhände verlagert werde - so würden Geschlechterstereotype gestärkt.
Bei der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg sieht man jedoch keine Konkurrenz zum ersten Arbeitsmarkt. Im Einzelfall könne es sehr sinnvoll sein, sich zusätzlich zu qualifizieren. So sei etwa das FSJ für Schüler in Zeiten doppelter Abiturjahrgänge eine gute Idee, die Zeit bis zu einer Ausbildung oder einem Studium zu überbrücken.
Das Bundesfamilienministerium widerspricht ebenfalls. Für eine solche Verdrängung gebe es keine Anzeichen, erklärt ein Sprecher. Freiwillige seien keine Arbeitskräfte, vielmehr engagierten sie sich in einem gesetzlich geregelten Dienst und übernähmen dabei überwiegend praktische Hilfstätigkeiten. Die Kriterien zur Prüfung der Arbeitsmarktneutralität entsprächen inhaltlich in vollem Umfang denen im Zivildienst sowie denen beim FSJ und FÖJ.
Hohe Nachfrage bei der Caritas
Auch die Caritas bewertet den Dienst positiv. "Die Umstellung vom Zivildienst auf den Bundesfreiwilligendienst ist erstaunlich gut und relativ reibungslos gelungen", so Caritas-Pressesprecherin Claudia Beck gegenüber katholisch.de. Die Plätze im Bundesfreiwilligendienst seien in den Einrichtungen und Diensten der Caritas alle belegt, die Nachfrage und das Interesse weiterhin hoch.
Kritisch sieht Beck allerdings die Deckelung der Plätze. "Insbesondere in den Bundesländern, in denen mit dem Doppelabitur in diesem Jahr deutlich mehr junge Menschen einen Freiwilligendienst absolvieren wollen, sind die Plätze rar", betont die Sprecherin. Die Caritas bemühe sich aber, durch interne Umverteilungen möglichst allen Interessenten einen Platz anbieten zu können. Dies sei allerdings sehr aufwendig und werde vermutlich nicht in allen Fällen gelingen.
Die 100.000. Teilnehmerin am Bundesfreiwilligendienste hat derweil schon jetzt einen geradezu historischen Platz bekommen. Sophie wird ihren Dienst im Berliner Stadtmuseum absolvieren - mit Sonderurkunde der Ministerin. (stz/dpa)